Bezahlbaren Wohnraum für die kommenden Generationen schaffen

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Mit den Themen »bezahlbarer Wohnraum und Klimaschutz« befassten sich Vertreter der Baubranche, der Kommunen und der Behörden in einem »Kommunalen Wohnungsbaugespräch« im Rathaus in Traunstein. (Foto: Effner)

Wie gelingt es, mehr ökologisch nachhaltigen und bezahlbaren Wohnraum für die kommenden Generationen zu schaffen? Mit dieser aktuellen Frage beschäftigten sich Experten und Entscheider der Bauwirtschaft, der Behörden und der Kommunalpolitik im »Kommunalen Wohnungsbaugespräch« im Traunsteiner Rathaus. Der Infonachmittag war auf Initiative des Bayerischen Ziegelindustrie-Verbands (BZV) und der Bauinnung Traunstein-Berchtesgadener Land zu Stande gekommen. Das wichtigste Fazit: Nur mit einem technologieoffenen Wettbewerb der Baustoffe werde die Krise langfristig zu meistern sein.


»Um die aktuelle Wohn- und Mietenkrise in Deutschland zu lösen, muss weiterhin ausreichend gebaut werden. Wir glauben nicht, dass Diskussionen um Enteignungen die Probleme lösen werden«, erklärte BZV-Präsident Johannes Edmüller zum Auftakt. Aktuell seien in Bayern allein im ersten Halbjahr für fast 41 000 Wohnungen Genehmigungen erteilt worden. 177.000 waren seinen Angaben zufolge Ende 2020 für den Bau freigegeben, aber noch nicht fertiggestellt. Mit bundesweit einem Drittel und bayernweit 60 Prozent seien Mauerziegel der mit Abstand wichtigste Baustoff für bezahlbares und hoch-wertiges Bauen, sagte Edmüller. Bis zum Jahr 2040 wolle der Freistaat klimaneutral werden. »Dieses ehrgeizige Ziel wollen und werden wir mittragen«, so Edmüller. Voraussetzung dafür sei allerdings ein fairer und technologieoffener Wettbewerb »ohne politische Vorgaben und Quoten für bestimmte Bauweisen«.

Bernhard Fuchs, Obermeister der Bauinnung Traunstein-Berchtesgadener Land, sagte es noch deutlicher: »Die Bayerische Staatsregierung ist dabei, durch den massiven Einsatz von Förderprogrammen den Holzbau gegenüber dem Massivbau zu bevorzugen.« Bayernweit würden die Bauinnungen deshalb Technologieoffenheit und Baustoffneutralität fordern, so Fuchs.

Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer sah die Kommunen vor großen Herausforderungen: »Es bedrückt mich, wenn in Deutschland 50 bis 60 Prozent der Bürger antragsberechtigt in der Wohnraumförderung sind.« Angesichts steigender CO2-Abgaben sei der Klimaschutz für bezahlbaren Wohnraum immer mitzudenken. Um nicht von wirtschaftlicher Bevor-mundung durch das Ausland abhängig zu werden, sei Technologieoffenheit gerade auch gegenüber ökologischen Baustoffen wichtig.

Landrat Siegfried Walch sah in bezahlbarem Wohnraum »eine der wichtigen sozialen Fragen der Zukunft«. Mit der schnellen Bearbeitung von Bauanträgen dank Digitalisierung im Bauamt sowie der landkreiseigenen Wohnungsbau-GmbH und dem interkommunalen »Zweckverband Heimat.Chiemgau« seien die Weichen für die Zukunft gut gestellt. Ein funktionierendes Baugewerbe sei auch eine »verlässliche wirtschaftliche Säule, die uns gut durch die Corona-Zeit getragen hat«. Walch rief dazu auf, alle Bemühungen zu unterstützen, um nachhaltigen Wohnraum zu schaffen oder vorhandene Immobilien zu ertüchtigen.

Florian Brunner, Geschäftsführer des Wohnbauwerks im Berchtesgadener Land GmbH, zeigte anhand konkreter Beispiele, mit welchen Instrumenten sich Baukosten und damit auch die Mieten niedrig halten lassen. Dazu zählten etwa serielles Bauen mit Verwendung gleicher Grundrisse, die Maximierung von Wohnflächen durch intelligente Stapelgrundrisse, energetische und Ausstattungsoptimierungen, Gebäudeaufstockungen sowie eine kluge, kommunale Bodenbevorratungspolitik.

Dass es nicht sinnvoll ist, für Klimaneutralität nur auf einen Baustoff zu setzen, machte Dr.-Ing. Sebastian Pohl von der Life Cycle Engineering Experts (LCEE) GmbH aus Darmstadt deutlich. Das Unternehmen hat sich auf zertifizierte Nachhaltigkeitsbewertungen spe-zialisiert. In einer umfassend angelegten Studie hat das Unternehmen untersucht, wie die CO2-Bilanzen von Gebäuden mit unterschiedlichen Baustoffen in Bezug auf den gesamten Lebenszyklus zu bewerten sind. Pohls entscheidende Erkenntnis: »Für Nachhaltigkeit und Klimakompatibilität ist das Konstruktionsmaterial nicht das entscheidende Kriterium.«

Mit Blick auf die Gebäudehülle gleichen sich seinen Angaben zufolge über eine Dauer von 80 Jahren die CO2-Bilanzen in Mauerwerk-, Stahlbeton- oder Holzständer-Bauweise immer mehr an. Entscheidend sei im Unterschied dazu das Nutzerverhalten. Um den CO2-Fußabdruck zu verbessern, sei auf Energieeffizienz und optimierte Ausstattung, Eigenstromproduktion oder klimakompatible Stromversorgung von außen zu achten.

eff


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