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Thomas-Bernhard-Haus wird abgerissen

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Dieses Haus am Taubenmarkt wird im kommenden Jahr abgerissen. Foto: Reiter

Traunstein – Dieses Projekt liegt Bernhard Kreil besonders am Herzen, denn es ist das Haus seiner Eltern, in dem er bis zu seinem 18. Lebensjahr wohnte:


Das sogenannte Thomas-Bernhard-Haus am Traunsteiner Taubenmarkt. Im kommenden Jahr soll das Eckhaus abgerissen und neu errichtet werden. Der 50-jährige Immobilienkaufmann will rund zwei Millionen Euro in das Bauvorhaben investieren. Entstehen sollen ein Laden im Erdgeschoß, Büros und eine große Penthousewohnung.

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Das Haus am Taubenmarkt ist in die Jahre gekommen und steht seit 2010 leer. »Nach langen und intensiven Überlegungen und Gesprächen mit den Statikern, sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Sanierung wenig Sinn macht«, sagt Bernhard Kreil im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Es gebe einen Ensembleschutz für den Altstadtbereich, aber das Haus stehe nicht unter Denkmalschutz. »Ich bin selbst sehr interessiert daran, den alten Charme von früher wieder aufzugreifen. Deshalb habe ich mir Pläne von damals angesehen. In Anlehnung daran wollen wir die Fassade gestalten«, betont Bernhard Kreil.

Mit dem Abbruch des alten Hauses und den Grabungsarbeiten für den Keller werde voraussichtlich Anfang/Mitte 2018 begonnen. Für die erste Bauphase müsse die Schaumburger Straße auch komplett gesperrt werden. »Eine Herausforderung bei diesem Projekt ist sicher die Enge des Taubenmarkts«, so der 50-Jährige. Er geht davon aus, dass Mitte/Ende 2019 das Gebäude fertig sein wird.

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So soll das neue Gebäude einmal aussehen. Bauherr Bernhard Kreil hat sich bewusst für eine Fassade entschieden, die in die historische Umgebung passt.

Nicht nur Bernhard Kreil wohnte in diesem Haus am Taubenmarkt, sondern auch der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard – wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten. »Meine Oma hat ihn als Kind erlebt, als ein ziemlich auffälliges und gestörtes Kind, muss ich dazu sagen«, so der 50-Jährige. Zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern lebte Thomas Bernhard von 1938 bis 1945 in einer Wohnung im dritten Stock.

Anlässlich seines zehnten Todestags 1999 wurde eine Gedenktafel an dem Haus angebracht mit folgenden Worten: »Der österreichische Schriftsteller und Dramatiker Thomas Bernhard (1931 – 1989) verbrachte in diesem Haus seine Kindheit. In der Erzählung 'Ein Kind' verarbeitete der Dichter Erinnerungen an die Jahre 1938 bis 1945« – was nicht auf der Tafel steht: Es handelt sich fast ausschließlich um schlechte Erinnerungen und die Stadt Traunstein musste sich Beschimpfungen der übelsten Sorte wie »Nichts ist ekelerregender als die Kleinstadt, und genau die Sorte wie Traunstein ist die abscheulichste« gefallen lassen. Trotzdem entschied sich die Stadt dafür, »einen Mann der Weltliteratur zu ehren«, wie es bei der Enthüllung des Bronzeschilds an dem Haus am Taubenmarkt hieß.

»Ich würde die Tafel auch an das neue Haus wieder hinschrauben, falls das die Stadt wünscht«, sagt Bernhard Kreil. »Für uns als Familie war das nie das große Thema.« KR