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Stichwahlen: Fünf Posten im Landkreis noch offen

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Zwei Kreuze dürfen die Wähler am Sonntag unter anderem in der Stadt Traunstein machen. Auf dem gelben Zettel müssen sie sich für einen Oberbürgermeister entscheiden, auf dem blauen Papier für einen neuen Landrat. (Foto: Poschinger)

Traunstein. Stichwahlen um den Posten des Landrates sind selten im Landkreis Traunstein. Erst zweimal musste in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg nach dem ersten Durchgang noch einmal entschieden werden. Ein drittes Mal wird dies am kommenden Sonntag der Fall sein. Dann werden Sepp Konhäuser (SPD) und Siegfried Walch (CSU) erneut um die Stimmen der 140 000 Wahlberechtigten buhlen.


Vor eineinhalb Wochen war es der 29-jährige Inzeller Walch, der mit 41,21 Prozent die meisten Stimmen der insgesamt sechs Landratskandidaten holen konnte. Der 59-jährige Sepp Konhäuser aus Ruhpolding landete mit 22,31 Prozent auf Platz 2. Eine klare Angelegenheit könnte man meinen. »Das kann man so nicht sagen. Stichwahlen haben oft ihre eigenen Gesetze«, erklärt Landrat Hermann Steinmaßl auf die Frage nach seinem Nachfolger.

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1952 musste das Los entscheiden

Bei der letzten Stichwahl 1990 waren es ebenfalls Vertreter von den beiden großen Parteien CSU und SPD, die zwei Wochen nach dem ersten Wahldurchgang erneut auf dem Zettel standen. Auch damals wurde, so wie heuer, ein neuer Kandidat für den Landrat gesucht, da Amtsinhaber Leonhard Schmucker nicht mehr antrat. Das Ergebnis der Stichwahl war eindeutig: Der Christsoziale Jakob Strobl siegte mit klarem Vorsprung vor Gustav Starzmann.

Aus heutiger Sicht kurios lief die erste Landrats-Stichwahl 1952 ab. Damals wählte nicht das Volk, sondern der Kreistag den Landrat. Hans Unnützer (CSU) und Josef Kiene (SPD) erhielten im ersten und einzigen Durchgang beide jeweils 20 Stimmen. Danach musste das Los entscheiden und Unnützer gewann. Sechs Jahre später durften dann alle Landkreisbürger den Landrat wählen und entschieden sich mehrheitlich für Kiene. So wurde der Verlierer Jahre später doch noch zum Gewinner und blieb sogar bis 1970 im Amt.

Die Große Kreisstadt Traunstein hat erst bei den letzten Wahlen 2008 Erfahrungen mit einer Stichwahl gemacht. Damals hatten nach der ersten Runde Wilfried Arsan (UW) und Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) die meisten Stimmen gesammelt. Arsan entschied die Stichwahl für sich, nahm sich aber wenig später das Leben. Bei den Neuwahlen trat erstmals Manfred Kösterke (UW) an, der dann auch zum neuen Traunsteiner Oberbürgermeister gewählt wurde.

Eine direkte Wiederwahl im ersten Wahlgang hat der 51-jährige Amtsinhaber mit 41,70 Prozent der Stimmen nicht geschafft. In einer Stichwahl muss sich Kösterke nun dem 50-jährigen Christian Kegel von der SPD stellen. Da Kösterke sein Amt wegen des Freitods von Arsan erst zum 16. Juli 2008 angetreten hatte, wird auch der Sieger der Traunsteiner Stichwahl erst zu diesem Datum den Bürgermeisterposten für die nächsten sechs Jahre übernehmen. Für alle anderen neu gewählten Bürgermeister und auch den Landrat gilt hingegen einheitlich der 1. Mai.

Mit einer Stichwahl ins Rathaus in Traunreut hat es der Traunwalchener Franz Parzinger vor zwölf Jahren geschafft. Damals setzte sich der Christsoziale gegen Michael Mollner (ABU) durch. Heuer hat er es in der Stichwahl mit einem Mitglied der Freien Wähler zu tun. Klaus Ritter holte in der ersten Runde 25,71 Prozent, Amtsinhaber Parzinger 38,23 Prozent.

Wohl zum ersten Mal überhaupt gibt es in der Gemeinde Chieming eine Bürgermeisterstichwahl. Amtsinhaber Benno Graf von den Unabhängigen Wählern, seit 2002 im Amt, konnte sich mit 36 Prozent nicht auf Anhieb durchsetzen und muss nun gegen Sebastian Heller von den Grünen antreten. Der 55-Jährige landete mit 32 Prozent der Stimmen beim ersten Durchgang knapp hinter dem zwei Jahre älteren Graf.

Erfahrungen mit Stichwahlen gibt es auch in Bergen in jüngster Zeit keine. Da Bürgermeister Bernd Gietl nicht mehr kandidierte, buhlten vier neue Kandidaten um die Gunst der Wähler. Die meisten Stimmen im ersten Durchgang bekamen Stefan Schneider von den Grünen (37,29 Prozent) und Josef Schweiger von der SPD (23,25 Prozent). apo

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