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Teisendorfer bestritt Drohungen gegen eine Teisendorfer Familie

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Laufen – Abends gegen halb zehn soll der 25-jährige Techniker angerufen haben. Und einer Teisendorfer Familie mit dem Umbringen gedroht haben. Ein sicherer Tatnachweis konnte nicht geführt werden. Deshalb lautete das Urteil nach vier Verhandlungstagen am Laufener Amtsgericht: Freispruch. Sein Bruder habe eine ganz ähnliche Stimme, führte der 25-Jährige ins Feld, ohne den konkret zu beschuldigen.


»Die Stimme war eindeutig«

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Seinen Namen habe der nächtliche Anrufer nicht genannt, »aber die Stimme war eindeutig«, berichtete ein 24-jähriger Teisendorfer. Zehn Minuten lang habe der Anrufer ins Telefon »geplärrt«, mit dem Umbringen und anschließendem Auflösen in Salzsäure gedroht. Obwohl er den Angeklagten nur von früher her kenne, hatte der 24-Jährige keinen Zweifel.

Und auch seine 44-jährige Mutter war sich sicher. Sie hatte den Anruf – der 24-Jährige hatte auf »laut« gestellt – ebenfalls mitgehört. »Ich hatte den Eindruck, der war betrunken oder der nimmt was.«

Ein 17-jähriger Freund des 24-Jährigen war ebenfalls »Ohrenzeuge« des Anrufs. Er konnte freilich nur den Inhalt bestätigen, den Anrufer kannte er nicht. Die Familie war anschließend zu Polizei nach Freilassing gefahren. »Deren Angaben waren glaubwürdig«, berichtete die 34-jährige Polizeibeamtin im Zeugenstand. Eine Nummer des Anrufers hatte man auf der Dienststelle allerdings nicht erfasst.

Genau das machte der angeklagte Techniker Behörden und Gericht zum Vorwurf. »Liebes Gericht«, begann er sein Plädoyer, »Sie sind verpflichtet, mir das nachzuweisen.« Telefonnachweis, Ortung, Sprach-identifizierung, all das gebe es nicht. Er betonte: »Ich weiß nur, dass ich es nicht war.«

Zu einem zweiten Termin war der Techniker nicht bei Gericht erschienen, sodass ihn Richter Dr. Karl Bösenecker zum dritten Termin mit dem »Polizei-Taxi« abholen ließ.

Kindesmissbrauch, Bedrohung und Diebstahl

Acht Einträge finden sich für den 25-jährigen Teisendorfer bislang im Bundeszentralregister, von Kindesmissbrauch über Diebstahl bis Hehlerei, von der Bedrohung bis zum Besitz von Betäubungsmitteln und einer verbotenen Waffe. »Für mich ist das deutsche Rechtssystem ganz unten«, beklagte der Techniker. Er selbst werde sich jetzt rund um die Uhr filmen, kündigte er an, und forderte alle Anwesenden auf, doch vor der eigenen Haustüre zu kehren. Ein Nachweis sei schon deshalb nicht möglich, weil sein Bruder am Telefon eine ganz ähnliche Stimme habe.

Tatsächlich plädierte Staatsanwältin Veronika Gnadl deshalb auf Freispruch. Dem folgte Richter Dr. Karl Bösenecker, der zudem kein Motiv des Teisendorfers erkennen mochte. »Obwohl die Zeugen glaubhaft waren, lässt sich ein sicherer Nachweis für die Täterschaft des Angeklagten nicht führen«, fasste Bösenecker zusammen.

Allerdings warnte der Richter den Techniker, dem ein neues Verfahren wegen Nötigung ins Haus steht. Der Angeklagte soll den 24-Jährigen am 21. Februar dieses Jahres aufgefordert  haben,  die  Anzeige zurückzuziehen, andernfalls säße der bald nicht mehr auf dem Fahrrad, sondern im Rollstuhl. Die Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren zwar vorläufig eingestellt, wird es jedoch  nach  Abschluss dieser Sache wieder aufnehmen. »Wir sehen uns vermutlich wieder«, schloss Bösenecker die Verhandlung. höf