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Landgericht vernahm ein Dutzend Zeugen – Haft und Unterbringung zum Alkoholentzug

Streit wegen Kindern eskalierte

Traunstein. Zweieinhalb Jahre Haft und Unterbringung in einer Alkoholentzugsanstalt wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung, dreifacher Nötigung und versuchter schwerer räuberischer Erpressung lautete das Urteil der Sechsten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Jürgen Zenkel gegen einen 47-jährigen Mann aus Grabenstätt. Dieser hatte mit einer Softair-Pistole Autofahrer unter Druck gesetzt, ihn mitzunehmen. Von Schulkindern forderte er unter Vorhalt der Waffe Geld. Außerdem hatte er einem Wohnungsmieter in Unterwössen mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Gut ein Dutzend Zeugen hörte das Gericht zu den insgesamt fünf Tatkomplexen an. In einem Mehrparteienhaus in Unterwössen gab es offensichtlich mehrmals Ärger wegen Kindern. In dem gleichen Gebäude wohnte ein Bekannter, den der Angeklagte am Nachmittag des 6. Januar 2014 besuchte. Gemeinsam klingelten die alkoholisierten Trinkkumpane gegen 17.30 Uhr an der Wohnungstür des Vaters der Kinder. Das Opfer öffnete, wurde sofort in die Wohnung zurückgeschoben und beschimpft.

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Der Angeklagte schlug mit der Faust zu

Die ungebetenen Besucher drängten den Mann in eine Ecke. Der Angeklagte schlug mehrfach mit der Faust zu. Um Blutspuren zu vermeiden, trug er dabei Handschuhe. Mit den Worten »Jetzt gibst eahm oane« stachelte ihn der Bekannte an. Nach zwei kurzen Pausen gingen die Faustschläge jeweils auf Initiative und nach Anfeuerrufen des anderweitig verfolgten Bekannten weiter. Der Geschädigte kam mit Schmerzen an Wangenknochen, Nase und Schläfen davon.

Die Freundin des Angeklagten wohnte in einem anderen Ortsteil von Grabenstätt. Nach einem Besuch bei ihr wollte der 47-Jährige nicht zu Fuß nach Hause gehen. Deshalb trat er am Morgen des 28. Januar 2014 kurz nach 7 Uhr einfach in die Fahrbahnmitte der Kreisstraße TS 3. Ein Autofahrer musste abbremsen. Da trat der mit einem Multitool-Messer mit Eisenkette und Softair-Pistole bewaffnete Angeklagte an die Fahrertür und richtete die einer echten Waffe täuschend ähnlich sehende Pistole gegen den Mann am Steuer. Bevor der Angeklagte etwas sagen konnte, gab der Autofahrer Gas und fuhr weg.

Der Mann fuchtelte mit der Softair-Waffe herum

Fünf Minuten später wiederholte der 47-Jährige sein gefährliches Tun. Er fuchtelte mit der Softair-Waffe herum und bedeutete dem nächsten Wagenlenker, auszusteigen. Als der Angeklagte näher kam, trat der Mann aufs Gaspedal und entfernte sich mit hohem Tempo. Gegen 7.15 Uhr folgte der dritte und wiederum vergebliche Versuch, als Anhalter mitgenommen zu werden. Dieses Mal traf es ein Paar. Die Frau am Steuer reagierte wie die vorherigen Opfer: Sie gab Vollgas.

Auf dem Fußmarsch nach Grabenstätt holte der Angeklagte zwei Schulkinder ein – immer noch mit Eisenkette und Softair-Pistole in Händen. Das Mädchen zog es aus Angst vor, die Flucht nach vorne anzutreten und schneller zu gehen. Dem Buben hielt der 47-Jährige die Waffe gegen die Brust. Der Angeklagte fragte nach Geld. Der Bub hatte aber keines. Da nahm der Grabenstätter die Waffe weg von dem Kind.

Diese letzte Tat wertete das Gericht als »versuchte schwere räuberische Erpressung«. Wie der Vorsitzende Richter im Urteil begründete, waren die misslungenen Anhalteversuche – abweichend von der Anklage, die von schwerer räuberischer Erpressung ausging – jeweils nur »Nötigungen«. Der 47-Jährige habe nicht die Autos erbeuten, sondern nur mitfahren wollen. kd