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Tanken zum Nulltarif

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Auf  Kosten  des Roten Kreuzes  hat  ein 42-jähriger Mitarbeiter seinen Privatwagen über 60 Mal vollgetankt. Nun musste er sich vor Gericht dafür verantworten.

Auf Kosten der Rot-Kreuz-Bereitschaft Trostberg hat ein 42-jähriger Mitarbeiter den Tank seines Privatwagens befüllt. Der Trick dabei: Wenn er Sprit brauchte für Spazierfahrten, holte er sich in der Wache eine Tankkarte. Bei einer Automatentankstelle in Trostberg zapfte er dann den Treibstoff mit Hilfe der ebenfalls beschafften PIN.


Die 63 Rechnungen im Gesamtwert von 2332,03 Euro wurden bei der BRK-Bereitschaft abgebucht. Die Polizei ertappte den 42-Jährigen schließlich auf frischer Tat. Das Amtsgericht Traunstein mit Richter Maximilian Lermer verhängte gegen den reuigen Angeklagten eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung – unter der Auflage, den Schaden beim BRK in Raten von 100 Euro wieder gutzumachen.

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»Es tut mir sehr leid, ich schäme mich dafür. Ich habe mir nie vorher etwas zuschulden kommen lassen«, meinte der 42-Jährige gestern am Rande der Tränen. Er habe 2015 finanzielle Probleme gehabt: »Das Geld hat hinten und vorne nicht gelangt.« Der Angeklagte berief sich auf gesundheitliche Probleme und die schwierige Lage seiner Lebensgefährtin, deren Lebensunterhalt er finanziert habe. Er habe »ein Helfersyndrom«, so der Trostberger.

Der Richter rechnete ihm vor, durchschnittlich über 2200 Kilometer im Monat gefahren zu sein. Der 42-Jährige erklärte, er habe einen stressigen Beruf. Das Spazierenfahren mit dem Auto habe ihn »heruntergebracht«.

Staatsanwalt Florian Walter sah den Angeklagten des 63-fachen Computerbetrugs, davon in 57 Fällen gewerbsmäßig, schuldig. Zugunsten des Mannes sprächen sein vorstrafenfreies Leben, das Geständnis und die nicht allzu erheblichen Einzelbeträge zwischen 15 und 47 Euro. Andererseits habe der 42-Jährige damit »sinnlose Herumfahrerei« finanziert. Strafschärfend zu werten seien auch eine gewisse kriminelle Energie, die Dauer und die Vielzahl der Taten.

Der ohne Verteidiger erschienene Angeklagte wiederholte sein Bedauern und versicherte: »Ich werde nie wieder etwas anstellen.« »Dem ausgewogenen Schlussantrag des Staatsanwalts ist wenig hinzuzufügen«, betonte Richter Maximilian Lermer in der Urteilsbegründung. Und weiter an den Angeklagten: »Ich habe keinerlei Verständnis, dass Sie eine gemeinnützige Einrichtung schädigen. Sie haben beträchtliche kriminelle Energie dafür aufgewendet. Sie mussten jedes Mal hinfahren, eine Karte holen und nach dem Tanken zurückbringen. Die Entdeckungsgefahr war groß. Über acht Monate haben Sie in aller Öffentlichkeit diese Taten begangen.«

Der 42-Jährige akzeptierte das Urteil, das mit Zustimmung von Staatsanwalt Florian Walter rechtskräftig wurde. kd