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»Starke Frauen braucht das Land«

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BBV-Ehrenpräsident Gert Sonnleitner sprach beim Landfrauentag in Waging zum Thema Ehrenamt. (Foto: H. Eder)

Waging am See – »Willst du froh und glücklich leben, lass' ein Ehrenamt dir geben«: Mit dieser zweideutigen Aussage hatte Kreisbäuerin Resi Schmidhuber in das Thema des Landfrauentags in Waging eingeführt. BBV-Ehrenpräsident Gert Sonnleitner, betonte vor gut 400 Landfrauen, das Ehrenamt trage nicht nur zur persönlichen Entwicklung bei, sondern bringe auch wirtschaftliche Vorteile. Außerdem seien ehrenamtlich engagierte Menschen zufriedener, weil sich ihr Horizont erweitere. Dabei habe das Ehrenamt im Bauernverband einen hohen Stellenwert, ja sei hier flächendeckend vorhanden: »Das gibt es bei keiner anderen Organisation, außer vielleicht bei der CSU. Deswegen ist der Bauernverband auch so stark«.


Miteinander der Bauern von großer Bedeutung

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Das Miteinander der Bauern sei von großer Bedeutung, so Sonnleitner, da »alle auf uns losgehen und uns erklären, wie Ackerbau und Viehzucht geht«. Aus diesem Grund müssten die Bauern ihr Gewicht in die Gesellschaft einbringen.

Ein Hauptthema der Rede des ehemaligen bayerischen und deutschen Bauernverbandspräsidenten aus Niederbayern war seine von ihm als »reines Ehrenamt« bezeichnete Tätigkeit als UN-Sonderbotschafter für Landwirtschaft. »Wir sind eine satte Gesellschaft«, das sei ihm nicht zuletzt durch diese Tätigkeit bewusst geworden. »Wir haben alle ein bisserl zuviel auf den Rippen«. Mit der Benennung eines Sonderbotschafters für das »Internationale Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe« hätten die Vereinten Nationen das Augenmerk der Weltöffentlichkeit auf die Bedeutung einer von Bauernfamilien getragenen Landwirtschaft für die Überwindung von Hunger und Armut, für eine gesicherte Nahrungsmittelversorgung und für die Verbesserung der Lebens- und Umweltbedingungen richten wollen. Das Modell der bäuerlichen Familienbetriebe mit ihrer hohen unternehmerischen Eigenverantwortung und generationsübergreifenden Ausrichtung könne, so Sonnleitner, die großen Herausforderungen der Welternährung meistern – ein Modell, das so ganz anders sei als das von Kapitalgesellschaften, bei denen die Manager selbst bei Misswirtschaft noch mit hohen Entschädigungen rechnen könnten.

Beim Landfrauentag waren, wie immer, zahlreiche Vertreter einschlägiger Organisationen gekommen und auch die Mehrheit der Bürgermeister der Landkreisgemeinden. Auffallend war diesmal der hohe Damenanteil. Die einzige Bürgermeisterin im Landkreis, Ursula Haas, wurde von einer ganzen Reihe von Bürgermeister-Stellvertreterinnen umrahmt: Gerti Winkels aus Traunreut, Waltraud Wiesholer-Niederlöhner aus Traunstein, Monika Fuchs aus Fridolfing und Hedwig Witzleben aus Waging. Sie hatte, sozusagen als Hausherrin, in ihrem Grußwort darauf verwiesen, dass das Wirtschaften auf den Bauernhöfen nicht möglich wäre ohne die Kraft und den Einsatz der Frauen in den vielfältigen Aufgabenbereichen. Nicht zuletzt übernähmen die Frauen häufig auch die Betreuung der Senioren, die damit auf dem Hof bleiben und in der Familie alt werden dürfen. Auch der Erhalt von Brauchtum und Tradition sei vielfach ein Verdienst der Frauen. Sie hätten immer ein offenes Ohr, wenn jemand gebraucht werde, der zulangt und hilft. »Starke Frauen braucht das Land«, meinte Hedwig Witzleben und wünschte den Landfrauen für ihre Aufgaben viel Freude und Energie.

Frauen als Rückgrat der Familienbetriebe

Landrat Siegfried Walch lobte die Landfrauen als »Power-Frauen«. Ohne starke Frauen würden weder Politik, noch die Landwirtschaft oder die Gesellschaft funktionieren. Sie seien das Rückgrat der Familienbetriebe und damit ein entscheidender Teil der wirtschaftlichen Stärke der Landwirtschaft. Wegen der großen Bedeutung der Landwirtschaft für den ländlichen Raum will der Landrat künftig einen »Landwirtschaftsbeirat« einrichten, der – ab dem ersten Quartal 2015 – regelmäßig tagen und in wichtige Entscheidungen mit eingebunden werden soll. Einen solchen Beirat gebe es noch in keinem anderen Landkreis, sagte Walch unter dem Beifall der Anwesenden. Zum Schluss dankte er den Landfrauen »für ihr Engagement und ihre Leistung an 365 Tagen im Jahr« und die Vorbildfunktion, die sie für das Wertefundament auf dem Lande hätten.

Auch BBV-Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer lobte die wichtige Arbeit der Landfrauen: »Wir Männer können da nur daneben stehen und vor Neid erblassen.« Die Bauern rief er zur Geschlossenheit auf: »Unsere Interessen können nur wir selber vertreten.«

Kreisbäuerin Resi Schmidhuber freute sich über die zahlreich vertretenen Kommunalpolitiker, dies sei ein Zeichen der Achtung für die Landfrauen. In ihren einleitenden Worten hatte sie zuvor an Rosa Braml erinnert, die bisherige Stellvertretende Kreisbäuerin aus Siegsdorf, die im vergangenen Monat gestorben ist. Auch der Landfrauenchor, dem Rosa Braml ebenfalls angehört hatte, widmete ihr mit ihrem Lieblingslied »Jeder Tag ist ein Geschenk« ein letztes Gedenken. »Wir vermissen sie sehr«, so Kreisbäuerin Resi Schmidhuber.

Eine Urkunde gab es für jahrzehntelange Mitgliedschaft beim Landfrauenchor für Betty Untermaier aus Truchtlaching. Vor 30 Jahren hatte sie zusammen mit Chorleiterin Marianne Zehentner den Landfrauenchor gegründet und ist noch bis heute dabei. Ein adventliches Gesteck erhielt Chorleiterin Rosa Illguth, die den Chor seit 2002 leitet. »Wir sind stolz auf euch«, meinte Resi Schmidhuber an die Geehrten und den gesamten Landfrauenchor gewandt. he