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Steinmaßl: »Wir brauchen Produktionsstandorte«

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Bergen. Mit Nachdruck möchte das Ökomodell Achental die Planung von zwei Fließwasserkraftwerken an der Tiroler Ache vorantreiben. Nun gab es dazu eine Sitzung der neun darin zusammengeschlossenen Gemeinden Bergen, Grabenstätt, Übersee, Grassau, Staudach-Egerndach, Marquartstein, Unterwössen, Schleching und Reit im Winkl im Festsaal Bergen.


Als optimaler Standort hat sich die Stelle flussabwärts der Achenbrücke in Schleching-Ettenhausen erwiesen. Bei Almau gibt es eine weitere Stelle. Das belegt die Machbarkeitsstudie, die bei der gemeinsamen Sitzung nun erstmals öffentlich vorgestellt wurde. Zwei weitere Kraftwerksstandorte sind bereits flussaufwärts der Achenbrücke zwischen Unterwössen und Schleching-Raiten und oberhalb der Achenbrücke zwischen Grassau und Staudach-Egerndach gefunden.

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Für die Fließwasserkraftwerke an der Tiroler Ache sieht die Studie jedenfalls die technische Machbarkeit. Die Herausforderungen durch die bestehenden Rahmenbedingungen vor Ort können bewältigt werden, die vorgeschlagenen Standorte bieten eine optimale Lösung, fasste Professor Markus Aufleger von der Universität Innsbruck zusammen.

Keine erhöhten Wasserstände bei Hochwasser

Das Potenzial der Kraftwerke ist auf der Grundlage einer Fallhöhe von drei Metern pro Kraftwerk mit fünf Gigawatt pro Stunde (GWh) pro Jahr zurückhaltend und unter Berücksichtigung der Naturschutzvorgaben berechnet worden. Fünf GWh im Jahr entsprechen der Versorgung von etwa 1500 Haushalten. Diplomingenieur Michael Spannring, der ebenfalls an der Studie mitwirkte, berichtete über die Hydraulik des Gewässers. In Geländesimulationen am Computer sind die Gewässerveränderungen bei wechselnden Wasserständen durch ein Kraftwerk berechnet worden. Für Hochwasser ergeben sich keine erhöhten Wasserstände.

Die Wirtschaftlichkeitsberechnung für die Kraftwerke an den bevorzugten Standorten sieht folgende Zahlen vor: Die Investitionskosten belaufen sich auf rund sechs Millionen Euro bei jährlichen Unterhaltskosten von 100 000 Euro pro Kraftwerk. Auf der Grundlage der jetzigen Einspeisungsvergütung von rund 550 000 Euro amortisiert sich die Anlage bei einer Inflationsrate von 2,5 Prozent in 30 Jahren.

Ökomodell-Geschäftsführer Wolfgang Wimmer legte zu Beginn der Sitzung die Vorstellung des Ökomodells Achental im Rahmen des Energienutzungskonzepts des Achental dar. Das Ökomodell und die angeschlossenen Gemeinden beabsichtigen den Anteil an erneuerbarer Stromenergie von derzeit 30 266 MWh auf 67 266 MWh im Jahr 2020 zu erhöhen. Das würde den CO2-Ausstoß erheblich zu verringern. Die möglichen vier Fließgewässerkraftwerke an der Tiroler Ache sollen mit 20 000 Megawattstunden (MWh) im Jahr einen erheblichen Anteil daran haben. Bei einem auch für 2020 prognostizierten Energieverbrauch von 100 927 MWh würde das einen Anteil an erneuerbaren Energien von rund zwei Dritteln bedeuten.

Wirtschaftsministerium übernahm Teil der Kosten

Für diesen Weg setzte sich Landrat Hermann Steinmaßl in seiner Ansprache ein. »Ernährung, Wasser, Rohstoffe und Energie, das sind die Herausforderungen der Gegenwart«, betonte er. »Wir wollen den Strombedarf für die Haushalte und das Gewerbe inklusive der öffentlichen Hand bis 2020 mit Strom aus erneuerbaren Energien aus dem Landkreis decken«, sagte Steinmaßl. Bis 2025 soll auch der Strombedarf der Industrie rechnerisch so abgedeckt werden, habe der Landkreis jetzt entschieden.

»Wenn wir den gesamten Strombedarf für den Landkreis Traunstein aus regionalen, erneuerbaren Energien erzeugen wollen, brauchen wir Produktionsstandorte«, forderte der Landrat.

»Wir brauchen den Mut, neue Techniken einzusetzen, die Ehrlichkeit zu sagen, dass dies nicht ohne Veränderung im Landschaftsbild möglich ist, und die Erkenntnis, dass wir dafür auch vernünftige Kompromisse vor allem mit der Natur und dem Landschaftsbild eingehen müssen.« Der Umstand, dass jede Gemeinde jetzt erheblich Geld in die Hand genommen hat, die Hälfte der Machbarkeitsstudie zu finanzieren, und dass das Wirtschaftsministerium – sehr angetan vom Vorhaben – die andere Hälfte übernommen hat, erweise, so Ökomodell-Geschäftsführer Wimmer, wie ernst es den Beteiligten mit dem Vorhaben ist.

In der Diskussion wurden auch Bedenken geäußert. Ein erfahrener Fischer betonte: Er glaube nicht, dass der Fischbestand der artenreichen Ache nach vier Kraftwerksneubauten zukünftig noch den gleichen Standard habe. Landwirte – gerade aus dem Bereich Staudach-Egerndach und Almau – machten sich Sorgen über steigende Grundwasserspiegel im Staubereich und damit um nasse Felder und Wiesen. Aufleger gab Entwarnung, Wissenschaftler und Planer behielten das sehr genau im Auge.

Einige Bedenken in der Diskussion geäußert

Mit diesen Bauwerken gäbe das Ökomodell eines seiner drei Ziele, die Landwirtschaft, auf, lautete ein weiterer Kritikpunkt. Der Ökomodellvorsitzende Loferer wies dies scharf zurück. Keine wäre bereit, Maßnahmen zum Schaden der eigenen Gemeinde zuzulassen, betonte er. lukk