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Thomas Miller: »Wir glauben an das gedruckte Wort«

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Zusammen mit Ministerin Ilse Aigner stießen Verleger Thomas Miller (rechts) und Traunsteins Landrat Siegfried Walch auf das Jubiläum an. (Foto: Poschinger)

Traunstein – Ein seltenes Jubiläum gab es am Freitagabend im historischen Rokokosaal zu feiern: Das Traunsteiner Tagblatt wurde 160 Jahre alt. Die Zeitung ist »unabhängig und familiengeführt vom ersten Tag an bis heute«, hob Verleger Thomas Miller in seiner Festansprache stolz hervor. »Das ist wahrlich ein Grund zum Feiern.« Unter den zahlreichen Gratulanten war auch die stellvertretende Bayerische Ministerpräsidentin Ilse Aigner, die die Festrede hielt.


Sie sei viel im Land unterwegs und bekomme dabei unmittelbar einen Eindruck von den vielen Familienunternehmen in Bayern, führte die Ministerin zu Beginn ihrer Rede aus. »Ein Familienunternehmen wie das Traunsteiner Tagblatt ist in Bayern – das behaupte ich jetzt mal – einmalig: In sechster Generation familiengeführt, mit fünf Geschwistern in leitenden Positionen, und dazu eine Standorttreue, ein Bezug zur Region, ja eine Heimatliebe, die jeden Tag ganze Seiten füllt.«

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Ein »Familienunternehmen durch und durch«, sei der Verlag Miller, und das habe große Anerkennung verdient. »So bin ich sehr gerne heute zu Ihnen gekommen, um die Glückwünsche der gesamten Staatsregierung – an der Spitze natürlich unser Ministerpräsident Horst Seehofer – zu überbringen.«


Ganz klar bekannte sich die Ministerin zur Regionalzeitung. »Eines lasse ich mir trotz der Informationsflut und der begeisternden neuen technischen Möglichkeiten, auf alles und jedes zugreifen zu können, nicht nehmen: Und das ist die Morgenlektüre meiner Regionalzeitung.« Und das, obwohl sie natürlich gerne alle Möglichkeiten mobiler, digitaler Kommunikation nutze.


An die Familie Miller und ihre Mitarbeiter gewandt, führte die Ministerin weiter aus: »Ihr seid es, die die Region auf dem Laufenden haltet. Ihr seid es, die nah dran sind an dem Geschehen vor Ort. Ihr sprecht die Sprache der Heimat.« Sie wisse, dass das alles mit Aufwand verbunden sei. »Ich weiß aber genauso, dass der Aufwand lohnt, weil Ihr den Überblick behaltet, Informationen bündelt und sie weitergebt an Eure Leserinnen und Leser.«


Sie sei auch voller Zuversicht, was die Zukunft, des Traunsteiner Tagblatts betreffe, sagte Ilse Aigner. »Machen Sie mindestens die nächsten 160 Jahre so weiter«, gab sie den Traunsteiner Zeitungsmachern mit auf den Weg.


Landrat Siegfried Walch bezeichnete das Traunsteiner Tagblatt als »nachhaltige mediale Größe in unserer Region, dem Leser und Kunden vertrauen«. Er betonte, dass er an die Zukunft der Printmedien glaube. Sie seien durch nichts, was das Internet-Zeitalter hervorgebracht habe, zu ersetzen – »weil es der unsortierten Informationsflut aus dem Internet an professioneller journalistischer Einordnung und Gewichtung fehlt«.


»Traunstein ohne das Tagblatt wäre wie New York oder London ohne die jeweilige Times«, meinte Walch. Mit Blick auf die 160-jährige Unternehmensgeschichte machte er mehrere Gründe für die außergewöhnliche Beständigkeit aus. Der Verlag Miller sei »ein stabiles mittelständisches Unternehmen mit realistischem Augenmaß« und zudem »ein ausgesprochener Familienbetrieb mit großem Zusammenhalt«. Explizit dankte der Landrat für die »faire Zusammenarbeit mit dem Landratsamt auch bei schwierigen Themen«.

Traunsteins Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner, die in Vertretung von Oberbürgermeister Christian Kegel am Rednerpult stand, lobte die Familie Miller für ihren unternehmerischen Weitblick in den vergangenen 160 Jahren: »Der Unternehmensgeist hat sich von Generation zu Generation vererbt.« Und unternehmerisches Geschick sei oft auch nötig gewesen, denn »Redaktion und Besitzer mussten sich bei einer unglaublichen Veränderung der Medienwelt vielen neuen Herausforderungen stellen«.


Die Dritte Bürgermeisterin hob den Wert des Zeitungsverlags für Stadt und Landkreis Traunstein heraus: »Wir haben mit dem Traunsteiner Tagblatt eine freie und unabhängige Zeitung, die allen Übernahmeversuchen von großen Verlagen widerstehen konnte.« Die Lokalzeitung bezeichnete sie als »lieb gewordene Institution«. Mit dem Internetportal www.suedost-news.de präsentiere sich der Zeitungsverlag als »modernes Medium, das den Weg in das 21. Jahrhundert erfolgreich vollzogen hat«.

»160 Jahre Lokalzeitung, seit der Gründung in Familienbesitz, inzwischen in sechster Generation« – Thomas Miller machte gleich zu Beginn seiner Rede deutlich, worauf er besonders stolz ist: »Bis heute sind wir vollkommen selbstständig, unterhalten eine eigene Vollredaktion und konnten bisher jedem Übernahmeversuch größerer Verlagshäuser widerstehen.«


Mit Blick auf die lange Geschichte seines Blattes betonte der leidenschaftliche Zeitungsmacher: »Trotz des allseits bekannten Spruchs 'Es gibt nichts älteres, als die Zeitung von gestern' ist es oft spannend, in den alten Jahrgängen zu blättern und zu lesen.« In seiner Ansprache würdigte er darum auch ausdrücklich die Leistung seiner fünf Ahnen, die vor ihm als Verleger und Druckereibesitzer die Geschicke der Zeitung lenkten; alle trugen sie den Namen Anton Miller. »Sie haben das Bewährte nie aus den Augen gelassen und waren doch stets offen für neue Entwicklungen.« In der sechsten Generation habe sich zwar der Vorname geändert, so Thomas Miller, »das Herzblut für Zeitung, Druckerei und Fachgeschäft sind aber geblieben«.


Trotz Umbruchs in der Medienlandschaft habe die Tageszeitung ihre starke Position nicht einbüßen müssen: »Sie ist allen Unkenrufen zum Trotz das Medium, das in der Bevölkerung die meiste Glaubwürdigkeit genießt.« Darum wolle sich der Verlag den Herausforderungen der Zukunft stellen, neue Techniken nutzen und stets daran arbeiten, täglich eine spannende und gut gemachte Zeitung seinen Lesern zu präsentieren. »Wir glauben an das gedruckte Wort«, betonte der Verleger.


Die Glückwünsche eines Gratulanten freuten ihn und seine Familie ganz besonders: Papst Benedikt XVI. würdigte in einem Gratulationsschreiben »das große Jubiläum«. »Da wünsche ich Ihnen weitere 160 Jahre und darüber hinaus«, schreibt das einstige Oberhaupt der katholischen Kirche. »Höhere Weihen kann man fast nicht erhalten«, so Miller.    san

Zwei Sonderseiten zum Jubiläum des Traunsteiner Tagblatts finden Sie in der Samstagsausgabe vom 4. Juli.