weather-image
26°

Studie zur Rückwanderung der Amphibien vom Weitsee

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Seit Mai ist am Weitsee eine »Amphibienleit-Zaunanlage« aufgestellt. Mit diesem Zaun ist eine Studie verbunden zur Rückwanderung der Amphibien. (Foto: Ostermaier)

Reit im Winkl – Eine umfangreiche Studie wurde über die Sommermonate bis in den Herbst hinein für die Bundesstraße 305 im Bereich des Weitsees erstellt: erneut geht es dabei um die massenhafte Wanderung verschiedener Amphibien. In den Frühjahren 2002, 2010 und 2013 waren schon einmal die Wanderbewegung von Fröschen, Molchen und Kröten akribisch untersucht worden. Damals aber wurde ihr Zug zu den Laichplätzen, also zum See hin untersucht. Annähernd 35 000 Individuen waren damals gezählt worden, es wurde von der bundesweit größten Wanderbewegung von Amphibien gesprochen.


In diesem Jahr nun wurde die Rückwanderung unter die Lupe genommen. Die Erkenntnisse daraus werden vor allem vom Staatlichen Bauamt Traunstein, das diese Studien in Auftrag gab, gebraucht, um Lösungen zu finden, wie die Tiere auch bei der Rückwanderung vor dem Verkehr auf der Bundesstraße geschützt werden könnten. Während die Beobachtungen vor vier Jahren in eine strikte, nächtliche Straßensperrung während der Frühjahrsmonate führte, scheint eine ähnlich klare Regelung für die Rückwanderung nicht so einfach zu sein. Noch in diesem Kalenderjahr sollen die Untersuchungsergebnisse in einem Abschlussbericht vorgestellt werden.

Anzeige

Erstmals war in diesem Jahr auf einer Länge von über einem Kilometer eine »Amphibien-Leitzaunanlage« aufgestellt worden, der es den Kröten, Frösche und Molche unmöglich machte, die Straße zu überqueren. Alle 20 Meter war im Boden ein Sammeleimer eingelassen, der die Kleintiere auffing – 50 Kübel waren es auf der Strecke neben dem Weitsee insgesamt. Helfer überprüften diese Eimer seit Mai jeden Tag, in der Regel morgens und abends. Bei starken Wanderungen gab es auch zur Mittagszeit Kontrollgänge. Dabei wurden die Zahl der Tiere, Art, Geschlecht und Alter festgehalten.

»Allein in den ersten beiden Monaten, also Mai und Juni haben wir etliche tausend Tiere registriert«, sagt Franz Förg vom Staatlichen Bauamt in Traunstein. Aus den über ein halbes Jahr gewonnenen Daten können exakte Erkenntnisse gewonnen werden, zu welchen Tageszeiten, in welchen Monaten und in welchen geographischen Straßenabschnitten wie viele Tiere die Fahrbahn überqueren. Diese Ergebnisse sollen dann Grundlage sein dafür, wie das Bauamt auf diese Situation im Sinne des Tierschutzes reagieren kann.

Bislang haben sich aus diesen Beobachtungen – es ist vermutlich in Bayern die erste Studie, die sich ausschließlich mit der Rückwanderung solcher Amphibien beschäftigt – durchaus Überraschungen ergeben. So beispielsweise, dass die Tiere weitgehend des Nachts zurück in ihre Quartiere wanderten. Zudem vollziehe sich die Rückwanderung nicht in einem engen Zeitraum, sondern verteile sich über den gesamten Sommer bis in den Herbst hinein.

Wie das Staatliche Bauamt und die angrenzenden Gemeinden Ruhpolding und Reit im Winkl auf diese Erkenntnisse reagieren, steht freilich noch nicht fest. Eine Sperrung der Straße komme »wohl nicht infrage«, meint Förg. Eine radikale Lösung, wie sie in der Machbarkeitsstudie von 2010 angedacht wurde, wo auf etwa vier Kilometer Länge bautechnische Amphibienschutzmaßnahmen geplant waren, stößt an Grenzen bei der Umsetzung.

Damals war nach der Studie der Vorschlag diskutiert worden, mehrere Durchlässe unter der Fahrbahndecke einzuziehen. Ähnlich war dies heuer im Gebiet am Froschsee zwischen Ruhpolding und Inzell realisiert worden. »Dort wurden elf solcher Durchgänge eingebaut, am Weitsee wären 70 solcher kleiner Tunnels notwendig«, so Förg, Leiter des Referates für Landschaftsplanung.

Welche Lösung dauerhaft für die Rückwanderbewegung der Amphibien am Weitsee getroffen werden kann, wird sich aus den genauen Erkenntnissen der Beobachtungen ergeben. In den nächsten Wochen soll die Studie, die auf 20 000 Euro veranschlagt ist, fertig werden und dann Grundlage für weitere Diskussionen zwischen den Fachbehörden und den betroffenen Gemeinden bilden. ost