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Städtepartnerschaft entstand aus einem Schüleraustausch

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Traunstein. Im März 1988 wurde der Freundschaftsclub Haywards Heath-Traunstein gegründet, um die Beziehungen zwischen den beiden Städten zu fördern. Mit einem Jubiläumsabend im Heimathaus feierte der Club sein 25-jähriges Bestehen. Dabei wurde auf Festreden verzichtet. In lockerer Runde führte der Vorsitzende Günter Miedaner durch das Programm und ließ einige Wegbegleiter des Freundschaftsclubs zu Wort kommen.


Anlass für die Gründung des Vereins war der seit 1977 bestehende Schüleraustausch zwischen der Reiffenstuel-Realschule in Traunstein und dem Oathall Community College in Haywards Heath. Deshalb kam auch Geoff Goater, ehemaliger Lehrer am englischen College und Mitbegründer der Anglo-German Society, zu Wort, wenn auch nur über Tonträger, da er am persönlichen Erscheinen verhindert war.

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Er lobte die sehr gute Stimmung, die von Anfang an zwischen den Schülern und Lehrern aus Bayern und England geherrscht habe. Aus dem Austausch der Schulen sei 1993 die Städtepartnerschaft entstanden. Trotz der Entfernung floriere die Partnerschaft mit ununterbrochener Begeisterung.

Jugend als wichtiger Bestandteil

Die Jugend sei ein wichtiger Bestandteil der Partnerschaft, sagte Miedaner. Michael Zillner berichtete dazu von seinem Schüleraustausch 1986. Es sei eine der wenigen Gruppen gewesen, die mit dem Bus gereist und zwei Tage unterwegs gewesen sei. Als Gründe für das Interesse am Austausch nannte er, weit wegzukommen und die Sprache zu lernen. Sowohl in den Gastfamilien als auch in der Schule seien sie sehr gut aufgenommen worden.

Realschullehrer Tim Berliner meinte, der Englandaustausch sei nach wie vor sehr beliebt. Er betonte: »Wir greifen auf keinen kommerziellen Reiseveranstalter zurück, sondern haben noch einen echten Schüleraustausch mit Gegenbesuch.« Die Schüler verstünden sich nicht nur als Gäste, sondern als Botschafter der Stadt Traunstein. Das Sprachliche werde meistens schnell vergessen. Was sie mit nach Hause nähmen, seien die herzliche Aufnahme und Liebenswürdigkeit der Menschen in England. »Das macht sie offener für andere Kulturen.«

Sein englischer Kollege Duncun Powell, der zurzeit mit einer Schülergruppe in Traunstein ist, erklärte, es sei ein großes Vergnügen, am Austausch teilzunehmen, der seit Beginn ununterbrochen laufe. Die Schüler würden dadurch selbstsicherer werden und erführen eine wunderbare persönliche Entwicklung.

An die Clubgründung mit 24 Gründungsmitgliedern im Gasthaus Beim Hansl vor 25 Jahren erinnerte Walter Spörl, der bis zum vergangenen Jahr 24 Jahre lang Zweiter Vorsitzender war. Bald seien auch »native speaker« dem Club beigetreten wie beispielsweise die Schottin Mairi Mair. Im Juli 1988 habe der Club mit den »Englischen Tagen« losgelegt. Es folgten Theateraufführungen in englischer Sprache, Musik- und Literaturabende und die ersten Clubreisen. »Wir haben viel Kultur auf die Bühne gebracht«, so Spörl. Vertreten war der Club auch an den Ständen der Partnerstädte auf der Truna. Miedaner ergänzte, dass es seit der Vereinsgründung rund 220 Veranstaltungen gegeben habe.

Briefkasten und Telefonzelle wurden aufgestellt

An den Beginn der Städtepartnerschaft 1993 erinnerte sich Fritz Stahl, der damals Traunsteiner Oberbürgermeister war. Es hätten bereits Partnerschaften mit Gap, Pinerolo und Wesseling bestanden. »Nachdem der Freundschafts-club eine derartige Vorarbeit geleistet hatte, konnte sich die Stadt nicht heraushalten«, begründete er den Stadtratsbeschluss, eine vierte Städtepart-nerschaft einzugehen. Um sie mit Leben zu erfüllen, sei die Stadt mit Aufmerksamkeit und Wertschätzung dabei gewesen. Aber auch in England habe er die Freundlichkeit der Menschen kennengelernt.

Er erinnerte daran, dass 1993 bzw. 1994 ein Briefkasten und eine Telefonzelle aus dem jeweils anderen Land als optische Zeichen der Partnerschaft aufgestellt worden seien. Außerdem gebe es einen Haywards-Heath-Weg in Traunstein und einen Traunstein Way in Haywards Heath.

Auf die Frage von Miedaner, ob denn Städtepartnerschaften noch zeitgemäß und notwendig seien und welche Rolle sie beim Zusammenwachsen von Europa spielten, sagte Stahl, wenn jeder trachte, den größten Vorteil für sich davon zu tragen, werde es schief gehen. Die meisten wollten gut leben, aber könne der andere gut leben, wenn das Klima nicht stimme?

»So interessant wie früher ist Europa nicht mehr«, erklärte Oberbürgermeister Manfred Kösterke. Dies zeige, wie wichtig das persönliche Kennenlernen sei, um Ängste auszuschalten. Deshalb unterstütze die Stadt jegliche Bemühungen zum Erhalt der Städtepartnerschaften, um die Menschen zusammenzubringen. »Nur wenn die Menschen sich treffen, kennenlernen und mögen, wächst Europa zusammen«, stellte Kösterke fest. Bjr

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