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Teilzeit- und Mini-Jobs: Hoher Frauenanteil, wenig Lohn

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Putzfrauen arbeiten oft für einen geringen Lohn. Die Gewerkschaften ver.di und NGG fordern, dass sich das rasch ändern soll.

Traunstein. Im Landkreis Traunstein haben Frauen die schlechteren und die schlechter bezahlten Jobs. Sie werden in Teilzeit- und Mini-Jobs gedrängt. Nach Angaben des Pestel-Instituts sind lediglich 36 Prozent aller Vollzeitstellen im Landkreis Traunstein mit Frauen besetzt. Ganz anders sieht die Statistik bei den Teilzeit- und Mini-Jobs aus: Hier beträgt der Frauenanteil 75 Prozent.


»Frauen machen rund 11 890 Mini-Jobs im Landkreis Traunstein«, betont Rainer Wessely von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). »Gerade hier ist das Niedriglohn-Risiko am höchsten: Zwei von drei der Mini-Jobs werden mit weniger als 8,50 Euro pro Stunde bezahlt. Oft liegen sie sogar weit darunter«, fügt er hinzu.

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Der Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Rosenheim spricht von einer »Niedriglohn-Schicht«, die vom »fair bezahlten und damit anständigen Arbeitsmarkt« mehr und mehr abgekoppelt werde. »Gerade Frauen werden als billige Arbeitskräfte von Teilen der heimischen Wirtschaft regelrecht ausgenutzt«, sagt Wessely.

Gemeinsam mit ver.di übt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) heftige Kritik an der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis Traunstein: »Arbeitsplätze, von denen man leben kann, werden systematisch abgebaut. Mini-Jobber übernehmen die Arbeit von Vollzeitkräften. Jobs werden zerschlagen, Löhne gedrückt«, sagt Georg Schneider. Der Geschäftsführer der NGG-Region Rosenheim-Oberbayern belegt dies mit Zahlen vom Pestel-Institut, das die beiden Gewerkschaften damit beauftragt haben, die regionale Arbeitsmarktsituation zu beurteilen. Demnach hat die Zahl der Mini-Jobs in den vergangenen zehn Jahren um 100 Prozent zugenommen. »Mini-Jobber sind moderne Tagelöhner – mies bezahlt mit wenig Schutz«, so Schneider.

Rainer Wessely pflichtet ihm bei: »Wer für einen Dumpinglohn schuftet, der fühlt sich von der Gesellschaft mit Füßen getreten. Und das völlig zu Recht.« Es werde höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen, fügt er hinzu. Er fordert daher, einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro einzuführen.

»Für einen Niedriglohn zu arbeiten, bedeutet, dass man den Gürtel ganz eng schnallen muss. Wer dazu gezwungen ist, hat nicht mehr das Gefühl, dazuzugehören«, sagt Georg Schneider. Dumpinglöhner lebten längst in einer »Verzichtskultur«. Ganze Familien würden dabei vom gesellschaftlichen Leben abgekoppelt.

Ein Beweis dafür ist die »Deutschland-Billiglohn-Landkarte«. Schon jetzt zeichnet sich laut den beiden Gewerkschaften dabei ab, dass »die Armut ganz oft weiblich ist«.

Blattl Sonntag Traunstein