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Stundenlanges Martyrium

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Wegen schwerster Misshandlung eines 32-jährigen Mannes in der Nacht des 25. Januar in einer Wohnung in Burghausen müssen sich jetzt drei Männer aus der gleichen Stadt im Alter zwischen 21 und 23 Jahren vor der Jugendkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Klaus Weidmann verantworten. Bei dem stundenlangen Martyrium erlitt der 32-Jährige massive Verletzungen, darunter schwere Prellungen sowie Verbrühungen ersten und zweiten Grades am Oberkörper.


Die Jugendkammer ist mit dem Fall befasst, da der jüngste Angeklagte zur Tatzeit noch Heranwachsender war. Der jetzt 21-Jährige mit Verteidiger Erhard Frank aus Burghausen zur Seite räumte gestern die ihm zur Last liegenden Vorwürfe weitgehend ein. Einer der 23-Jährigen, durch den Prozess begleitet von Verteidiger Nico Eckmans aus Mühldorf, gab ein bisschen was zu, belastete aber hauptsächlich die anderen beiden Männer. Der andere 23-Jährige ( Verteidiger ist Alexander Pasquazi aus Mühldorf) soll am Freitag gehört werden.

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Gemäß Anklage lernten sich das Opfer und einer der Angeklagten am Abend des 25. Januar in einer Gaststätte in Burghausen kennen. Der Mann folgte zwei der Angeklagten arglos in ihre Wohnung. Dort versperrten sie die Tür und schlugen sowie traten auf ihn ein, was Verletzungen an Kopf und Oberkörper, eine Gehirnerschütterung und eine Schädelprellung zur Folge hatte. Danach nahmen sie ihm die EC-Karte weg, ebenso sein Handy und einen Silberring. Nach weiteren Prügeln nannte der 32-Jährige seine PIN-Nummer. Bei der Bank spuckte der Automat allerdings kein Geld aus. Der Grund: Die PIN war nicht mehr aktuell. Die via Telefon eingeholte aktuelle PIN brachte ebenfalls keinen Erfolg, war doch nicht genug Geld auf dem Konto. Der 32-Jährige erntete die nächsten Schläge und Tritte.

Um mittels einer Waffe doch noch an Geld zu gelangen, wurde der dritte Angeklagte kurz nach 6 Uhr in seiner Wohnung geweckt. Der 23-Jährige sollte sich maskieren und mit der Gasschreckschusspistole, gefüllt mit Pfefferpatronenkartuschen, den 32-Jährigen einschüchtern, was er auch tat, indem er dem Opfer die Waffe an die Schläfe hielt und in den Mund steckte. Dazu soll der 23-Jährige gedroht haben, ihn umzubringen und seine Mutter zu vergewaltigen. 2000 Euro sollte der 32-Jährige am nächsten Tag zahlen. Während dieser Phase der Gewalt malträtierten ihn die beiden anderen mit Schlägen. Nachdem ihr hinzugezogener Komplize wieder gegangen war, steigerten sich die Qualen für das Opfer. Mehrmals wurde eine Plastikflasche mit heißem Wasser gefüllt und über den Mann gegossen. Flächenhafte, teils tiefreichende Verbrühungen an Kopf, Hals, Nacken und Rumpf lösten große Schmerzen aus. Die Hornhaut eines Auges wurde zerstört. Einer der Täter stach den 32-Jährigen mit einem Küchenmesser einen halben bis einen Zentimeter tief in den Oberschenkel. Das Schlimme daran: Das Opfer ist Bluter. Glücklicherweise hatte er kurz zuvor seine Blutverdünnertabletten nicht genommen. Dadurch hielt sich die Blutung in nicht lebensbedrohlichen Grenzen. Gegen 8 Uhr rief der 21-Jährige einen Bekannten an mit der Bitte, in die Wohnung zu kommen. Nach 20 Minuten traf dieser ein und herrschte die Angeklagten an, den total verängstigten und schwer verletzten 32-Jährigen laufen zu lassen. Gegen 9 Uhr, nach fünf Stunden unvorstellbarer Qualen, durfte er die Wohnung verlassen. Ein Bekannter brachte den 32-Jährigen in die Kreisklinik Burghausen und informierte die Polizei.

Auf die Spur der drei Männer kam die Polizei sehr schnell. Bereits am frühen Abend wurden zwei Tatverdächtige festgenommen. Sie leisteten keinerlei Widerstand. Für den mutmaßlichen »bewaffneten Maskenträger« klickten knapp vier Stunden später die Handschellen in seiner Wohnung. Die Waffe, eine äußerlich täuschend echt wirkende Gaspistole, wurde sichergestellt. kd