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Teilkasko hilft bei Vollschaden

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Wertvoll: Experten  empfehlen,  für Oldtimer  mindestens  eine Teilkaskoversicherung abzuschließen. (Foto: FDL/Lamminger)

Siegsdorf. Bei dem Brand eines ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens in Traundorf (wir berichteten) sind mehrere wertvolle Oldtimer komplett verbrannt. Aber wer kommt für den Schaden auf? Und wie kann man historische Fahrzeuge versichern? Das Traunsteiner Tagblatt fragte bei Experten nach.


»Risiken eingeschlossen«

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Ohne Teilkasko geht gar nichts. Denn erst ab dieser Versicherungsform sind Brandschäden abgedeckt. Der Traunsteiner Versicherungsexperte Franz Genau rät deshalb von einer reinen Haftpflichtversicherung für historische Fahrzeuge ab. Auch wenn diese günstiger ist. »Bei der Teilkaskoversicherung sind alle sogenannten definierten Risiken eingeschlossen«, weiß Genau. Dazu zählt eben auch ein Brandschaden.

Um festzulegen, welche Summe im Schadensfall ausgezahlt wird, fordern die Versicherungen entweder ein individuelles Wertgutachten oder ermitteln den Wert des Fahrzeugs anhand einer Liste. »Die Oldtimerdeckung ist hochwertiger als die klassische Kfz-Versicherung mit ihrer Zeitwertregulierung«, so der Fachmann. Mit anderen Worten: Ein Neuwagen verliert im Lauf der Jahre an Wert, der Oldtimer wird wertvoller. Franz Genau hat mehrere Oldtimerbesitzer in seinem Kundenkreis. »Von den rund 80 Versicherern in Deutschland bieten etwa fünf oder sechs eine spezielle Oldtimerversicherung an«, erklärt Genau.

Eine solche Versicherung kann auch Hans Träg, der Leiter des Regionaltreffs 83 des »Mercedes-Benz R/C 107 SL«-Clubs Deutschland nur empfehlen. Er selbst fährt einen R 107, Baujahr 1986. »Mein Auto ist noch ein Youngtimer, weil es noch keine 30 Jahre alt ist«, sagt der Mercedes-Liebhaber. Sein Cabrio ist deshalb jetzt noch regulär versichert.

Für die spezielle Oldtimer-Versicherung muss Hans Trägs Benz dann bestimmte Anforderungen erfüllen. »Zuerst brauche ich das H-Kennzeichen für historische Automobile«, erklärt der passionierte Mercedes-Fahrer. Dann muss er für sein Auto ein sogenanntes Classic-Data-Gutachten einreichen. Dieses Gutachten fertigt ein anerkannter Schätzer an. »So ein Kurzgutachten kostet etwa 150 Euro«, weiß Träg. Um das Auto versichern zu können, sollt es in der Regel mindestens die Note 3, also ein »befriedigend«, erhalten.

»Man muss beachten, dass nur ein zugelassenes Fahrzeug versichert ist«, warnt der Mercedes-Freund. »Wenn ein Auto bei einem Brand abgemeldet ist, besteht kein Versicherungsschutz.« Deshalb plädiert Hans Träg für eine so genannte Ruheversicherung. Die hat man bei Saisonkennzeichen automatisch.

Teure Teilkasko

Der Traunsteiner Mechanikermeister Martin Strohhammer ist stolzer Besitzer eines Bugatti-Rennwagens. Auch er hat sein kostbares Schmuckstück teilkaskoversichert. »Bei einem Oldtimer, der zwischen 200 000 und 300 000 Euro wert ist, sind für die Teilkasko zwischen 1 200 und 1 500 Euro fällig. Bei Vollkasko an die 5 000 Euro«, so Strohhammer. Er gibt den Tipp: »Die Beiträge kann man mit der jeweiligen Versicherung gut verhandeln.« Vor Online-Abschlüssen rät der Bugatti-Freund jedoch ab. Und noch etwas gilt es laut Strohhammer zu beachten. »Die Preise von hochwertigen Oldtimern steigen laufend«, weiß der Bugatti-Fan, »deshalb kann ein Wertgutachten schnell mal überholt sein.« csf