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»Straßensperrungen sind keine Dauerlösung«

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Die Behörden haben sich vorerst für die Weiterführung eines konsequenten »Sperrmanagements« entschieden: Um die Amphibien zu schützen, wird im Bedarfsfall die Bundesstraße 305 zwischen Seegatterl und dem Seehaus gesperrt. (Foto: Ostermaier)

Reit im Winkl. Lange wird es nicht mehr dauern, nur wenige Wochen noch, dann werden sie wieder auf Wanderung gehen, um zu den frühjahrswarmen Uferbereichen des Weitsees zu gelangen, zu ihren Laichplätzen. Kaum etwas wird sie aufhalten können, die Zigtausende Grasfrösche, Erdkröten und Bergmolche. Einziges, aber wesentliches Hindernis zwischen Seegatterl und Seehaus ist allerdings die Bundesstraße 305, die es zu überwinden gilt, wenn die wechselwarmen Wirbeltiere von ihren nordseitigen Winterquartieren zu dem rund 60 Hektar großen, klaren See gelangen wollen.


3,5 Millionen Euro waren im Gespräch

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Auf der kilometerlangen Querungstrasse lässt sich an zahlreichen Tagen im Frühling nüchtern ablesen, wie viele Tiere die Begegnung mit einem Auto nicht überlebt haben. Seit Jahrzehnten wird bei den zuständigen Fachbehörden und bei Naturschützern dieses Thema diskutiert, mal hitzig, mal eher abwartend. Ganz und gar anders war die Situation vor drei Jahren: Nach einer umfangreichen Zählaktion schienen die Behörden voller Tatendrang, mehrere bauliche Varianten waren als Querungshilfen für die Amphibien im Gespräch – und eine Investitionssumme von 3,5 Millionen Euro.

Drei Jahre später scheint von diesen Absichten allerdings nicht mehr viel übrig zu sein. Vor Kurzem einigten sich Behördenvertreter auf eine mittelfristige Vereinbarung: Deren Kern reduziert sich offenbar auf zwei Begriffe: »Monitoring« und »Sperrmanagement«.

Grundlage für eine geforderte, fundierte Machbarkeitsstudie war 2010 eine mehrwöchige, jeweils nächtliche Zählaktion gewesen. 25 Helfer registrierten damals im April die Tiere und stellten auch deren Art und Geschlecht fest. Ergebnis: Über 20 000 Individuen, darunter auch äußerst seltene Springfrösche, wurden gezählt. Nicht erfasste Wanderungsbereiche eingerechnet und auch Nächte, an denen die Helfer nicht vor Ort waren, legte man am Ende 35 000 Tiere als Gesamtzahl fest. Dies sei im ganzen Bundesgebiet die größte Massenwanderung von Amphibien, so die Bilanz.

Nach dieser Zählaktion trafen sich am Weitsee Vertreter des Obersten Baubehörde des Bayerischen Innenministeriums, des Staatlichen Bauamts Traunstein, der Forstverwaltung Ruhpolding, des Bundes Naturschutz, der Gemeinden Reit im Winkl und Ruhpolding am Seehaus, um Ergebnisse vorzustellen und Konsequenzen daraus zu besprechen. Als Glücksfall wurde bewertet, dass seitens des Bayerischen Innenministeriums ein bis 2015 befristetes Amphibienschutzprogramm aufgelegt worden war, elf Millionen Euro wollte man hier für entsprechende Sicherungsbauten zugunsten von Amphibien ausgeben.

Das Seengebiet stünde in der »Prioritätenliste ganz oben«, wie damals die leitende Baudirektorin Barbara Burkhard von der Obersten Baubehörde verlauten ließ. Als sofortige Maßnahme wurden am Seehaus und in Seegatterl feste Sperrschranken installiert, sie lösten damit die bis dahin montierten einseitigen Sperren ab, die bis zu diesem Zeitpunkt von vielen Autofahrern eher als symbolische Durchfahrtssperre verstanden und daher wie selbstverständlich ignoriert wurden.

Die massiven Sperrbalken führten in den vergangenen Jahren zu einer deutlichen Verbesserung der Situation. Die B 305 war in Nächten mit wärmeren Temperaturen und feuchter Witterung tatsächlich nicht befahrbar. Dies könne aber in keinem Fall eine Dauerlösung sein, erklärt dazu jetzt Paul Höglmüller, Forstbetriebsleiter beim Forstamt Ruhpolding, in dieser Eigenschaft auch für den Umweltschutz zuständig. »Unsere Leute müssen in den Wochen der Wanderbewegung zu dem Gebiet hinfahren, um festzustellen, ob eine Sperrung nötig ist.« Im Falle der Sperrung würden die Tiere freilich sicher sein.

Mehrere Röhrentunnel unter der Straße?

Im Verlaufe der Sommermonate und des Herbstes würden die Amphibien aber auch wieder zurückwandern, allerdings nicht mehr in dieser Dichte, weswegen hier keine Sperrungen veranlasst würden, so Höglmüller weiter. Bislang sei er seitens der für die B 305 zuständigen Behörde, dem Straßenbauamt Traunstein, für das kommende Frühjahr noch nicht aufgefordert worden, sich um die Überwachung der Bundesstraße zu kümmern.

Auch für Peter Maltan, Abteilungsleiter im Straßenbauamt Traunstein, stellen die kurzfristigen Straßensperrungen keine Dauerlösung dar. Er sagt, man müsse das Gebiet stets sehr weiträumig absperren und auch sehr spontan auf das Amphibienaufkommen reagieren.

Praktischer erschienen da dauerhafte Querungshilfen unter dem Straßenkörper, wie dies vor drei Jahren von den Behörden in verschiedener Weise angeregt worden war. Dabei handelt es sich um mehrere Röhrentunnel mit einem neben der Straße verlaufenden Leitsystem. Technisch ist dies machbar, jedoch sind die Kosten wegen der topografischen Situation vor Ort nicht abzuschätzen; die B 305 wird auf einer Seite von einer Felswand begrenzt und auf der anderen Seite vom Seeufer.

Gegen ein Leitsystem für querungswillige Amphibien stehen aber auch noch die Freizeitbedürfnisse von Gästen und Einheimischen. Der Einbau eines Leitsystems würde zur Folge haben, dass am Ostufer des beliebten Badesees zahlreiche Autoparkplätze weichen müssten. Gerade für Orte wie Reit im Winkl habe der Freizeitwert des Seengebiets im Hinblick auf den Tourismus hohen Stellenwert, so Bürgermeister Josef Heigenhauser.

Aus diesen Gründen haben sich die Behörden für die nächsten Jahre zunächst nur auf ein »konsequentes Sperrmanagement« verständigt. Dies beinhaltet im Bedarfsfall eine schnelle Sperrung der B 305 zwischen Seegatterl und dem Seehaus. ost