Streit in Siegsdorf eskalierte

Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit vierjähriger Bewährungszeit verurteilte das Schöffengericht Traunstein am Montag einen 33-jährigen Siegsdorfer. Er hatte seinen früheren besten Freund in der Nacht auf 7. Juni 2014 gegen drei Uhr morgens in einem Lokal in Siegsdorf brutal attackiert. Der 39-Jährige erlitt schwerste Schädelverletzungen.


Der Angeklagte schlug gemäß Staatsanwalt Thomas Putschbach mindestens einmal mit der rechten Faust zu und versetzte dem schon am Boden liegenden wehrlosen Mann einen Tritt mit der Hacke an den Kopf. Der Geschädigte verlor das Bewusstsein. Im Krankenhaus Traunstein stellten die Ärzte schwerste Schädelverletzungen fest. Der Angeklagte hat bereits 1000 Euro Schmerzensgeld an seinen früheren Freund gezahlt – und verpflichtete sich am Montag zur Zahlung von weiteren 4000 Euro.

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»Wache nachts schweißgebadet auf«

Der Nebenkläger hat sich körperlich wieder einigermaßen erholt von den Ereignissen jener Nacht, zeigte sich aber in dem Prozess noch immer psychisch sehr beeinträchtigt. Oft wache er nachts schweißgebadet auf, leide häufig unter Kopfschmerzen, berichtete er.

In jener Nacht wollte der Angeklagte erst von dem Mann an der Theke, dann von seiner eigenen Ehefrau und schließlich von dem 39-Jährigen 20 Euro für den Spielautomaten. Als der 33-Jährige auch bei seinem Freund nicht erfolgreich war, kam es zu einem Gerangel, bei dem die hochschwangere Frau des Angeklagten von dem 39-Jährigen versehentlich an den Tresen gedrückt wurde. Da rastete der 33-Jährige aus, schlug zu und trat dann gegen den Kopf des Opfers, das am Boden lag und mit dem Kopf auf die Fliesen knallte. Der nicht vorbestrafte Angeklagte war am Montag teilgeständig. Er räumte zwar einen Faustschlag ein, nicht aber den Tritt mit dem Fuß. An dem Abend hatte er 1,49 Promille.

Arzt bescheinigte eine »fast konkrete« Lebensgefahr

Der 39-Jährige erlitt einen Bruch des rechten Jochbogens, der Augenhöhlenwand rechts, des rechten Schläfenbeins, der vorderen seitlichen Schädelbasis sowie Hämatome. Der Rechtsmediziner Dr. Fritz Priemer aus Wonneberg bescheinigte eine »abstrakte und fast konkrete« Lebensgefahr durch die stumpfen Gewalteinwirkungen. Es sei mehr eine Frage des Zufalls gewesen, dass die Folgen nicht noch schwerer waren. Nicht vollständig nachzuweisen sei, dass der Tritt die Schädelfrakturen verursacht habe – auch wenn diese Erklärung sehr gut zu den Verletzungen passe.

Der psychiatrische Sachverständige Dr. Stefan Gerl vom Bezirksklinikum in Gabersee gelangte aufgrund des Alkoholkonsums beim Angeklagten zu möglicherweise erheblich eingeschränkter Schuldfähigkeit.

»Vorgehen war äußerst brutal«

Staatsanwalt Thomas Putschbach beantragte wegen gefährlicher Körperverletzung, doppelt verwirklicht in Form einer lebensgefährlichen Behandlung und mittels eines gefährlichen Werkzeugs, eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren. Das Vorgehen sei »äußerst brutal«, die Verletzungen massiv gewesen. Wäre der 39-Jährige verstorben, wäre das Schwurgericht zuständig gewesen – wegen eines Tötungsdelikts. Nebenklagevertreter Michael Vogel schloss sich an und hob vor allem die Folgen für seinen Mandanten heraus.

Von einer »typischen Situation mit nahezu katastrophalen Folgen« sprach Verteidiger Konstantin Kalaitzis. Eine Strafe von maximal zwei Jahren mit Bewährung sei ausreichend. Sein Mandant sei an jenem Abend ausgerastet. Der 39-Jährige entschuldigte sich im »letzten Wort«: »Ich versuche, alles wieder gutzumachen.«

Im Urteil betonte Richter Wolfgang Ott, das Gericht sei von dem nicht eingeräumten Tritt überzeugt: »Das beweisen die DNA-Spuren des Opfers am Schuh des Angeklagten sowie die Abdrücke der halbrunden Sohle auf der Haut der einen Gesichtsseite und der Fliesen auf der anderen Seite.«

Gute Sozialprognose und zwei Monate U-Haft

Zur Höhe der Strafe verwies der Vorsitzende des Schöffengerichts auf mehrere positive Aspekte, die die verhängte Strafe rechtfertigten. Der 33-Jährige sei zum Beispiel seit zehn Jahren nicht mehr gewalttätig aufgetreten. Nach dem Tritt habe er dem Opfer helfen  wollen.  Auslöser für das brutale Vorgehen sei der Aufschrei der schwangeren Ehefrau gewesen.  Der  Angeklagte habe in  dieser  Sache zwei Monate in Untersuchungshaft gesessen, seine Sozialprognose sei gut. Der 33-Jährige und seine Ehefrau nahmen das Urteil mit sichtlicher Erleichterung auf. kd

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