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Streitpunkte Trassen und Gewerbe

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Teisendorf – Kontrovers wurde im Gemeinderat über die Umgehungsstraße für Oberteisendorf und die Gewerbeentwicklung der Marktgemeinde diskutiert. Anlass war eine Reihe von Abstimmungen zu noch abzuhandelnden Punkten beim neuen Flächennutzungsplan (FNP). Bürgermeister Thomas Gasser plant beim Thema Westumfahrung für Oberteisendorf bis spätestens Ende Mai oder Anfang Juni eine Infoveranstaltung für die Bürger und davor eventuell ein Treffen mit den Grundstückseigentümern.


»Intakte Landschaft wird zerstört«

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In der letzten Auslegungsphase waren eine Reihe von Rückmeldungen der Träger öffentlicher Belange und der Bürger eingegangen, mit denen sich die Räte nun auseinandersetzen. Bei den meisten Punkten war sich das Gremium einig, mit Ausnahme der oben genannten Themen.

Zu diesen äußerte sich unter anderem der Bund Naturschutz (BN). Er kritisiert das neue Gewerbegebiet Schlacht nördlich angrenzend an die Bundesstraße B 304 im Süden von Amersberg: Es handle sich um einen »sehr sensiblen, überwiegend landwirtschaftlich, aber auch forstwirtschaftlich genutzten Bereich« ohne Anbindung, zwischen Wasserschutz- und Landschaftsschutzgebiet. Intakte Landschaft werde zerstört. Gewerbe auf der grünen Wiese stehe in »krassem Widerspruch« zu den Zielen eines Biosphärenreservats. Die Gemeindeverwaltung sagte dazu, trotz dieser Punkte habe man sich mangels anderer geeigneter Standorte für die Beibehaltung des Gewerbegebiets Schlacht entschieden. Die Waldrodung sei natürlich auszugleichen.

Wie Landschaftsarchitekt Wolf Steinert erklärte, sollen alle Behördenvertreter sowie Surgruppe und BN an einem Tisch zusammengeholt werden, um zu prüfen, ob es grundsätzliche Bedenken gibt. Mit dem Ergebnis wolle man nochmal mit Nachdruck bei der Regierung von Oberbayern wegen des bereits gestellten Antrags auf Ausnahme vom Anbindegebot vorstellig werden. Dieses Treffen soll laut Gasser diese Woche stattfinden. Sechs bis acht Hektar Gewerbe wären in Schlacht möglich. Das Gebiet soll vom Zweckverband Gewerbeflächenmanagement, zu dem acht Gemeinden im Berchtesgadener Land gehören, als erstes interkommunales Gewerbegebiet im Landkreis entwickelt werden. Durch den interkommunalen Charakter besteht laut Regierung von Oberbayern auch eine größere Chance, eine Ausnahme vom Anbindegebot zu erhalten.

Zur Nordumfahrung für Oberteisendorf schrieb der BN, man gebe zwar vor, dass es sich nur um eine Freihaltung einer möglichen Trassierung ohne jeglichen Planungsgedanken handle. Er warnt jedoch davor, Begehrlichkeiten mit dem Ziel einer »Parallelautobahn« zu wecken, verweist auf den »immensen Flächenverbrauch, den Eingriff in intakte, schützenswerte Natur und die enorme Belastung für ein neu geschaffenes Siedlungsgebiet« und plädiert für die Herausnahme der Linie.

Die geplante Westumfahrung drohe zusätzlich eine bewaldete FFH-Fläche anzuschneiden, zerstöre Feuchtwiesen und geschützte Flora und Fauna und greife durch eine ins Auge gefasste Bachverlegung schwerwiegend in bisher intakte Natur ein.

Gemeinde kann Argument nicht nachvollziehen

»Keiner kann sich heute mehr vorstellen, dass die Umgehungsstraße für Teisendorf nicht besteht und der Verkehr durch die Marktstraße läuft«, begann die Gemeinde ihre Stellungnahme zur Nordumfahrung. Das Argument des BN, die Ortsdurchfahrt von Oberteisendorf entlang der B 304 könne man nicht mit der von Teisendorf vergleichen, kann die Verwaltung nicht nachvollziehen. Die Marktgemeinde habe sich nach erfolgtem Bürgerdialog und den vorgesehenen kurzfristigen Verbesserungen der Ortsdurchfahrt Oberteisendorf entschieden, die Trasse im FNP zu belassen. Bei der Westumfahrung habe die Untere Naturschutzbehörde in einem Gespräch angedeutet, dass eine Lösung für die naturschutzrechtlichen Probleme möglich ist.

Die Gemeinde ist, wie der Bürgermeister erläuterte, bei Westumfahrung »in Zugzwang«, da die Brücke bei Kumpfmühle, die eventuell nach einer Verlegung der Ache gedreht und in die Umfahrung integriert werden soll, dringend saniert werden muss. »Wir müssen in absehbarer Zeit Farbe bekennen«, sagte er.

Grünen-Gemeinderat Edwin Hertlein sprach sich für eine getrennte Abstimmung über die BN-Stellungnahme bei den Themen »Umgehungsstraßen« und »Gewerbegebiet« aus. Der Gemeinderat war damit einverstanden. Einstimmig war das Gremium dafür, das Gewerbegebiet Schlacht im FNP zu belassen. Bei den Umgehungsstraßen-Trassen waren die drei Grünen-Gemeinderäte sowie die CSU-Räte Rupert Helminger und Andreas Neumeier dagegen, die Planung nicht zu ändern. Auch zahlreiche Oberteisendorfer Bürger brachten ihre Bedenken zu den Umgehungsstraßen in Oberteisendorf vor (siehe Kasten). 13 Gemeinderäte waren dafür, die Planung dennoch nicht zu ändern. Die oben genannten fünf Räte stimmten auch hier dagegen. vm