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Thema Barrierefreiheit wieder aufs Tapet gebracht

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Über das Thema Barrierefreiheit diskutierte der Pettinger Gemeinderat.

Petting – Der Gemeinderat hatte das Thema fast schon ad acta gelegt. Jetzt brachte es die Bürgerhilfe wieder aufs Tapet: Wie kommen behinderte und eingeschränkte alte Menschen ins Obergeschoß und auf die Galerie der Pettinger Turnhalle? Über das und vieles mehr diskutierte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung sehr ausführlich – und dennoch ist noch nicht alles abschließend geklärt.


Ein Treppenlift mitsamt Podest für einen Rollstuhl würde mit rund 24 000 Euro zu Buche schlagen, ein Aufzug im Schacht käme auf etwa 40 000 Euro. »Wie oft brauche ich den?«, fragte zweiter Bürgermeister Ludwig Prechtl, »man kann's schon übertreiben auch.« Und man müsse an die Folgekosten wie Wartung und TÜV denken. Auch ein Treppenlift müsse gewartet werden und über eine Notrufeinrichtung verfügen, stellte Architekt Nikolaus Magg gegenüber, darüber hinaus habe man beim Start im Erdgeschoß ein Platzproblem.

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»Die Gemeinde hat Vorbildfunktion«, sprach sich Philipp Strohmeyer eindeutig für eine »barrierefreie Erschließung« aus. »Man muss überall hinkommen«, steht auch für Andreas Götzinger außer Frage, ein Aufzug aber müsse es wohl nicht sein. Ein einfacher Treppenlift ohne Rollstuhlpodest, allein mit Sitz, täte es aus Sicht von Franz Vordermayer auch. Einen leeren Rollstuhl könnte man ja gegebenenfalls nach oben tragen. »Das Schönste wäre ein Aufzug«, machte der Planer keinen Hehl aus seiner Präferenz. Strohmeyer schlug vor, nochmal alle Möglichkeiten – auch für eine Förderung – abzuklären, und dann zu entscheiden.

Trennvorhang: »Raus damit«

Uneinigkeit herrschte auch über den vorhandenen Trennvorhang. »Eine Doppelnutzung gab es eigentlich nie«, überlegte Bürgermeister Karl Lanzinger. »Warum ausbauen, wenn er funktioniert?«, plädierte Strohmeyer für einen Verbleib, während Vordermayer allein im Rahmen der Sanierung und bei offenem Dach die Chance sieht, das Teil rauszubringen. »Raus damit«, meinte auch Prechtl.

Alle Räume sollen eine Fußbodenheizung bekommen. Der Nachteil: Die Halleninnenhöhe verringert sich um vier Zentimeter auf dann 5,85 Meter. Magg schlug vor, eine Entrauchungsanlage entsprechend der Versammlungsstättenverordnung vorzusehen, um problemlos Einzelgenehmigungen für größere Veranstaltungen zu erhalten. Während der Architekt eine Entrauchung über Dach vorsah, plädierte Strohmeyer für die Variante Fenster. Nicht verstehen konnte Strohmeyer, weshalb Magg die acht alten Holzfenster im oberen Klassenzimmer der Schule erhalten möchte. »Es ist alles neu, dann machen wir die auch«, lautete seine Sicht.

Linoleum, Vinyl oder Parkett? Diese drei Alternativen stehen für den Hallenboden zur Verfügung. Linoleum bestehe aus natürlichen Rohstoffen und Schadstellen ließen sich leichter ausbessern, während Vinyl oder PVC besser zu reinigen sei, stellte Magg gegenüber, Parkett reagiere empfindlicher auf Kanten und Stöße etwa durch Einradfahrer. Elvira Kraller sprach sich eindeutig für Linoleum aus.

Soll sich Petting ein sogenanntes Multi-Motion-Center leisten, beim dem mit Hilfe von Leitern, die von der Wand geklappt werden, ein Trainings- und Erlebnisparcours aufgebaut werden kann? Kosten: 10 000 Euro plus 4000 Euro für die nötigen Vorrichtungen in der Wand. Strohmeyer hatte auch hier genauer hingeschaut: »Das bedeutet 1500 Euro Wartungskosten pro Jahr.« Dennoch plädierte er für eine Anschaffung.

»Ob die Lehrer das aufbauen?«, zweifelte Vordermayer und Theo Pastötter spekulierte: »Derweil ist die Stunde rum.« Jetzt habe man die Gelegenheit dazu, später würde so etwas nie wieder eingebaut, warb Lanzinger um Zustimmung. »Wenn es die Schule will, würde ich es nicht rausstreichen«, unterstützte das Götzinger, wohingegen Prechtl sich vorher selbst ein Bild davon machen möchte. Die Diskussion beendete Magg mit dem Hinweis, ohnehin erst die statische Eignung prüfen zu müssen.

Eine Reihe weiterer Wünsche

Philipp Strohmeyer war es, der das Konzept weiter in die Mangel nahm. Es brauche eine Spielstandanzeige, die Basketballkörbe seien nicht »dunkingfähig«, man könne sich also nicht dranhängen, und der Seitenkorb müsse für die Kinder höhenverstellbar sein. »Die Halle ist eigentlich zu lang für Basketball«, warf Magg ein.

»Warum brauche ich Schließfächer?«, fragte Strohmeyer weiter, an den Wänden der Umkleidekabinen seien Fliesen verzichtbar, anstatt einer Metallkassettendecke würde er eine Rasterdecke wählen. Die unnötigerweise 3,30 Meter hohe Prallwand verursache Mehrkosten von 12 000 Euro. »Wie schaut es mit der Schließanlage aus?« Und schließlich gab Strohmeyer zu bedenken: »Hat sich schon jemand über die laufenden Kosten Gedanken gemacht?«

Christian Mayer könnte sich ein gewisses Maß an Eigenleistung bei den Abbrucharbeiten vorstellen. Dort wo alte Mineralfaser verbaut sei, schloss Magg das aus, beim Hallenboden dagegen wäre es denkbar. Der Planer kündigte den Beginn der Baumeisterarbeiten für Anfang April an, weshalb die Aufträge in der nächsten Sitzung des Gemeinderats vergeben werden müssten.

»Ich bin am Ende«, schloss Magg seine Erläuterungen doppeldeutig, hatte aber dann doch noch eine kleine Überraschung mitgebracht: Sein Büro hatte das Modell eines »Spielhäuschens« angefertigt, das sich die Schule für die Freifläche gewünscht hatte. Transparent aus unbehandelten Lärchenleisten aufgebaut, würde es samt Dach rund 10 000 Euro kosten. »Eh nicht teuer«, meinte Prechtl dazu. »Schön wäre das schon«, urteilte Elvira Kraller und erntete Zustimmung von den Kollegen, die sich obendrauf ein begrüntes Dach wünschten. höf