weather-image
27°

Stechmücken plagen die Menschen nicht nur am Chiemsee

4.5
4.5
Bildtext einblenden
Ihr Appetit auf menschliches Blut ist riesengroß: Stechmücken haben sich auf den Überschwemmungsflächen nach dem Hochwasser Anfang Juni explosionsartig vermehrt und machen in diesem Sommer einen Aufenthalt im Freien zur Qual.

Alle reden vom Wetter – fast immer. Doch in diesem Sommer ist alles etwas anders: Alle reden über die Mückenplage. Sie ist eine unvermeidbare Folge des Regenwetters und des Hochwassers, das große Flächen unter Wasser gesetzt und so die Brutstätte für Milliarden von Stechmücken geschaffen hat.


Es wurde schon viel geschrieben über die Invasion der kleinen Plagegeister, die einen Aufenthalt im Freien für den Menschen vielerorts zur unerträglichen Tortur machen. Besonders schlimm ist es rund um den Chiemsee. Dort hatte man in den vergangenen Jahren dank des Einsatzes von Bti, einem Eiweißstoff, weitgehend Ruhe an der »Mückenfront«. Hätte man heuer die großen Flächen, die überschwemmt waren, mit dem Präparat besprüht, dann hätte das Millionen von Euro für das Präparat und die Hubschrauberflugstunden gekostet.

Anzeige

Bekämpfung unmöglich

Außerdem wäre der Zeitpunkt, an dem man das Mittel nach der großen Hochwasserflut hätte ausbringen können, zu spät gewesen: Das Entwicklungsstadium der Larven war schon zu weit vorangeschritten, sodass Bti nicht mehr oder nur unzulänglich gewirkt hätte.

Vorige Woche ist es dann nicht nur am Chiemsee richtig losgegangen. Am Dienstag waren beim warmen Wetter schon unzählige Insekten unterwegs; zugestochen haben aber noch nicht allzu viele. Das hat sich aber bis Donnerstag dramatisch geändert, was auch an der brütenden Hitze lag: Ein Aufenthalt im Freien war vielerorts nicht mehr möglich. Der Temperatursturz zu Beginn dieser Woche brachte dann eine leichte Entspannung.

»Aber wehe, wenn es wieder heiß wird!«, warnen Experten. Dann wird die nächste Generation schlüpfen und Myriaden der summenden Blutsauger werden verhindern, dass man die für kommende Woche von den Meteorologen vorhergesagten, lauen Sommerabende friedlich im Freien verbringen kann. Das sind schlechte Aussichten nicht nur für die Betreiber von Biergärten, sondern auch für alle, die einen Grillabend planen oder nur gesellig auf Balkon oder Terrasse sitzen wollen. Die nächste schlechte Nachricht: Bis Herbst könnte es so weitergehen

Wer nach Feierabend draußen sitzt, der wird sich das Vergnügen wohl verkneifen, weil es wegen der Mücken keines mehr ist. Was aber machen all die Menschen, die von Berufs wegen gezwungen sind, sich im Freien aufzuhalten?: Gärtner, Bauarbeiter, Forstleute. Wie können sie sich vor den Stichen schützen? Was kann man tun, um den Juckreiz nach einem Mückenstich zu lindern? Die Liste der Hausmittel ist lang. Wirksam sind aber alle Abwehrmittel nur bedingt. Man kann sich zum Beispiel mit Blättern vom Walnussbaum einreiben oder mit frischem Lavendel aus dem Garten; man kann sich mit Nelkenöl, Lavendelöl oder anderen ätherischen Ölen »einstinkern«; man kann aber auch Fertigprodukte aus Apotheke, Drogerie oder Supermarkt verwenden. Anti Brumm heißt der Testsieger, den die Stiftung Warentest schon vor drei Jahren gekürt hat. Weitere Produkte mit guter Qualität sind laut Warentest Autan, Azaron before, Care Plus, Parazeet und Nobite.

In manchen Apotheken werden Präparate angeboten, die nach hauseigenen Rezepturen hergestellt werden. Stellvertretend für alle sprachen wir mit Apotheker Jochen Bischoff aus Grabenstätt – mit ihm deshalb, weil Grabenstätt eines der Zentren der derzeitigen Mückenplage ist. Er stellt ein Produkt her, das er aus diversen Geranien- und Nelkenölen mischt. Er vertreibt es unter dem Namen Vampiröl. Im vergangenen Jahr hat er davon in seiner Apotheke rund 600 Flaschen verkauft, berichtete er in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Vergangene Woche am Dienstag waren die Vorräte für dieses Jahr noch weitgehend unangetastet; drei Tage später war er so gut wie ausverkauft. »Wir produzieren jetzt sogar in der Nacht«, verrät Bischoff, denn wenn es heiß wird, »ist hier der Teufel los«.

Weil es ohne Chemie und ohne Konservierungsstoffe hergestellt ist, vertragen es auch Babys und Kleinkinder, betont Bischoff, der wie alle anderen Apotheken in der Region aber auch herkömmliche Mückenabwehrmittel anbietet.

Und was, wenn man sich nicht eingerieben hat, wenn das Mittel nicht gewirkt hat und man doch gestochen wurde? Dann gibt es zahlreiche Produkte, die Linderung verschaffen und den Juckreiz mildern. Eines der bekanntesten Präparate ist Fenistil. Über die Wirksamkeit kann man streiten. Jochen Bischoff hat auch hier einen Tipp: »Die Da Wan Hua« heißt das Öl, aus China, das nach dem Stich am besten wirken soll. Das sogenannte 1000-Blumen-Öl, ein Extrakt aus verschiedenen Blüten, wurde zunächst als Brand- und Wundöl verwendet, ehe man feststellte, dass es auch ideal zur Linderung von Stichen eingesetzt werden kann.

Zwiebelscheiben auf den Stich drücken

Wenn sich ein Stich entzündet, dann sollen Umschläge mit Rivanollösung helfen. Wer das alles nicht daheim hat, dem bleiben nur Hausmittel: eine Zwiebelscheibe auf den Stich drücken oder einen Quarkwickel anlegen. Auch ein Salzbrei soll Linderung bringen oder ein Tropfen aus dem Blatt der Hauswurz. Manche schwören auf eine Scheibe roher Kartoffel auf der Wunde, auf Spitzwegerich oder Kraut. Kaltes Wasser lindert den Juckreiz kurzzeitig; heißes Wasser kann die Folgen des Stiches nachhaltig mindern. Es zerstört das Eiweiß.

Meist hat man all dies nicht zur Hand. Dann bleibt nur noch ein Hausmittel, das man immer bei sich hat: Spucke. Sie hat eine lindernde Wirkung auf Mückenstiche, enthält schwache Schmerzstiller und Antihistamine. Darüber hinaus wird der Stich durch Spucke gekühlt. Klaus Oberkandler