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Todesopfer hatten wohl keine Schmerzen

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Traunstein – Es herrschte absolute Stille am Freitag im Gerichtssaal der zweiten Strafkammer am Landgericht Traunstein. Professor Dr. Randolph Penning vom Rechtsmedizinischen Institut an der Universität München trug das Gutachten zu den Todesursachen der sechs Opfer beim verheerenden Brandunglück in Schneizlreuth vor. Er hatte mit Kollegen die Leichen der Männer am Pfingstsonntag 2015 obduziert.


Leichen waren sehr stark verkohlt

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Die Leichen seien ausnahmslos ziemlich verkohlt gewesen: »Die Identifizierung erfolgte im Wesentlichen über die DNA.« In allen Fällen habe man tödliche Kohlenmonoxid-Konzentrationen und nicht überlebbare Brandverletzungen nachgewiesen. Vier Männer wurden »im Schlaf vom Feuer überrascht«, wurden nicht rechtzeitig wach und erstickten an den Gasen – »ohne Erstickungsgefühl«: »Man gleitet in die Bewusstlosigkeit und dann in den Tod.«. Bei zwei der Opfer seien die Brandverletzungen todesursächlich. Diese Männer hätten ebenfalls viel Kohlenmonoxid eingeatmet und wohl keine Schmerzen empfunden.

Gestern sagten im Gerichtssaal auch mehrere Verletzte beim Brand im denkmalgeschützten »Pfarrerbauernhof« aus. Sie alle wurden gegen 3 Uhr im Schlaf von den Flammen überrascht. Ein 45-jähriger Maschinenbautechniker wurde durch »Feuer«-Rufe wach, sprang von seinem Stockbett herunter und stieß mit dem Untermann zusammen. Als die Tür aufging, war es »plötzlich hell«: »Das Feuer brannte lichterloh. Links sah ich eine Feuerwand. Die Treppe ins Dachgeschoß brannte schon, aber es kamen noch Leute herunter.«

Der 45-Jährige schloss sich dem Pulk Richtung Balkon an. Die ersten Leute sprangen die etwa drei Meter in die Tiefe. Da entdeckte der Zeuge einen 52-jährigen Kollegen in einem Schlafraum hinter einem vergitterten Fenster, das sich nicht öffnen ließ. Leitern wurden angelegt, Wasser in Eimern nach oben gereicht, auch ein Feuerlöscher. »Aus irgendeinem Grund stand das Gitter unter Strom. Ich habe versucht, den Kollegen drinnen zu halten, dass er nicht umkippt.« Jemand konnte mit dem Feuerlöscher das Gitter aufzubiegen, gemeinsam zog man den schwerverletzten 52-Jährigen heraus und bugsierte ihn eine Leiter hinunter.

Verletzter hat bis heute Probleme mit Brandgeruch

Etwa zur selben Zeit robbte ein leitender Mitarbeiter der Firma, die in dem Bauernhof ein gemeinsames Wochenende gebucht hatte, mit einem Kissen vor dem Gesicht in einen Schlafraum im ersten Stock: »Da lag noch einer. Sein Rücken war von Löchern übersät – von Zeug, das von der Decke runter tropfte. Er hatte sich mit dem Fuß in einem Kabel verfangen. Ich zog ihn zum Flur«, schildert der 44-Jährige. Mit einem Kollegen gelang es, den Schwerverletzten in Sicherheit zu bringen.

Dann suchte er noch weiter im Erdgeschoß nach Opfern, bis ihn die Feuerwehrleute wegschickten. Noch heute hat der Zeuge »Probleme mit jeder Art von Brandgeruch«: »Es reißt mich aus dem Bett. Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, mit offenem Feuer umzugehen.«

Zahlreiche weitere Zeugen hörten das Gericht und Staatsanwältin Monika Veiglhuber gestern an. Fragen galten deren Erinnerungen, Verletzungen und psychischen Folgen, aber auch dem Rauchen, den Lichtverhältnissen in den Zimmern und einer eventuellen, aber von allen Zeugen verneinten Einweisung zu Rettungswegen. Rauchmelder und Feuerlöscher waren vorhanden.

Die Kammer mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs ist gefordert, die Hintergründe des Brands zu klären. Angeklagt ist der 47-jährige Geschäftsführer einer Eventagentur wegen sechsfacher fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung in 20 Fällen. Die Verhandlung wird am kommenden Dienstag fortgesetzt. kd