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Taubensee mit Edelkrebsen besetzt

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Eine bedrohte Art: der Edelkrebs. Der Fischerverein Unterhochstätt hat jetzt über 300 Exemplare am Taubensee ausgesetzt und hofft, dass sich dort ein stabiler Bestand entwickelt. (Foto: Rudi Bichlmann)

Ruhpolding – Aktiver Naturschutz gilt nicht nur für Säugetiere und Vögel, sondern ist auch unter der Wasseroberfläche zu betreiben – nach diesem Motto handelte der Fischerverein (FV) Unterhochstätt und entließ am Ruhpoldinger Taubensee über 300 Edelkrebse in die Freiheit.


Seit Januar bewirtschaftet der Fischerverein Unterhochstätt den Taubensee. Die Gewässerqualität und das Bodensubstrat des Sees bieten hervorragende Voraussetzungen für den in Bayern gefährdeten aber einheimischen Edelkrebs. Die Vorstandschaft entschied sich deshalb, sich dieser wunderschönen großen Krebsart näher zu widmen.

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Das brachte natürlich einige Vorarbeit mit sich. Gewässerwart Stefan Lechner untersuchte im Laufe des Jahres mehrfach die Wasserqualität, um sicherzugehen, dass es den Tieren später auch an nichts fehlt. Das steinige bis kiesige Bodensubstrat mit vereinzelten großen Felsen im See wurde ebenfalls als artfördernd eingestuft, da der Edelkrebs sich bevorzugt zwischen bzw. unter Steinen versteckt. Im zweiten Schritt musste ein ökologisch nahestehender Besatzlieferant gefunden werden. Die Krebse im Taubensee sind allesamt Wildfänge aus der oberbayrischen Altmühl, die zum Donaueinzugsgebiet gehört.

Jetzt wurde der Besatz geliefert und besetzt. Genau 308 Krebse wurden vom Gewässerwart und den beiden Vorständen Peter Hußl und Hans Buckreus in ihr neues Zuhause entlassen. Als Allesfresser dient der Edelkrebs einem Gewässer als eine Art »Gesundheitspolizei«, der sich zum Beispiel um die »Entsorgung« von verendeten Fischen kümmert.

In Deutschland steht die größte der einheimischen Krebsarten auf der Roten Liste – das heißt vom Aussterben bedrohte Tierart. In Bayern steht er als »gefährdet« auf der Roten Liste.

Warum die Edelkrebse trotz immer besser werdender Wasserqualitäten so stark gefährdet sind, hat mit einer Krankheit zu tun: der Krebspest.

Dafür verantwortlich sind in erster Linie neozoene Arten wie der Kamberkrebs oder der amerikanische Signalkrebs, die es ursprünglich bei uns nicht gab. Sie stammen meist aus heimischen Aquarien und wurden bei Beendigung des Hobbys in die freie Natur entlassen. Diese Krebsarten stellen keine direkte Gefahr, zum Beispiel als Fraßfeind, für den Edelkrebs dar, doch sie sind Träger der Krebspest, die ihnen selbst nichts anhaben kann. Durch die fremden Arten wurde die Krebspest in unsere Gewässer eingeschleppt, mit fatalen Folgen für die Edelkrebse: Sie sind gegen diese Krankheit nicht immun, in manchen Gewässern ist ein Verlust von 100 Prozent zu beklagen.

Mit seiner Aktion will der FV Unterhochstätt dem Edelkrebs etwas unter die Arme greifen und so versuchen ein Aussterben der größten einheimischen Süßwasser-Krebsart entgegenzuwirken. Der Verein appelliert auch an alle Aquarien-Besitzer, die daran denken, das Hobby aufzugeben, diese Tiere niemals in die freie Wildbahn zu entlassen! Die Risiken sind nicht abzuschätzen und können wie im Fall des Edelkrebses schwerwiegende Folgen haben. fb

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