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»Stinkt schon rein optisch nicht mehr so«

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Hier sieht man deutlich den Unterschied in der Optik: links die braune Fläche, wie sie bei der Breitverteilung der Gülle entstanden ist. Bei der Ausbringung mit dem Schleppschuh sieht man aus der Nähe nur die Rillen, von weiter weg gar nichts mehr. (Foto: H. Eder)

Waging am See. Die Gülleausbringung ist ein zentrales Thema bei allen Diskussionen um die Wasserqualität des Waginger Sees. Zum einen kommt zumindest ein Teil des Phosphateintrags aus der Landwirtschaft, zum zweiten sind Optik und Geruch nach der Gülleausbringung manchen Menschen ein Dorn im Auge. Mit moderner Technik etwas dagegen tun: Das war Sinn und Zweck einer Güllevorführung in Otting mit an die hundert Bauern, veranstaltet von der Gemeinde, dem Landwirtschaftsamt Traunstein und dem Maschinenring.


Kleinere Oberfläche verringert den Geruch

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Die Schleppschuhtechnik verspricht Abhilfe, denn hier wurde die Gülle über Schläuche direkt am Boden abgelegt. Man sieht kaum etwas, es riecht weniger, und es besteht ein geringeres Risiko, dass die Gülle vom Regen ausgewaschen wird und in den See fließt. Bei Vorführungen am Ottinger Ortsrand wurde dies im direkten Vergleich deutlich. Es ist kaum etwas zu sehen. Nur ganz aus der Nähe sieht man die Streifen abgelegter Gülle. Dadurch, dass die Oberfläche um so vieles kleiner ist, als wenn die Gülle verspritzt wird, ist natürlich auch der Geruch deutlich geringer.

Denn, wie in der Besprechung beim Oberwirt betont wurde, allein der optische Eindruck mache in einer Tourismusregion viel aus – nach dem Motto: »Was man nicht sieht, stinkt auch nicht«, oder, wie ein Bauer humorvoll anmerkte: »Das stinkt dann rein optisch schon nicht mehr so.«

Nach Auslaufen der fünf Jahre währenden Förderung gibt es eine neue Fördermöglichkeit: Anträge müssen zwischen 18. November und 24. Januar gestellt werden; dann gibt es bis zu einer gewissen Obergrenze einen Zuschuss von 1,50 Euro pro Kubikmeter. Dass sich die Technik auch rechnen kann, rechnete der Laufener Maschinenring-Geschäftsführer Herbert Galler vor.

Weiter erfolge durch die bessere Ammoniakbindung eine höhere Düngewirkung – das spare Mineraldünger. Stefan Weiß vom Landwirtschaftsamt Traunstein sah auch aus pflanzenbaulicher Sicht Vorteile: minimale Stickstoffverluste und Geruchsbelästigung, exakte Verteilung und damit Düngung, schnelleres Eindringen in den Boden und damit schnellere Düngewirkung, keine Verschmutzung der Blätter und des Aufwuchses, »randscharfe Ausbringung«, keine Verschmutzung von Wegen und Straßen, Verminderung der Phosphatausträge bei Starkregen durch die streifenförmige Ablage und mehr Flexibilität bei der Gülleausbringung bis zu zehn Tage nach dem Schnitt.

Nach zwei Tagen grasen wieder die Kühe

Maschinenring-Geschäftsführer Herbert Galler meinte, man könne sich der Güllegenossenschaft Rupertiwinkel oder Truchtlaching anschließen oder eine neue gründen. Albert Reiter von der Genossenschaft Rupertiwinkel erläuterte die Zusammenarbeit, Bernhard Poller aus Truchtlaching erklärte die Behandlung der Gülle mit Steinmehl und effektiven Mikroorganismen: »Schon nach zwei Tagen grasen die Kühe wieder auf den Flächen, auf denen Gülle ausgebracht wurde.«

Weil im Ottinger/Wonneberger Gebiet die schweren Fahrzeuge hinsichtlich der Bodenverdichtung sehr problematisch seien, werde man hier höchstens ein Fass mit maximal zehn Kubikmetern Inhalt einsetzen können.

Sebastian Zunhammer, Chef der Güllefass-Firma in Biebing bei Traunwalchen, stellte die neuen Techniken vor, die es für die Gülleausbringung gibt – bis hin zum mobilen Labor, das während des Ausbringens gleich die Dosierung errechnet. Mit der staatlichen Förderung und dem Einsparen von Mineraldünger seien die modernen Geräte durchaus interessant. Im Übrigen werde die Breitverteilung in den nächsten fünf bis zehn Jahren wohl sowieso verboten.

Alfons Leitenbacher, Chef des Landwirtschaftsamts Traunstein, erklärte, man wolle für eine Verbesserung der Wasserqualität im Waginger See »jeden Strohhalm umdrehen und schauen, ob er was bringt«. Die bodennahe Gülleausbringung könnte etwas bringen – zusätzlich zum optischen Eindruck.

Bürgermeister Herbert Häusl freute sich über das Interesse der Bauern und betonte, die Seenreinhaltung müsse miteinander angepackt werden. Rolf Oehler, stellvertretender Leiter des Landwirtschaftsamtes, sah die Bemühungen um eine verbesserte Gülleausbringung als »Zeichen nach außen hin: Wir wollen dazu beitragen, dass weniger Phosphat ausgetragen wird. Der nächste Schritt wäre dann zu schauen, wie es mit der Wasserqualität aussieht.« he