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Teisendorfer kaufte große Mengen Kokain

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Das sogenannte »Darknet« bleibt nicht so dunkel, wie es sich so manche erhoffen. Ermittler waren einem Drogenhändler in Leipzig auf die Spur gekommen und damit auch seinen Kunden. Einer davon ist ein 39-Jähriger mit Wohnsitz in Teisendorf. Von Mai 2014 bis Januar 2015 hatte er im Internet fünfmal insgesamt 130 Gramm hochwertiges Kokain bestellt und auch bekommen. Am Laufener Schöffengericht kam der Familienvater mit einer Bewährungsstrafe davon.


Auf die Schliche gekommen war die Polizei einem Minderjährigen in Leipzig. Auf seinem Computer fanden sie insgesamt 13 870 Bestellungen aus der ganzen Republik. 60 Euro will der Teisendorfer für das Gramm bezahlt haben. Die Qualität war hervorragend.

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Aufgrund der großen Menge war dem Teisendorfer zunächst auch unerlaubter Handel mit Betäubungsmittel vorgeworfen worden, doch der ließ sich nicht beweisen. »Eine Waage oder dergleichen haben wir nicht gefunden«, berichtete der ermittelnde Traunsteiner Kriminalhauptkommissar im Zeugenstand, »es gibt keinen Hinweis auf Handel.« Den Kauf und den Konsum räumte der Angeklagte ein.

»So handelte es sich wohl um einen erheblichen Konsum«, kommentierte das Staatsanwalt Dr. Robert Tischer, der zugleich anerkannte, dass sich bei dem Angeklagten aktuell nur mehr geringe Spuren des Rauschgifts in den Haaren feststellen hatten lassen. Tischer plädierte auf eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren, wollte aber dem nicht vorbestraften Mann eine Bewährung zugestehen.

Seine Frau habe ihm »mächtig eingeheizt«

»Vom Gebrauch gelöst«, beschrieb Rechtsanwalt Knut Oelschig seinen Mandanten, und allein schon vorbestraft durch seine Frau, habe die ihm doch »mächtig eingeheizt«. Beim Konsum selbst habe es wohl eine »gewisse Phase« gegeben, die nun vorbei sei. Der Verteidiger zeigte sich überzeugt, dass der Teisendorfer künftig die Finger davonlassen werde. Die eineinhalb Jahre des Staatsanwaltes erachtete Oelschig allerdings als zu hoch und plädierte auf ein Jahr und eine Bewährung.

»Es tut mir leid, es war nicht richtig«, entschuldigte sich der 39-Jährige im Gerichtssaal. Das Schöffengericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und entschied auf eineinhalb Jahre und eine dreijährige Bewährungszeit wegen Erwerbs und Besitzes von Betäubungsmittel in nicht geringer Menge. »Sie können sich bei Ihrem Verteidiger bedanken, dass der auf Sie eingewirkt hat«, meinte Vorsitzender Richter Thomas Hippler, »denn ohne Geständnis wäre eine Bewährung nicht zu begründen«, handle es sich doch bei Kokain um eine harte und gefährliche Droge. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.

Allein in Laufen sind es bereits zehn Verfahren, die auf Kunden des Leipziger Großhändlers zielten; im Gerichtsbezirk Traunstein sind es mehr als hundert. »Es vergeht keine Woche, wo nicht eine Akte aus Leipzig kommt«, so Staatsanwalt Robert Tischer. höf