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Torfbahnhof ist nun 25 Jahre unter Denkmalschutz

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Sie setzen sich für den Erhalt des Museums Torfbahnhof Rottau ein: Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler (von links), Claus-Dieter Hotz, Thomas Goppel und Ekkehard Barchewitz, Vorsitzender des Museumsvereins. (Foto: T. Eder)

Grassau. »1988 wurde durch den Weitblick und die Hartnäckigkeit einiger weniger der Torfbahnhof zum Industriedenkmal erklärt und ohne dieses Attribut wäre der Erhalt nicht gelungen«, betonte Ekkehard Barchewitz, Vorsitzender des Museumsvereins Torfbahnhof Rottau während des Festakts zum 25-jährigen Bestehen des Denkmals im Gasthof Messerschmid. Ermöglicht hatte dies Claus-Dieter Hotz. Er hatte nicht nur in Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler sondern vor allem auch in Landesdenkmalratsvorsitzenden Thomas Goppel einen Befürworter des Torfbahnhofs gefunden.


Jährlich kommen bis zu 4000 Besucher

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Der Dreiklang aus Industriegebäude, Museum und dem 17 000 Quadratmeter großen Umfeld mit Baracken und Feldbahngleisen mache den besonderen Charme aus. Jährlich kommen bis zu 4000 Besucher. Heute sei, so Barchewitz weiter, der Torfbahnhof ein geografischer Ort zwischen Bundesbahn, Gefängnis und Moor, der aber auch eine andere Geschichte bestehend aus Arbeit, Natur und Kindheitserinnerungen habe.

Als ein Museum in Bürgerhand, als einen Kulturbetrieb geführt durch Bürgerengagement, bezeichnete Barchewitz das Denkmal. Er betonte, dass der Museumsverein immer auf Spenden und öffentliche Zuschüsse angewiesen sein werde, da sich ein Museumsbetrieb nie rechne. »So originell und so sensibel der Torfbahnhof auch ist, wird er immer gefährdet sein«, meinte er.

Thomas Goppel erinnerte an die Zeit, als über das Schicksal des Torfbahnhofs kontrovers diskutiert wurde. Goppel ging auf die Einzigartigkeit des Denkmals ein. Es sei eine Aufforderung, nicht alles gedankenlos wegzulegen. Er lobte, wie die Geschichte hier aufbereitet wurde.

Der Torfbahnhof, der seit 93 Jahren existiert, sei ein Projekt, Heimatgeschichte näher zu bringen, meinte der Stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser. Es sei gelungen, Informationen nicht zu wissenschaftlich und zu trocken zu vermitteln und eine kulturelle Bereicherung. Zudem ergänze es die Museen im Landkreis, betonte er. Konhäuser dankte Hotz, der sich mit seiner Arbeit am Museum für den Landkreis verdient gemacht habe. Gleichzeitig sprach Konhäuser finanzielle Unterstützung zu.

Der Torf, so erinnerte Zweiter Bürgermeister Sepp Grießenböck, sei einst der wichtigste Brennstoff gewesen und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vom Öl abgelöst. 1988 lag bereits der Beschluss zum Abbruch des Gebäudes vor. Hotz und weitere rührige Bürger hatten gekämpft, um dies zu verhindern. Vor einigen Jahren, so Grießenböck weiter, sollten die Gemeinden Grassau, Bernau und Übersee die Trägerschaft übernehmen. Dazu sei es aber nicht gekommen, dafür aber beteiligen sich die Gemeinden jeweils mit 2000 Euro.

Noch gut konnte sich auch Kreisheimatpfleger Christian Soika an den Kampf um den Torfbahnhof erinnern. Damals habe es das Bewusstsein für technische Denkmäler noch nicht gegeben. So freue es ihn, dass der Kulturausschuss nun bereit sei zu helfen. Er erinnere sich an eine Sitzung des Kulturausschusses, als Hotz »hinauskomplementiert« wurde. Hotz und der Verein für Industrie und Technikgeschichte haben das Bewusstsein für den Wert technikgeschichtlicher Dinge geweckt. Schließlich beleuchtete Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler den Begriff Heimat, der früher nicht räumliche sondern rechtliche Bedeutung hatte. Heimat als emotionaler Begriff sei erst viel später entstanden. Es sei schwierig, allgemeine Heimatmuseen zu erhalten, Spezialmuseen werde es aber weiter geben, betonte er.

Torfballenpresse ist wieder in Betrieb

Schließlich meldete sich auch Museumsleiter und Vater des Denkmals, Claus-Dieter Hotz, zu Wort. Er dankte Goppel für seinen Einsatz, den Vereinsmitgliedern für die Unterstützung und auch den Kommunalpolitikern, die es ihm nicht immer leicht machten. Die Aufgaben des Vereins für Industrie und Technikgeschichte waren abgearbeitet und so konnte man sich auf den Torfbahnhof konzentrieren. Die Satzung wurde geändert und in Museumsverein Torfbahnhof umbenannt.

Ein Glück sei es gewesen, Ekkehard Barchewitz als Vorsitzenden zu gewinnen. Großartig sei es, die alte, letztmals vor 40 Jahren in Betrieb gewesene Torfballenpresse wieder in Gang zu setzen, fügte er hinzu. Dokumentiert wurde die Geschichte des Industriedenkmals durch einen Film von Wolfgang Spring und die neue Broschüre von Hotz. tb