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Stilles Gedenken an die Opfer des Nazi-Terrors

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Kranzniederlegung und Kerzenanzünden im Traunsteiner Stadtpark für die Opfer der Reichspogromnacht. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Still gedachten Bürger in Traunstein am Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus im Stadtpark. Entlud sich doch am 9. November 1938, in der Reichspogromnacht, eine Welle der Gewalt, gesteuert und organisiert von den Nationalsozialisten. Diese richtete sich besonders gegen Bürger jüdischen Glaubens. Auch in Traunstein ging man damals in dem antisemitischen Treiben, das lange vorher schon mit der Machtübernahme Hitlers 1933 begann, auf Juden in Traunstein los. Die jüdische Familie Holzer wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. November aus ihrem Haus an der Kernstraße vertrieben und später ermordet.


»Es ist gut, sich daran zu erinnern und das nicht zu vergessen« betonte der Leiter der Dekanatsjugendstelle, Bernd Rohrbach im Rahmen der Gedenkfeier, die von der Evangelischen Dekanatsjugend, dem Kreisjugendring und dem Netzwerk »Bunt statt braun im Landkreis Traunstein« ausgerichtet wurde. Er machte deutlich, dass man für die Taten der Nationalsozialisten von damals nicht verantwortlich sei. Dennoch gelte es auch heute noch, der Opfer zu gedenken, was man auch mit der Niederlegung eines Kranzes tat. »Vergessen-wollen verlängert das Exil – das Geheimnis von Erlösung heißt Erinnerung« stand auf einer Kranzschleife geschrieben. Man gedenke der ermordeten jüdischen Menschen und verneige sich vor ihnen, betonte Rohrbach.

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Im Text »Am Anfang waren es nur Worte« schlug man warnend eine Brücke zur aktuellen Situation und Zeit, in der Rassismus und Antisemitismus wieder massiv zunähmen und vereinzelt salonfähig gemacht werden. »Manches ist aktueller denn je«, betonte Rohrbach.

Von Jugendlichen vorgelesene Texte und Aufnahmen von Zeitzeugen schilderten die Brutalität und Grausamkeit, mit der die Nazi-Schergen in der damaligen Nacht vorgingen und in der die bereits jahrelang praktizierte Entrechtung der Bürger jüdischen Glaubens ihren vorläufigen traurigen Höhepunkt fanden. Was folgte, war die systematische, industriell geplante und durchgeführte Ermordung von sechs Millionen Menschen. Vorgelesene Namen der Opfer führten sie heraus aus der Anonymität, gaben ihnen ein »Gesicht«.

Anschließend gingen die Teilnehmer, einer davon mit einer großen Israel-Fahne, still zum Gedenkstein für die Familie Holzer an der Kernstraße und legten auch dort einen Kranz nieder. Gelesene Texte schilderten die Gewalt gegen die jüdische Familie. Gemäß der jüdischen Tradition legten die Anwesenden zum Ende der Gedenkfeier kleine Steine auf das Denkmal.

Mit dem Gedenken, dem Anzünden von Kerzen und der Kranzniederlegung wolle man ein hoffnungsvolles Zeichen setzen, dass sich solche schlimmen Ereignisse und Zeiten wie sie am 9. November 1938 ihren Anfang nahmen, nie mehr wiederholen, hieß es vonseiten der Veranstalter. awi

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