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Suche nach Möglichkeiten für den Waginger See

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Anhand der Wurzelstrukturen der Maispflanzen zeigte der Vertreter des Agrarmittelherstellers die Wirkung des Mittels.

Kirchanschöring. Die Bauern fühlen sich ungerecht behandelt in der Diskussion um den übermäßigen Phosphateintrag in den Waginger See. Sie hätten ja nur getan, was offizielle Stellen und ihr Verband ihnen Jahrzehnte lang gepredigt hätten, meinen sie. »Wachse oder weiche« und produziere immer mehr, war das Credo und das solle jetzt falsch sein. Dabei spüren sie den Preisdruck auf ihre Erzeugnisse immer mehr, und es wird immer schwieriger, ihm standzuhalten. Schon mehrere haben die Viehhaltung aufgegeben, wodurch der Viehbestand in den Gemeinden um den See sogar schon um etwa 20 Prozent verringert worden ist. Viele meinen auch, es werde übermäßig Druck auf sie ausgeübt, auf »Bio« umzustellen.


Hektisch werde jetzt nach Lösungen gesucht, um den Phosphateintrag in den See zu verringern. Vom Landwirtschaftsamt, das einen Maßnahmenkatalog erstellt hat, bis zu einzelnen Bauern, die von sich aus einzelbetrieblich einen Beitrag zur Entlastung des Sees leisten, reichten die Bemühungen. Immer wieder gebe es aber auch »Schwarze Schafe«, die sich wortwörtlich einen Dreck darum scheren, was sie dem See und der Allgemeinheit mit dem Ausbringen von Gülle per Prallteller, zu nah am See, oder zu den ungünstigsten Zeiten antun, wie erst bei einer Zusammenkunft beim Rothlerwirt festgestellt wurde.

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Dieser Zusammenkunft waren Feldbegehungen auf Feldern von Sepp Hubert, dem BDM-Vorsitzenden des Landkreises Traunstein, sowie von Rainer Aicher vorausgegangen. Etwa 50 Bauern aus den Anrainer-Gemeinden des Sees, darunter die BBV-Ortsvorstände aus Kirchanschöring, Josef Obermayer, und aus Petting, Nick Mayr, sowie der Bereichsleiter für Landwirtschaft beim Landwirtschaftsamt Traunstein, Rolf Oehler, der Sprecher des Agrarbündnisses Berchtesgadener Land/Traunstein, Leonhard Strasser, die Sprecherin der AbL für Südostbayern und stellvertretende Bundesvorsitzende, Gertraud Gafus, und ihr Stellvertreter, Georg Planthaler waren zu den Feldbegehungen gekommen.

Sepp Hubert und der Vertreter einer Firma, die durch ihr Güllebehandlungsprodukt angibt, Wurzelstrukturen und Humusbildung zu fördern, initiierten die Feldbegehungen. Dadurch könnte eventuell die Bodenbeschaffenheit im Gebiet um den See dahingehend beeinflusst werden, dass die Wasserspeicherkapazität des Bodens erhöht wird und dadurch auch Gülle nicht so leicht und schnell in den See gelangen würde. Der Firmenvertreter zeigte anhand von Mais- und Sojapflanzen, die Hubert auf seinen Feldern anbaut, deren bessere Wurzelstrukturen und den dadurch erreichbaren höheren Ertrag und die bessere Frucht-Qualität.

In der Diskussion im Rothlerwirt zeigte sich die Frustration einiger Bauern, die sich unfair behandelt fühlen und die konventionelle Landwirtschaft an den Pranger gestellt sehen. Rolf Oehler vom Landwirtschaftsamt meinte dazu, das sei keineswegs der Fall. Nur auf »Bio« umzustellen müsse nicht zwingend große Vorteile für den See bringen. Vielmehr scheinen ein generelles Bewusstsein, sowohl der Bauern als aller Bürger um den See und vielerlei Maßnahmen vonnöten, um eine Besserung der Wasserqualität zu erreichen. Als erster Schritt wäre die Ausbringung der Gülle per Schleppschuh hilfreich und eine Bodenverdichtung durch schwere Maschinen sei zu vermeiden, meinte Oehler. Versuche einer Verbesserung der Bodenqualität durch Produkte, wie sie Hubert verwendet, könnten ebenso Erfolg versprechen. Allerdings zeigte sich Oehler skeptisch, weil keine nachprüfbaren wissenschaftlichen Forschungsergebnisse darüber zu erhalten seien.

Für die Bauern dürfte sich der Abend jedenfalls als interessant erwiesen haben und sie konnten in der Diskussion ihrem Frust hinsichtlich der Schuldzuweisungen über die Wasserqualität des Waginger Sees Luft machen. al