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Thomas Fischer fertigt im obersten Stock des Musikhauses Fackler die hauseigenen Instrumente

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Viel Geschick ist gefragt: Harfenbauer Thomas Fischer (Vordergrund) und sein Kollege Jürgen Jaeger arbeiten täglich an den »himmlischen« Instrumenten. (Foto: Brenninger)

Traunstein. In einem Raum wird gesägt und gefräst, im anderen gebohrt und gebogen, im nächsten gestimmt und in einem weiteren stehen die fast fertigen Harfen fein säuberlich nebeneinander aufgereiht: Im Musikhaus Fackler am Stadtplatz ist der dritte Stock das Reich der Harfenbauer. Die Kunden, die unten im Laden sind, bekommen von den handwerklichen Arbeiten hier oben rein gar nichts mit. Für unsere Weihnachtsserie »Wir öffnen Türen« durften wir den Harfenbauern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.


Im obersten Stock mit einem wunderschönen Blick auf den Stadtplatz auf der einen Seite und auf die untere Stadt auf der anderen Seite spannen die Mitarbeiter die Saiten zwischen Harfenhals und Resonanzboden, den Korpus mit dem Pedalkasten und der Säule samt Kopf und Fuß zu einem formschönen Instrument zusammen. Echte Meisterwerke entstehen hier oben – und das auf engstem Raum.

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An die 3000 Stück gefertigt: Jede Harfe ist nummeriert

»Manchmal würde ich mir schon eine größere Werkstatt wünschen«, sagt Thomas Fischer. Doch der Charme, den die Räume und das ganze Haus versprühen, wirkt sich auch auf die Instrumente aus: Jede Harfe ist ein Unikat und jede von ihnen ist nummeriert. »An die 3000 Stück haben wir wohl schon gefertigt«, sagt Thomas Fischer. »Und bis auf den afrikanischen Kontinent steht mittlerweile überall eine Harfe von uns«, erzählt er stolz.

Dabei fing sein Großvater Karl Fischer sen. erst 1976 mit dem Harfenbau an. Damals gab es in Bayern und Österreich nur noch wenige, die dieses Handwerk beherrschten. Die Nachfrage nach den edlen Instrumenten war jedoch groß. »Er hat es geschafft, altes Handwerk mit Weiterentwicklung und neuer Konstruktion zu verbinden und ein eigenes Instrument auf die Füße zu stellen«, erzählt Thomas Fischer stolz.

Durch diese Kombination aus wesentlichen Merkmalen des ursprünglichen Harfenbaus, gepaart mit neuen Konstruktionen im Einfachpedalharfenbau, entwickelten sich klanglich hervorragende Instrumente.

Die Fischer-Harfe gibt es in verschiedenen Ausführungen: Es gibt sie im dunklen oder ganz hellen Holz – es gibt einen Mix aus Kirschbaum, Buche, Fichte oder Ahorn. Es werden kleine, mittlere und große Harfen mit oder ohne Schnitzereien und Blattvergoldungen hergestellt. Es sind Irische Harfen, Volksharfen oder Einfachpedalharfen sowie Schulharfen – und alle haben eines gemeinsam: Sie werden mit viel Liebe zum Detail produziert. In jeder Harfe steckt viel Handarbeit. Allein im Hals müssen mehr als 900 Teile verbaut und in Kleinarbeit eingesetzt werden.

Die Löcher in der Saitenleiste können dank vorgefertigter Bohrschablonen schnell und genau vorgearbeitet werden. Für das Verleimen der Teile des Harfenkorpuses wenden die Mitarbeiter viele spezielle Verfahren an. Die Saiten stammen aus der eigenen Saitenspinnerei. Dort kommt es ebenfalls auf exakte Arbeit an, bei der für den perfekten Klang alles stimmen muss. Rund 125 Arbeitsstunden stecken in jeder Harfe.

Rund 125 Arbeitsstunden werden pro Harfe investiert

Als Karl Fischer sen. 2007 verstarb, übernahm Karl Fischer jun. die Leitung des Harfenbaus. Thomas Fischer führt die Arbeiten und Reparaturen zusammen mit seinen drei Kollegen aus. Geplant war das nicht. Handwerker wollte Thomas Fischer allerdings schon immer werden, deshalb machte er eine Klavierbauerlehre. Als dann sein Rücken »wegen des ständigen Tragens der Klaviere« nicht mehr mitspielte, wechselte er zu den Harfenbauern. Für ihn war das aber kein ganz neues Metier. »Ich bin früher schon immer einmal in der Woche zu meinem Großvater nach Ettendorf zum Harfenbauen gefahren«, erzählt er.

Die Arbeit der Harfenbauer hat sich über die Jahre hinweg verändert – die angefertigten Instrumente sind mehr geworden. »Vor Jahren haben wir 50 Stück im Jahr verkauft, mittlerweile sind es einige mehr geworden«, erzählt er. »Die Nachfrage steigt gerade zum Schulanfang«, weiß Fischer. Und auch unterm Weihnachtsbaum stehen ab und an Harfen – und das trifft sich seiner Meinung nach gut: »Schließlich sind es himmlische Instrumente.« Steffi Brenninger

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