Start des Regionalwerks Chiemgau Rupertiwinkel

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Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner führt den Verwaltungsrat des neuen gemeinsamen Kommunalunternehmens Regionalwerk Chiemgau Rupertiwinkel: »Wir sind weiterhin auf der intensiven Suche nach einem Vorstand für das Regionalwerk.«

Der Startschuss fiel am 1. Januar: Seinen Betrieb aufgenommen hat das Regionalwerk Chiemgau Rupertiwinkel. »Der Start war ermutigend«, sagt Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner im Interview mit dem Traunsteiner Tagblatt.


»Es gab sehr viele positive Rückmeldungen.« Als einer der Initiatoren des gemeinsamen Kommunalunternehmens (gKU) übernimmt der Bürgermeister den Vorsitz im 16-köpfigen Verwaltungsrat. Das Gremium muss zwar erst noch zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommen, doch seine Wahl gilt als sicher. Denn die Bürgermeister der 16 am Kommunalunternehmen beteiligten Gemeinden und Städte haben sich bereits für ihn als Verwaltungsratsvorsitzenden ausgesprochen. Laut Birner hat der Verwaltungsrat fürs Erste vor allem eine Aufgabe zu erledigen: Zu bestellen habe er den Vorstand, der aus zwei Personen besteht. »Wir sind schon sehr weit in unserer Auswahl.«

Vor wenigen Tagen, am 1. Januar, hat das Regionalwerk Chiemgau Rupertiwinkel seinen Betrieb aufgenommen. Wie war der Start?

Der Start war wenig spektakulär. So viel Aufwand und Vorbereitung für diesen Schritt notwendig waren, so wenig hat dieses Datum im Moment die aktuelle Situation bezüglich der konkreten Arbeit des Regionalwerks verändert.

Wir sind weiterhin auf der intensiven Suche nach einem Vorstand für das Regionalwerk und dort aber schon sehr weit in unserer Auswahl. Daher bleibt bis dahin das Vorstandsamt kommissarisch noch in meiner Hand. Das würde ich natürlich gerne schnellstmöglich abgeben, denn meine Kapazitäten dafür sind nur begrenzt vorhanden.

Dennoch war der Start ermutigend. Es gab sehr viele positive Rückmeldungen. Gerade sind wir dabei, entsprechende Räumlichkeiten final zu organisieren. Das sind alles relativ banale Dinge, die jedoch erst jetzt nach der offiziellen Gründung angegangen werden können – es hätte im Gründungsprozess ja immer noch etwas dazwischenkommen können.

Wie lautet das erste Projekt, das Sie verwirklichen wollen?

Die strategische Ausrichtung des Regionalwerks festzulegen ist die Aufgabe des Verwaltungsrates, dem ich vorstehen darf. Doch aus den Rückmeldungen der Kollegen aus den beteiligten Kommunen scheint es vor allem einen starken Bedarf an der Bearbeitung von Wärmeversorgungsprojekten zu geben. Arealnetze und Sektorenkopplung in neuen oder bestehenden Quartieren sind hier die entsprechenden Schlagworte. Für unsere Region im Rupertiwinkel und gerade in Kirchanschöring mit der aktuell laufenden Geothermiebohrung steht dieses Handlungsfeld bei mir in meiner Rolle als Kirchanschöringer Bürgermeister ebenfalls sehr weit oben in der Prioritätenliste.

Welche weiteren Vorhaben stehen auf Ihrer Agenda?

Die Aufgabe des neuen Vorstandes wird es auch sein, eine Priorisierung der verschiedenen Ideen vorzubereiten. Auch müssen wir überlegen, was zum jetzigen Zeitpunkt alles umsetzbar ist. Für viele Ideen braucht es Kooperationspartner und neues Know-how in unserer Region. Doch die Unterstützung der Anlagenbetreiber von Post-EEG-Anlagen wie zum Beispiel PV-Anlagen wird ebenfalls ein Handlungsfeld sein, das wir sehr schnell angehen sollten.

