weather-image

Tödliche Flucht übers Mittelmeer

4.4
4.4
Bildtext einblenden

Traunstein – Mit einem Teilgeständnis des Hauptangeklagten hat ein Prozess um eine tödliche Schleuserfahrt über das Mittelmeer begonnen.


Drei in Traunstein vor Gericht stehende Männer sollen für den Tod von mindestens 13 Flüchtlingen mitverantwortlich sein. Die Anklage wirft den beiden Hauptangeklagten im Alter von 27 und 34 Jahren gewerbs- und bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern mit Todesfolge vor. Bei einer der Fahrten über das Mittelmeer war das Schlauchboot im September 2015 mit einem Frachtschiff zusammengestoßen und gekentert.

Anzeige

Der 27-Jährige ließ durch seinen Verteidiger erklären, er habe den Drahtziehern der Bande Flüchtlinge – überwiegend Landsleute – nur vermittelt und dafür pro Person maximal 100 Euro erhalten. Die Schleusung selbst kostete jeden Asylsuchenden laut Anklage bis zu 1000 Euro. Die 13 ertrunkenen Flüchtlinge seien nicht von ihm vermittelt worden, ließ der 27-Jährige erklären. Er sei bei keiner der Schleuserfahrten selbst dabei gewesen und habe auch nicht gewusst, wie viele Flüchtlinge jeweils im Boot saßen. Mit dem verdienten Geld habe er seine eigene Flucht finanzieren wollen.

Die Hauptbeschuldigten sind nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Teil einer international agierenden Schleuserbande. Sie sollen überwiegend Landsleute vom türkischen Izmir nach Griechenland gebracht haben. Sie verlangten dafür an die 1000 Euro pro Flüchtling. Die Anklage listet zwischen Juli und November 2015 sechs Fahrten mit zusammen rund 250 Menschen auf. Der 24 Jahre alte dritte Angeklagte - auch er Flüchtling - soll das Schlauchboot gesteuert haben. Dafür wurde ihm das Schleusergeld erlassen.

Für den Prozess sind sieben Verhandlungstage vorgesehen. Als Zeugen werden auch Überlebende der Schleuserfahrten gehört. Die Höchststrafe für Schleusen mit Todesfolge beträgt 15 Jahre. Das Verfahren findet in Traunstein statt, weil mindestens einer der Angeklagten zum Zeitpunkt seiner Festnahme 2016 in dem Gerichtsbezirk wohnte. Das Urteil soll am 11. August verkündet werden.

Mehr aus der Stadt Traunstein
Einstellungen