weather-image
21°

Tierschutzaktivisten demonstrierten vor Hof

3.5
3.5
Bildtext einblenden
Mit Masken und Kostümen demonstrierten die Aktivisten von »RespekTiere« auf einem Hof im Raum Trostberg. Ihrer Ansicht nach werden die Tiere nicht artgerecht gehalten. (Fotos: Artes)
Bildtext einblenden
Dass die Hasen artgerecht gehalten werden, zeigte die Besitzerin vor Ort und öffnete die Ställe der Jungtiere.

Dass Tierschutz immer zwei Seiten hat, zeigte sich am Mittwoch auf einem Hof im Raum Trostberg. Ein Salzburger Tierschutzverein demonstrierte dort gegen die angeblich widrige Haltung von Hasen und Kaninchen und sprach von einem »Tiermessi«. Die Besitzerin der Tiere sah das nicht so, sie meinte, sie würde Tiere aufnehmen und anschließend weitervermitteln. Momentan habe sie familiäre Probleme, die zu den Zuständen geführt hätten.


Der österreichische Verein »RespekTiere« hatte in der vergangenen Woche einen anonymen Hinweis erhalten, dass auf dem Hof im Raum Trostberg rund 100 Hasen und Kaninchen unter widrigsten Bedingungen gehalten werden sollen. Tiere würden tot im Stall liegen, krank sein oder in verdreckten Käfigen sitzen. Eine erste Kontaktaufnahme mit dem Veterinäramt sei negativ verlaufen, deshalb wollten die Tierschutzaktivisten sich vor Ort selbst ein Bild von der Lage machen.

Anzeige

Über Waldwege und Feldstraßen ging es zu einer Lichtung und von dort aus zu Fuß weiter in Richtung Hof. Mit Masken und Kostümen bekleidet, mit Kunstblut überströmt und mit großen Transparenten in der Hand, machten sich die zehn Aktivisten auf den Weg zum Hof. Dort angekommen, sah man schon von weitem etliche Käfige, die in der prallen Sonne standen. Die Hasen hatten kein Wasser, keinen Schatten. Überall standen alte Käfige aus Metall und Holz. Ein Hase, Hopsi, lag sterbend im Stall, die anderen Tiere sahen gesund aus, wirkten kräftig und wohlgenährt. In den Stall, in dem der anonyme Hinweisgeber die Fotos aufgenommen hatte, kamen die Tierschützer nicht, denn die Türen waren verschlossen.

Tierschützer alarmierten Polizei und Veterinäramt

Sofort nach dem Eintreffen alarmierten die Tierschützer Polizei und Veterinäramt und berichteten über die »dramatische Situation« auf dem Hof. Die Besitzer der Tiere waren nicht zu Hause, wurden aber telefonisch von den Beamten verständigt. Die Demonstranten schritten ein und versorgten die Tiere mit Wasser und Gras. Gierig stürzten sich die Hasen und Kaninchen auf die Trinkflaschen. Inzwischen trafen auch Nachbarn auf dem Gelände ein. »Werden die Hasen endlich geholt?«, meinte die eine. »Das, was die Frau da veranstaltet, ist kranke Liebe zu Tieren«, meinte eine andere.

Während des Wartens auf die Polizei verschlechterte sich die Situation von Hase Hopsi immer mehr – er rang mit dem Tod. Als die Beamten eintrafen, waren auch diese zunächst machtlos, etwas gegen die Zustände zu unternehmen. Man müsse warten, bis das Veterinäramt da ist, die Amtstierärzte seien bereits unterwegs, hieß es am späten Vormittag. Die Amtstierärzte alarmierten einen weiteren Tierarzt, der Hopsi dann von seinem Leid erlöste und einschläferte. Eine der Tierretterinnen brach dabei in Tränen aus. Ihrer Meinung nach hätte jedes Tier ein Recht zu leben.

Die Besitzerin musste aus der Arbeit geholt werden

Wenig später traf auch die Besitzerin ein. Sie ist Akademikerin und wurde aus der Arbeit geholt. Sie führte die Amtstierärzte über den Hof, öffnete auch die Ställe der Tiere. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet sie, dass Hasen schon immer ihre Freizeitbeschäftigung waren. Momentan sei sie in einer schwierigen familiären Situation: Sie habe überhaupt keine Zeit mehr für sich, da sich alles nur noch um Arbeit, Familie und Tiere drehen würde. Dass die Hasen dabei zu kurz kommen, ist auch ihr klar: »Das kann in Stresszeiten schon mal passieren«.

Das Veterinäramt hätte sie in dieser Woche schon angerufen, um den jährlichen Kontrolltermin zu vereinbaren. Beim Rückruf erreichte sie niemanden – und nun seien die Amtstierärzte samt Tierschützern schon vor ihrer Tür gestanden, erzählt die Frau weiter. Auch könne es einmal passieren, dass nicht alle Tiere Wasser haben. »Ich füttere die Tiere meistens abends, je nachdem wie ich halt Zeit habe«, so die Frau. Sie selbst ist Mitglied in einem Hasenzuchtverein, züchtet aber nicht mehr aktiv, da sie die Tiere nur schwer los wird. Vor Jahren hat sie mit ein paar Hasen angefangen, daraus wurden rund 100, die sie jetzt in ihren Ställen hat.

Immer wieder würden Hasen bei ihr abgeben werden, erzählt die Frau, sie würde sie aufnehmen und dann weitervermitteln. Weitere Hasen werde sie in Zukunft aber nicht mehr aufnehmen. »Ich werde versuchen, den Bestand zu reduzieren und Tiere abzugeben. Ich kann einfach nicht mehr«, meint sie weiter. Zur Demonstration vor ihrem Haus sagte die Frau nur: »Diese Spinner schon wieder.« Sie sei es schon gewohnt, dass Außenstehende ihre Tierhaltung negativ sehen würden. Mit Hase Hopsi wäre sie aber am Abend noch zum Einschläfern gefahren. »Dass ich die Tiere alle aufnehme und auf meine Kosten finanziere, das sieht niemand.«

Das Veterinäramt hat der Tierbesitzerin nun Auflagen gemacht: Sie soll den Bestand an Hasen und Kaninchen reduzieren und alle Käfige sowie den Stall sauber machen. Die Behörde wird den Hof in Zukunft regelmäßig kontrollieren. jar