Daneben haben wir aber auch schon Vorschläge von Firmen bekommen, die eine Kooperation bezüglich neuer und innovativer Ideen auf dem Energiesektor wünschen. Inwieweit das derzeit umsetzbar ist, müssen wir aber sehr sorgfältig prüfen.

Denn bei aller Freude und teilweise Euphorie über das neue Regionalwerk müssen wir auf eine solide Betriebsführung achten. Das Ziel ist es ja, dass wir die Kommunen bis auf die in der Satzung festgelegten Einlagen nicht weiter belasten.

Wie gestalten Sie das Verhältnis zu den anderen Energieversorgern in der Region, mit denen Sie doch in Konkurrenz treten?

Bereits im Vorfeld und während der Erstellung der Machbarkeitsstudie wurden Gespräche mit verschiedenen örtlichen Energieversorgern geführt. Denn wir streben gerade ein Miteinander für die Region an. Wir wollen als Regionalwerk Chiemgau Rupertiwinkel zur Stärkung der Regionalität in der Energieversorgung beitragen. Kooperationen, ein Sich-Ergänzen bei Kompetenzen und der fachliche Austausch, den es ja bei den regionalen Versorgern bereits schon gibt, sind auch Ziele des Regionalwerks.

Im Vorfeld der Gründung des gemeinsamen Kommunalunternehmens haben Sie die Gemeinden und Städte eingeladen mitzumachen. Viele, aber längst nicht alle sind mit ins Boot gestiegen. Setzen Sie sich das Ziel, doch noch die eine oder andere Kommune auf Ihre Seite zu ziehen?

Mit 16 Kommunen sind wir bereits jetzt erheblich mehr Beteiligte, als wir uns als Mindestanzahl für einen Start des Regionalwerks als Marke gesetzt hatten. Für den Anfang sollten wir uns nicht als oberstes Ziel setzen, uns unbedingt erweitern zu wollen. In den letzten Sitzungen der beteiligten Bürgermeister haben wir uns dazu eine grobe Linie vorgegeben: Sollten aktuell weitere Kommunen Interesse haben, sich dem Regionalwerk anzuschließen, so wird es im zweiten Halbjahr 2021 ein entsprechendes »Aufnahmefenster« geben. Da es erste Anfragen dazu gibt, haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen.

Eine Erweiterung ist ja immer mit entsprechendem Aufwand, wie zum Beispiel einer Satzungsänderung, verbunden, die dann wieder in den Gremien aller beteiligten Kommunen abgesegnet werden muss. Zudem soll das Regionalwerk jetzt erst einmal ins Arbeiten kommen, einen geregelten Betrieb aufnehmen und entsprechende gesicherte wirtschaftliche Pläne für die kommenden Jahre erarbeiten und vorlegen. Wir brauchen also zu Beginn eine Zeit des Aufbaus, ohne dass immer wieder die Strukturen verändert werden.

Doch für Kommunen, die sich aktuell eine Beteiligung vorstellen können, gibt es eben dieses »Beitrittsfenster« in 2021. Dann soll aber eine Pause für zwei bis drei Jahre eingelegt werden.

Welche Wünsche haben Sie als Vorsitzender des Verwaltungsrats für das Jahr 2021?

Im Moment bewegen uns ja im Grunde ganz andere, fundamentalere Wünsche für das Jahr 2021. Doch bezüglich des Regionalwerks hoffe ich, dass wir im ersten Halbjahr mit einem neuen Vorstand in den neuen Büroräumen in Kirchanschöring den Betrieb aufgenommen haben, im Verwaltungsrat eine Strategie mit einer Prioritätenliste von hochinteressanten und möglichst gut in der Region des Regionalwerks verteilten Projekten erarbeitet haben.

Wichtig wäre es in meinen Augen, Ende 2021 zudem bereits erste, kleinere Bausteine abgeschlossen zu haben und damit im Bewusstsein der Region und seinen Einwohnern verankert zu sein. Am Ende des Jahres sollen alle Beteiligten sagen können: »Ja es war eine gute Idee, dieses Regionalwerk Chiemgau-Rupertiwinkel zu gründen und dabei mitzumachen.

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