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Sucht hat viele Erscheinungsformen

Traunstein. Sucht hat viele Erscheinungsformen, auch wenn sich diese oft über Generationen verändern. Die Probleme bleiben, neue Generationen werden mit bestehenden und neuen Formen konfrontiert. – und deshalb wird die Suchtpräventionsausstellung »Einfach Menschlich« nach 2006 und 2011 nun zum dritten Mal an der Staatlichen Berufsschule I an der Wasserburger Straße gezeigt. In den kommenden vier Wochen können sich 800 Schüler der BS I sowie der FOS/BOS mit dem Thema Sucht auseinandersetzen.

Der Baum schildert die vielen Formen von Sucht. Die Ausstellung »Einfach Menschlich« in der Staatlichen Berufsschule I will für das Thema sensibilisieren. Weitere Bilder finden Sie im Internet unter www.traunsteiner-tagblatt.de/fotos. (Foto: Wittenzellner)

Die Initiatoren der Ausstellung, Freia von Hennings und Klaus Haschberger – einst selbst von einer Suchtkrankheit betroffen – vom Initiatoren-Verein S. u. G. Suchtprävention und Genesung Regensburg, begleiten die Teilnehmer. Sie stehen diesen für Fragen, Gespräche und Hilfestellungen vor Ort zur Verfügung.

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Dass Sucht weit über die vorherrschenden Themen »Alkohol und Drogen« hinausgeht und viele Erscheinungsformen hat, wird schnell deutlich, wenn man an dem raumhohen Sucht-Baum stehen bleibt. Dieser – zentral in der Mitte der rund 200 Quadratmeter großen Ausstellung stehend – benennt die einzelnen Süchte: Da ist von Fett-, Spiel-, Sex-, Sport- oder Fernseh-Sucht die Rede.

Bei der Ausstellungseröffnung vor rund 80 Gästen – musikalisch mit Gitarrenimprovisationen des Sozialpädagogen Stefan Starzer untermalt – wurde auch kulinarisch einiges geboten. An der Sansibar präsentierten Teilnehmer der BIJ-Klasse (Berufsintegrationsjahr) alkoholfreie Getränke. Sie wurden gekonnt von den jungen Asylbewerbern, die an der BS I zur Schule gehen, gemixt. Die Schüler bekamen von Schulleiter Willi Barke ein Extralob: »Ihr seid ein Gewinn für unsere Schule. Bleibt noch ein bisschen länger bei uns.«

Barke betonte, dass ein Glas Sekt von Zeit zu Zeit nichts Schlimmes sei. »Aber eine Ritualisierung kann zur Sucht werden«, sagte er. Dramatisch seien in der Folge oft die Auswirkungen auf den Arbeitsplatz, zwischenmenschliche Beziehungen und den Lebenspartner, fügte er hinzu.

Lehrer Hubert Gstettner von der BS I machte deutlich, dass man mit der Ausstellung zwar aktiv an Berufsschüler und FOS/BOS-Schüler herangehe. Gleichzeitig betonte der Schulbeauftragte für Suchtprävention, dass diese Arbeit bereits im Kindergarten beginnen und die Eltern einschließen müsse. »Die Schüler hier sind die Eltern von morgen«, betonte er.

Agnes Hallweger von der Fachambulanz für Suchtkranke im Caritas-Zentrum Traunstein stellte die Konzepte und verschiedenen Arbeiten im Landkreis zum Thema Sucht vor, die bei den Kleinen beginne und inzwischen auch eine Seniorenarbeit umfasse. »Die vierwöchige Ausstellung in Traunstein ist goldwert«, freute sie sich.

Ausstellungsinitiator Klaus Haschberger sagte, die Ausstellung sei eine »Schnapsidee« gewesen, bei der rund 100 ehrenamtlich tätige, ehemalige Suchtkranke mitgewirkt hätten. Er zeigte sich von dem positiven Effekt der Ausstellung überzeugt: »Sie berührt!«

Die Ausstellung ist nicht nur für die Schulklassen geöffnet. Ein öffentlicher Besuch ist am Dienstag, 18. Februar, in der Zeit von 15 bis 18 Uhr möglich. Auch im Rahmen des Elternsprechtages am Dienstag, 25. Februar, ist ab 16 Uhr ein Rundgang durch die Ausstellung möglich. awi