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Straße nach Weidach wird zur Einbahnstraße

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Foto: pixabay.com/Averdiek

Waging am See – Der Waginger Gemeinderat hat sich erneut mit der Verkehrssituation am Bahnübergang bei Weidach beschäftigt, weil die Südostbayernbahn ihn schon seit Längerem dazu auffordert, diesen sicherer zu gestalten.


Dieser Forderung will die Marktgemeinde nach langem Hin und Her nun doch nachkommen und eine Einbahnstraße einrichten.

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Die Fahrzeuge können dann von der Staatsstraße 2105 kommend mit abknickender Vorfahrt in die Straße nach Weidach einfahren, aber nicht mehr ausfahren. Jedenfalls verständigte sich das Gremium auf diese Variante. Sie ist eine von drei möglichen Lösungen, die die Südostbayernbahn vorgeschlagen hatte.

Bei Verkehrsschau nochmals ein Bild machen

Trotz des Mehrheitsbeschlusses will man sich bei einer Verkehrsschau vor Ort aber nochmals ein Bild von der Situation machen. An der Verkehrsschau können auch Bürger teilnehmen, damit sie sich mit allen noch offenen Fragen direkt an die zuständigen Vertreter der Behörden richten können. Der Termin wird noch bekannt gegeben.

Bei früheren Gesprächen ist der Gemeinde schon mehrfach mitgeteilt worden, dass das unveränderte Belassen der Verkehrssituation, wie vom Marktgemeinderat am 21. Mai 2015 beschlossen, nicht möglich ist.

In der damaligen Sitzung hieß es, dass die Südostbayernbahn eine Änderung der Situation am Bahnübergang aus mehreren Gründen verlange: Zum einen sei die Sichtachse in Richtung Waging nicht ausreichend, die Räumstrecke wegen der ungenügend breiten Straße im Bereich der Brücke fehle, eine Schleppkurve bei der Einmündung in die Straße nach Mittermühle sei nicht vorhanden und durch die »Vorfahrt gewähren«-Regelung an gleicher Stelle bestehe die Gefahr eines Verkehrsrückstaus in den Bahnübergang hinein.

Einbahnstraße mit abknickender Vorfahrt

Die Südostbayernbahn schlage deshalb eine Einbahnstraße mit Fahrtrichtung von der Staatsstraße 2105 kommend mit abknickender Vorfahrt in die Straße nach Weidach vor. Durch diese Einbahnstraße könne man auf die fehlende Sichtachse notfalls verzichten, die Erfordernis der Räumstrecke würde entfallen und ein Verkehrsrückstau auf den Bahnübergang könnte dadurch auch ausgeschlossen werden.

Daraufhin verlangte die Marktgemeinde von der Bahn, dass das kurze Teilstück bis Weidach als Langsamfahrstrecke ausgewiesen werden solle. »Dann hätten auch die Sichtachsen ausgereicht«, erläuterte Geschäftsleiter Franz Röckenwagner nun den neuesten Stand der Dinge. Auch beim Langsamfahren könnten die Züge pünktlich ankommen. Weil die Bahn die Sache aber anders sah, beharrte sie auf ihrer Forderung. Sie hält bereits die Zug-Geschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde wegen der Sichtverhältnisse für bedenklich. Daher schlug sie drei Verbesserungsmöglichkeiten vor. Davon wählte man nun die Variante eins, weil sie am kostengünstigsten ist. Die anderen hätten hohe Kosten verursacht und wären auch mit einer Einbahnregelung verbunden gewesen.

Es dauerte aber ein wenig, bis dieser Beschluss gefasst wurde, weil großer Diskussionsbedarf herrschte. Karl-Heinz Neumann (CSU) erkundigte sich, ob man für landwirtschaftliche Fahrzeuge eine Ausnahme machen könne. Sichtlich empört machte er dann noch deutlich: »Wir haben keinen Bahnhof mehr, sondern nur noch eine Haltestelle, deren Vorplatz noch immer nicht geregelt ist.« Wenn man die Haltestelle schon vor dem Übergang Weidach anlegen lassen würde, dann wäre man alle Probleme mit diesem Übergang auf einen Schlag los.

Es geht nur um ein bis zwei Minuten

Andreas Barmbichler (CSU) meinte, es gehe nur um ein bis zwei Minuten, in denen die Züge schneller fahren. Nur wenn sie noch temporeicher würden, könne die Südostbayernbahn ihre Vorgaben erfüllen, die sie brauche, um Zuschüsse zu erhalten. »Ich bin aber absolut dagegen, dass die Züge mit 50 Stundenkilometern durch den Ort donnern.« Auch mit der Einbahnstraßenregelung müssten die Züge noch am unbeschrankten Übergang pfeifen.

Röckenwagner erwiderte, der private Übergang spiele keine Rolle, weil es dort zu wenig Fahrzeugbewegungen gebe. Anders sei dies beim öffentlichen Bahnübergang, wo man täglich rund 500 Fahrzeuge verzeichne.

Ohne Streckenausbau entfällt die Zugverbindung

Bürgermeister Herbert Häusl gab zu bedenken: »Wenn die Südostbayernbahn die Strecke nicht auf eine normale Geschwindigkeit ausbauen darf, erhält die Marktgemeinde keine Zugverbindung mehr.« Willi Reiter (UGW) kritisierte, dass »man nicht mehr mitreden kann und nur noch zahlen muss«. Seit mehr als 100 Jahren fahren auf der Strecke Züge, ohne dass je etwas vorgefallen wäre. Er bat bei einer Verkehrsschau abzuklären, ob die landwirtschaftlichen Fahrzeuge künftig noch in beide Richtungen fahren dürfen.

Vor der Abstimmung zugunsten einer Einbahnregelung in Weidach, betonte Häusl, dass »dies ein höchst unangenehmer Beschluss ist«. Man müsse jetzt aber handeln. ca