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Tekturplan für »Schwarzbau« abgelehnt

Ruhpolding. Sehr erbost zeigten sich die Mitglieder des Ruhpoldinger Bauausschusses quer durch alle Fraktionen: Eine Bauherrin reichte nämlich einen Tekturplan zum Neubau eines bereits errichteten Einfamilienhauses im Wohngebiet »Am Zellerberg« ein. Da die Gemeinderäte aber eine erhebliche Abweichung zum genehmigten Bauplan feststellten, machte schnell die Rede von einem »Schwarzbau« die Runde.


Für den Neubau reichte die Bauherrin einen Tekturplan ein. In der Begründung hieß es unter anderem, dass sich das Haus am »traditionellen Baustil orientiert«, jedoch in zeitgemäßer Ausführung. In der Tekturänderung wurde beispielsweise auf alle Dachüberstände verzichtet, ein freistehender Aufzugsschacht gebaut und ein Eisengerüst für eine große Überdachung des Freisitzes angebracht. Der ehemalige Stellvertretende Kreisbaumeister und jetzige Berater der Gemeinde in Baufragen, Christian Wurmannstätter, empfahl der Gemeinde, den Bau über das Landratsamt »förmlich einstellen zu lassen«, dem allerdings diese Behörde nicht nachkam. Eine Einstellung sei nicht möglich, da der Bau bereits erstellt sei, hieß es in der mündlichen Begründung. Als Argument führte die Bauherrin außerdem an, dass sie die Einreichung einer Tekturplanänderung »vergessen hat«.

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Gerhard Hallweger (SPD) meinte nach nochmaliger Einsichtnahme des genehmigten Bauplanes: »Hier liegt eindeutig eine Abweichung zum verabschiedeten Plan vor«. Sepp Hohlweger von der Vereinigung Ruhpoldinger Bürger (VRB) bezeichnete es provokant, einen solchen Bau hinzustellen. »Das kann nicht sein, sich einfach über die Ortsatzung hinwegzusetzen«. Theo Stegmeier (CSU) argumentierte: »Den Bauplan haben wir aufgrund der Ortssatzung eh schon mit Bauchweh genehmigt und jetzt wird unsere Baukultur absichtlich geschädigt. Nein, das können wir nicht machen. Wenn die Bauherrin schon vom Fach ist (Anmerkung der Redaktion: Sie ist beim Staatlichen Bauamt tätig), kann sie das nicht bringen.« Auch Michael Mayer (SPD) sieht eine Gefahr für die erlassene Ortsatzung. »Dieser Bau passt nicht mit dem genehmigten Plan zusammen«. Ludwig Böddecker (VRB) ergänzte, dass bereits früher geringere Abweichungen anderer Bauwerber nicht genehmigt wurden. Die Rede von einem »Schwarzbau« machte schließlich schnell die Runde. Bürgermeister Claus Pichler hielt es für sehr bedenklich, sich einfach auf das »Vergessen« zu berufen. »So könnte auch jeder andere Bauherr letztlich argumentieren«. Gerhard Hallweger stellte schließlich den Antrag, vom Landratsamt die schriftliche Begründung für die Nichteinstellung des Baues einzuholen. Der Tekturplan wurde einstimmig abgelehnt und dem Antrag von Hallweger zugestimmt.

Einstimmig verabschiedet wurde der Bauantrag zur Errichtung einer Sommerrodelbahn am Westernberg. Verschiedene Behörden seien zwischenzeitlich vor Ort gewesen, um sich ein Bild zu machen, sagte Bürgermeister Pichler. Mit einem Gutachten zum Immissionsschutzgesetz komme man noch der Aufforderung des Landratsamtes nach. Gemäß Plan sollen der obere Ausstieg um acht Meter verlängert und unten am Einstieg ein Parkplatz für 32 Fahrzeuge geschaffen werden. »Damit wäre das Bauvorhaben befriedigend gelöst und Ruhpolding hätte eine weitere touristische Attraktion«, so das Gemeindeoberhaupt.

»Der Bauantrag für ein Mehrfamilienhaus in der Krummen Gasse beschäftigt uns schon seit Jahren«, meinte der Rathauschef weiter: Im ältesten Bebauungsgebiet Ruhpoldings soll aus zwei sanierungsbedürftigen Häusern nur noch ein Neubau entstehen. »Das ist aber eine schwierige Situation, was Grundstücksverhältnisse und Höhen betrifft«, so Pichler. Bauamtsleiter Hans Hechenbichler war der Meinung, dass der Ersatzbau eine Aufwertung des Gebietes mit sich bringe und auch dem Bebauungsplan entspreche. Auch Michael Mayer war dieser Ansicht. »Die Gesamtsituation und die Qualität für Ruhpolding verbessert sich damit«. Der Bauausschuss votierte einstimmig für den Neubau. hab