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Statt Prunkbauten um soziale Bedürfnisse kümmern

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Traunreut. In den Augen des Zweiten Bürgermeisters Ernst Ziegler (SPD) sollte sich die Stadt Traunreut über ihre sozialen Aufgaben hinaus auch an überörtlichen Projekten wie der Integrierten Sozialpädagogischen Gruppenarbeit (ISG) angemessen beteiligen. »Wir stellen einen Prunkbau nach dem anderen hin, aber um soziale Bedürfnisse, besonders um die der Kinder, kümmern wir uns nicht«, wetterte der Vizebürgermeister im Hauptausschuss.


Dem Plädoyer des Zweiten Bürgermeisters ging ein Antrag der »ISG e.V. Integrierte Sozialpädagogische Gruppenarbeit« mit Sitz in Übersee und einem Büro in Traunreut auf Übernahme der Kosten für ein Projekt zur Gestaltung des Bolzplatzes an der Nettunoallee/Johann-Sebastian-Bach-Straße voraus. Die ISG mit der »Schatzinsel«-Tagesstätte in Traunreut möchte mit der Bolzplatzgestaltung auf Cliquen zugehen, die sich dort punktuell treffen und Alkohol und Zigaretten konsumieren. »Mit diesen Jugendlichen möchten wir den Platz säubern und neu gestalten. Die Art der Gestaltung soll in Zusammenhang mit der Stadt Traunreut erfolgen«, heißt es in der Projektbeschreibung. Geplant seien zunächst ein Ballfang und ein großer Zirkuswagen, um auch bei kaltem Wetter Bewegungsräume zu schaffen. Gleichzeitig soll eine Beziehung zu den einzelnen Jugendlichen aus den Cliquen aufgebaut werden. Dies würde nach Ansicht der Initiatoren den Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren die Möglichkeit eröffnen, sich an einen Erwachsenen in Problemsituationen zu wenden. Damit verbunden sind auch Kosten in Höhe von circa 17 300 Euro im Jahr, um deren Übernahme die Stadt in einem schriftlichen Antrag gebeten wurde.

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Nach Ansicht der Verwaltung gehe die Projektbeschreibung deutlich über die tatsächliche Sauberhaltung des Bolzplatzes hinaus. In einer Stellungnahme weist die Verwaltung darauf hin, dass die Sauberhaltung des Bolzplatzes auch ehrenamtlich sichergestellt werden könne. Soweit die Notwendigkeit eines eigenen sozialpädagogischen Projekts erkannt werden könne, wäre dies Aufgabe des Kreisjugendamtes. Aus diesen Gründen könne aus Sicht der Verwaltung einer Übernahme der Kosten für das Konzept nicht entsprochen werden. Mit Ausnahme von Ziegler lehnten sich auch die Hauptausschussmitglieder der Begründung der Verwaltung an. Es wurde angeregt, das Projekt als solches mit den entsprechenden Fachstellen zu besprechen. Gleichwohl sollen aber für die Sanierung des Bolzplatzes, dessen Renovierungskosten von der städtischen Fachtechnik auf 45 000 Euro geschätzt werden, 24 000 Euro im Haushalt 2014 eingestellt werden.

Nach Ansicht Zieglers müsse sich die Stadt auch überörtlicher Angelegenheiten annehmen und sollte nicht einfach den Bedarf und die Zuständigkeit bestreiten. Vom »Runden Tisch – Kinder/Jugend« werde seiner Meinung nur das organisiert, was von der Landesregierung vorgeschrieben werde. Hier setze sich die Meinung fort, dass solche Projekte nicht notwendig seien, weil es ja die »Herdprämie« gebe und dadurch die Eltern alles selbst regeln könnten. Ziegler sieht das ganz anders. »Mit kleinen sozialen Leistungen machen uns sogar wirtschaftlich schwächere Nachbargemeinden einiges vor, das bei uns nicht möglich ist.« Die Stadt Traunreut setzte zuerst auf prächtige Bauten, bei denen dann die Kostenmehrungen den Spielraum für die kleinen Leistungen, welche den Schwächeren direkt helfen würden, aufzehren. Die Retourkutsche habe die Stadt unlängst beim Bürgerbegehren deutlich erfahren. Aus dem Ergebnis des Bürgerbegehrens Stadtbibliothek entnehme er, dass die Bürger keine Denkmäler mehr wollen. Wie berichtet, hatten sich die Traunreuter gegen den Neubau einer Stadtbibliothek ausgesprochen. ga