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Statt aktiver Sterbehilfe mehr Palliativ-Angebote

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück (links), sprach bei einer Veranstaltung des CSU-Ortsverbandes Traunreut zum Thema »Was hat Politik mit dem christlichen Glauben zu tun?« und diskutierte anschließend mit den Besuchern. Als kleine Aufmerksamkeit überreichte ihm CSU-Ortsvorsitzender Hans Peter Dangschat etwas Süßes. (Foto: Rasch)

Traunreut. Andere Länder, andere Sitten, andere Gesetze: Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, hält jedoch die Ausdehnung der aktiven Sterbehilfe in Belgien für eine hochgefährliche Entwicklung. »Die Entwicklung in Belgien mit Blick auf die Kinder ist erschreckend«, sagte er bei einer Veranstaltung des CSU-Ortsverbandes Traunreut in der TuS-Sportplatzgaststätte. Der Landtagspräsident a. D. hat große Vorbehalte gegen aktive Sterbehilfe und fordert deshalb für Deutschland statt aktiver Sterbehilfe mehr Palliativ-Angebote.


Stadtrat Bernhard Seitlinger hatte in der Diskussion die aktive Sterbehilfe für Kinder angesprochen, die in Belgien gerade Normalität werden soll. Er sei entsetzt, dass in Belgien zwölfjährige Kinder aktive Sterbehilfe bekommen können, wenn sie das ausdrücklich verlangen und zu einer Einschätzung in der Lage seien. »Ich vermisse hier den Aufschrei der Politik«, sagte Seitlinger, der sich in der Hospiz-Arbeit engagiert. Er forderte, die Hospizbegleitung flächendeckend zu forcieren, zumal auch erwiesen sei, dass 70 Prozent der Menschen ihren letzten Weg im häuslichen Umfeld gehen wollen.

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Mit positiven Angeboten reagieren

Auch Glück warb für diesen Weg. Es genüge nicht, die Entwicklung der aktiven Sterbehilfe abzulehnen. Vielmehr müsse man mit positiven Angeboten reagieren, nämlich die heutigen Möglichkeiten der   Palliativmedizin in der Hospizbegleitung allen Menschen zugänglich machen. Er plädierte dafür, bei der gesamten Thematik in einer sehr achtsamen Sprache um eine bestmögliche Lösung zu ringen. Anknüpfend an die Ausdehnung der aktiven Sterbehilfe für Kinder in Belgien fügte Glück an, dass auch die Ärzte, Psychologen und die Eltern dem Wunsch der Kinder zustimmen müssten.

Auf die Frage von Stadtrat Christian Gerer, ob das Christentum bei der heutigen Generation an Einfluss verloren habe, meinte Glück, der Weg zu den christlichen Werten werde wieder mehr gesucht. Auch die Beliebtheit und offene Art von Papst Franziskus zeige, dass viele Leute Sehnsucht danach haben. Die Kirche müsse aber eine Sprache finden, die den Menschen verständlich sei. Diese offene Zukunftsfrage setze eine hörende, wache, suchende und dienende Kirche voraus.

Für neue, zeitgemäße Formen sprach sich der oberste Laie der deutschen Katholiken auch bei der Familienpolitik aus. Die Entwicklung des Stellenwerts der Familien in der Gesellschaft ist in seinen Augen »höchst erfreulich«. Bedingt durch den demografischen Wandel sei aber eine Aufwertung der Familienverbände notwendig. Die Politik könne nur die Rahmenbedingungen festlegen.

Politik-Affären sorgen für Unmut

Kritik wurde im Umgang mit den Politik-Affären geübt, die derzeit die Schlagzeilen beherrschen. Der Fall Edathy sei höchst grenzwertig und der eigentliche Skandal gehe dabei völlig unter, kritisierte Stadtrat Reinhold Schroll.

Vor der Diskussionsrunde hielt Glück einen sehr umfangreichen Vortrag zum Thema »Was hat Politik mit dem christlichen Glauben zu tun?« Dabei vertiefte er die Werte des christlichen Glaubens und ging auf Gesellschaftsfragen ein. Als kleine Aufmerksamkeit überreichte ihm der CSU-Ortsvorsitzende Hans Peter Dangschat ein »süßes Dankeschön«. ga