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Streit um die Bauweise des geplanten Rathaus-Neubaus

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Der beschlossene Rathaus-Neubau in Seebruck scheint sich zu einer unendlichen Geschichte zu entwickeln. Über den Standort in der Ortsmitte sind sich fast alle einig, doch an der Bauweise scheiden sich weiterhin die Geister. (Foto: Müller)

Seeon-Seebruck. Dass die informative Wahlveranstaltung der Freien Wählergemeinschaft Seebruck (FWGS) erst nach knapp drei Stunden zu Ende war, lag an der abschließenden hitzigen Diskussion über das geplante neue Rathaus, das die Gemüter enorm bewegt. Wenn dies nur das Vorspiel zu den Bürgerversammlungen vom 6. bis 8. März war, kann man sich dort auf einiges gefasst machen. Und zwar nicht nur in Seebruck, sondern auch in Seeon und Truchtlaching, denn »das Rathaus betrifft uns alle, nicht nur euch Seebrucker«, ärgerte sich eine Truchtlachingerin.


Nicht nur bei der Bauweise und Fassadengestaltung gehen die Meinungen nach wie vor auseinander, sondern auch die Standortfrage scheint nicht für alle entschieden zu sein. »Der bisherige Standort ist vollkommen daneben«, schimpfte der Seebrucker Hotelier Peter Stocker. Dort sei es viel zu eng für so einen »zweieinhalb Mal so großen Verwaltungspalast«. Das neue Rathaus müsse auch für alle Gemeindebürger gut zugänglich sein, so Stocker.

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Der geplante Neubau sei »nicht überdimensioniert«, erwiderte FWGS-Gemeinderat Josef Hölzl und verwies auf die Vorgaben des Raumprogramms. Jetzt das Fass der Standortfrage noch einmal neu aufzumachen, »halte ich für abwegig«, betonte Hölzl mit Verweis auf den eindeutigen Gemeinderatsbeschluss. Über die künftige Unterbringung der Tourist-Information sei hingegen noch nicht abschließend entschieden. Beistand erhielt er vom FWGS-Ortsvorsitzenden Rudolf Mayer, dessen Ratskollegen Andreas Dorn und vom früheren Seebrucker Gemeinderat Heinz-Georg Plikat: »Lasst das Rathaus bitte mitten im Dorf, stellt es nicht aufs Feld«. Eine Lanze für die Bewahrung der charakteristischen Ortsmitte brach Alfons Regnauer, denn »um das malerische Ensemble von Kirche, Museum und Rathaus beneiden uns alle Menschen«. Veränderbar sei nur noch der Architekten-Entwurf, denn der habe »alle schockiert«. Man habe vor der europäischen Ausschreibung nicht wissen können, dass solch ein Rathaus-Neubau von den Architekten »nur modern gedacht« werde, rechtfertigte sich Dorn und stellte den Architektenwettbewerb in Zweifel.

Der Bürgermeisterkandidat der drei Freien-Wähler-Gruppierungen, Sebastian Maier, wiederholte seinen Standpunkt, dass er gegen eine Abfindung des Architekten sei, denn dies wäre Verschwendung von Steuergeldern. Auf die Frage von Michael Regnauer (CSU), wie man denn beim Rathaus eine aktive Bürgerbeteiligung hätte umsetzen können, sprach sich Maier dafür aus, die Bürger in solchen wichtigen Sachfragen von Anfang an besser einzubinden. Jeder müsse alles sagen dürfen, und wenn dann alles wertfrei auf dem Tisch liege, gelte es, Schnittmengen zu suchen. Solch eine offene Diskussionskultur müsse aber »über Jahre wachsen«, meinte Maier und sprach von einem »Lernprozess für Gemeinderat und Bürger«.

Es laufe immer auf eine problematische Entscheidung hinaus, wenn alle drei Ortsteile betroffen seien, betonte Dritter Bürgermeister Rudi Mayer. Über einen Kompromiss schimpfe am Ende jeder. Man müsse nun irgendwie schauen, »dass wir den Entwurf so geändert kriegen, dass er gefällt«.

Der nach 24 Jahren aus dem Amt scheidende Bürgermeister Konrad Glück erklärte, Standortuntersuchungen hätten eindeutig das »Ergebnis Seebruck« gebracht. Die Gefahr sei groß gewesen, dass man alte Gräben wieder aufreiße. Dies dürfe auch künftig nicht geschehen. Ein von der FWGS bevorzugtes neues Rathaus mit alter Fassade »geht gar nicht«, meinte ein Seebrucker Architekt und verteidigte den modernen Entwurf seines Kollegen. Die Arbeit des Gemeinderats, der sich sechs Jahre mit dieser Thematik beschäftigt habe, dürfe jetzt nicht zunichtegemacht werden. mmü