weather-image
12°

Tiny Houses als alternative Wohnform für Traunstein?

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Minihäuser, sogenannte Tiny Houses, werden vor allem bei jungen Leuten immer beliebter. Ist das auch für Traunstein eine künftige Wohnform?

Traunstein – »Wohnungsmangel und Flächenverbrauch – sind Tiny Houses eine Alternative?« war der Titel einer Veranstaltung der Traunsteiner Grünen im Gasthaus Sailer-Keller. Rege diskutierten die Teilnehmer über diese neue Art des Wohnens und auch darüber, ob Traunstein bereit dafür sei. Tiny Houses sind Kleinsthäuser – meist auf Rädern oder Pfosten. Sie haben nur wenige Quadratmeter Wohnfläche (per Definition maximal 37), sind gut isoliert und bewegbar. Die kleineren Versionen sind schon ab 30 000 Euro erhältlich.


Referentin Johanna Nimmervoll (Campus-Managerin am Campus St. Michael) wohnt selbst in einem Tiny House und zeigte bei der Veranstaltung Fotos von ihrem Heim und andere Beispiele. »Der Trend hat sich gedreht, statt Landflucht vor einigen Jahren ist jetzt mehr und mehr eine Stadtflucht zu erkennen«, ist sie überzeugt. Schon während ihres Vortags tauchten erste Fragen der Besucher auf, sodass sich sogleich eine Diskussion anschloss über die Zukunft diese Wohnform – auch für Traunstein.

Anzeige

Grünen-Stadtrat Stephan Hadulla findet die Idee der Tiny Houses gut, aber »in Traunstein haben wir bestehende Bebauung und eine Tiny-Houses-Siedlung am Stadtrand bedeutet noch mehr Verkehr, den wir doch vermeiden wollen«, so seine Meinung. Eine derartige Siedlung plant Johanna Nimmervoll in ihrem Heimatland Österreich auf einem Grundstück von 1700  Quadratmetern: Neun Kleinsthäuser und ein Gemeinschaftsgebäude mit Waschmaschine plus die vorgeschriebenen Parkplätze.

Zu diesem Vorhaben meinte Wolfgang Wörner: »Wäre es denn nicht besser, ein Mehrfamilienhaus mit neun oder mehr Wohneinheiten auf einem derartigen Grundstück zu errichten?« Die Referentin erwiderte: »Es hat sich aber gezeigt, dass viele Leute in ihren eigenen vier Wänden wohnen wollen.«

Johann Kainz hatte die Idee: »Wenn Kinder ausgezogen sind, leben oftmals nur noch eine oder zwei Personen in einem großen Haus mit großem Grundstück. Wenn Eltern und Kinder das wollen, errichten die Eltern ein Kleinhaus auf dem Grundstück – und die junge Familie zieht in das freigewordene Elternhaus.« Helga Mandl meinte hingegen, dass Tiny Houses eher etwas für junge Leute sind: »Ich kenne viele junge Leute, die leihen sich nur noch das Auto, lesen E-Books und E-Papers statt Bücher und Zeitungen und haben keine Platten oder CDs mehr. Ich kann mir vorstellen, dass diese jungen Leute sich in einem Tiny House wohlfühlen.«

Johanna Nimmervoll, selbst 33 Jahre alt, stimmte dem zu: »Von unserer Generation wird verlangt, dass wir dauernd umziehen, da nimmt man sein Haus einfach mit.« Schmunzelnd fügte sie jedoch an, dass bei der Info-Veranstaltung zu Tiny Houses in Traunstein die allermeisten Zuhörer über 40 Jahre alt seien.

Mario Peuser brachte es auf eine einfache Formel: »Wenn ich alleine leben würde und keine Familie hätte, wäre das schon etwas für mich.« Die Ortsvorsitzende der Grünen, Katharina Stadler, die die Diskussion leitete, fragte nun in das Publikum: »Gibt es denn in Traunstein Möglichkeiten hierfür?«

Ihr Mann, Grünen-Stadtrat Thomas Stadler, antwortete als erster, indem er aufzählte: »Lösen wir das Wohnungsproblem, indem wir auf möglichst wenig Grundfläche möglichst viel Wohnraum schaffen und das möglichst energiearm.« Stadträtin Burgi Mörtl-Körner stimmte dem zu und erwähnte Beispiele für platzsparendes, ökologisches Bauen in Freiburg, Tübingen und Altötting.

Es wurde deutlich, dass die Veranstaltungsteilnehmer Tiny Houses nicht für das Allheilmittel gegen Wohnungsnot und Flächenverbrauch halten, jedoch eine ideale Zwischennutzung für Grundstücke seien, auf denen für einen späteren Zeitpunkt Baumaßnahmen geplant sind. Wenn gebaut wird, kommen die Tiny Houses auf einen Anhänger und ziehen auf ein anderes Grundstück. fb