weather-image
27°

Tag des Notrufs: Im Ernstfall zählt jede Sekunde

Aus dem Datum 11.2. ergibt sich der Zusammenhang zur Notrufnummer 112. Der 11. Februar ist der Tag des Notrufs 112 – und das europaweit. Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Traunstein erinnert aus diesem Anlass an die Vorwahl- und gebührenfreie Notrufnummer 112 und möchte gleichzeitig alle Bürger motivieren, ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen und im Bedarfsfall auch anzuwenden.

Am 11. Februar ist Tag des Notrufs. Die Integrierte Leitstelle Traunstein mit dem Führungsteam um Gerhard Jäkel (von links), Geschäftsführer Josef Gschwendner und Anton Groschack hat es jährlich mit über 200 000 Notrufen zu tun.

»Hier ist der Notruf für Feuerwehr und Rettungsdienst. Was kann ich für Sie tun?« Mit diesem Satz beginnen die Mitarbeiter der Integrierten Leitstelle Traunstein ein Gespräch, wenn über die zahlreichen Notrufleitungen aus den Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf am Inn und Traunstein ein Notruf angenommen wird. In über 200 000 Notrufen jährlich müssen eine Vielzahl von Lebenssituationen abgearbeitet werden. Oftmals sind die Disponenten der Leitstelle mit schweren Schicksalsschlägen und dramatischen Ereignissen konfrontiert.

Anzeige

Der Disponent in der Integrierten Leitstelle Traunstein analysiert auf Grundlage der gezielt abgefragten Informationen die Lage vor Ort und konstruiert hieraus ein sogenanntes Meldebild. Klagt der Anrufer beispielsweise über starke Schmerzen hinter dem Brustbein, ist dies, abhängig von weiteren Symptomen, eine Verdachtsdiagnose für eine akute Herzerkrankung. Der Disponent wird in diesem Fall umgehend einen Rettungswagen sowie einen Notarzt schicken.

Wird beispielsweise ein Unfall gemeldet, so müssen innerhalb kürzester Zeit folgende Informationen von der Leitstelle eingeholt werden: genauer Unfallort, Angaben zum Melder mit Rückrufnummer; wie viele Verletzte mit jeweiligen Angaben zu Art und Schwere der Verletzung (bewusstlos, schwere Blutung, sichtbare Frakturen); sind Personen im Fahrzeug eingeklemmt, das heißt ist technisches Rettungsgerät der Feuerwehr vonnöten, laufen Betriebsstoffe aus den Fahrzeugen aus, umliegende Verkehrssituation oder mögliche Gefahrstoffe.

Hier muss ein Mittelweg zwischen der genauen Informationseinholung und der schnellen Bearbeitung des Notrufes gefunden werden. Die Bearbeitungszeit des Notrufes (sogenannte »Dispositionszeit«) bis zur Alarmierung der notwendigen Rettungsmittel beginnt mit dem ersten Läuten und wird im Rahmen eines Qualitätsmanagementsystems bayernweit ausgewertet. Im Bereich der Integrierten Leitstelle Traunstein liegt diese derzeit durchschnittlich bei einer Minute 39 Sekunden.

Ein weiteres Qualitätsmerkmal in der Arbeit einer Integrierten Leitstelle bildet die sogenannte »Anrufwartezeit« – das heißt die Zeit vom ersten Läuten bis zur Notrufannahme durch einen Mitarbeiter der ILS Traunstein. Auch dieser Wert wird bayernweit ausgewertet und liegt bei der ILS Traunstein im Durchschnitt bei drei Sekunden. Mit diesem ausgezeichneten Wert liegt die ILS Traunstein im bayernweiten Vergleich an der Spitze.

Ziel der Integrierten Leitstelle Traunstein ist es, das sogenannte »therapiefreie Intervall« beziehungsweise die »Hilfsfrist« bis zum Eintreffen der Kräfte vor Ort so gering als möglich zu halten. Jedoch ist es wichtig, dass die Betroffenen auch Eigeninitiative zeigen.

Josef Gschwendner, Geschäftsführer der Integrierten Leitstelle, möchte den Tag des Notrufs daher auch dazu nutzen, um an den hohen Stellenwert einer sofortigen Ersten-Hilfe zu erinnern. Dies kann anhand des Beispiels »bewusstlose Person mit Atemstillstand sehr leicht aufgezeigt werden:

Wenn der Mensch nicht atmet, das Gehirn also nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird, dann sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um zehn Prozent. Bis ein Notarzt oder Rettungswagen vor Ort eintrifft (»Hilfsfrist«), vergehen meist mindestens zehn Minuten. Dann kann es für den Patienten schon zu spät sein.

Allein durch die Durchführung einer Laienreanimation durch den Ersthelfer kann die Überlebenswahrscheinlichkeit verdreifacht werden. Die Quote der Laienreanimation in Deutschland ist mit 14 Prozent allerdings erheblich niedriger als in anderen europäischen Ländern (zum Beispiel bis zu 70 Prozent in skandinavischen Ländern).

»Folgende Zahlen geben Anlass zum Nachdenken«, sagt Gschwendner. 100 000 Fällen des plötzlichen Herztodes pro Jahr stehen in Deutschland 4000 bis 5000 Verkehrstote gegenüber. Durch eine Optimierung der Laienreanimationsquote könnten erheblich mehr Menschenleben gerettet werden als durch weitere technische Optimierungen von Sicherheitssystemen im Bereich der Automobilindustrie. »Haben Sie keine Angst – Sie helfen einem Menschen mit Atemstillstand immer, wenn Sie die Herzdruckmassage durchführen«, betont Gschwendner.