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Städtebaulicher Masterplan: Traunstein weiterentwickeln

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Präsentierten die Vorschläge, die Traunstein voranbringen sollen: Professor Martin Schirmer aus Würzburg (links) und Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Mehrere Monate lang haben sich Traunsteiner Bürger in verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen engagiert und ihre Ideen und Vorstellungen rund um das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) eingebracht, mit dem die Stadt Traunstein die Weichen für eine langfristige erfolgreiche Weiterentwicklung der Stadt stellen will. Stärken und Schwächen wurden analysiert, Fachleute nahmen die Bürgerideen auf und bündelten diese zu einem Gesamtvorschlag und einem Konzept, das jetzt im Brauerei-Ausschank Schnitzlbaumer öffentlich vorgestellt wurde.


Oberbürgermeister Christian Kegel machte deutlich, dass man vor gewachsenen Herausforderungen stehe, die passgenaue Lösungen erforderten. Dabei gehe es nicht nur darum, was sich kurzfristig realisieren lasse. Der ISEK-Prozess sehe vielmehr Projekte in einem zeitlichen Rahmen von mehreren Jahrzehnte vor. Er würdigte das bürgerschaftliche Engagement in den Werkstätten der vergangenen Monate: »Dass es funktionieren kann, haben wir ihnen zu verdanken. Sie haben ihre Ideen eingebracht.«

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Auch der in Klausur gegangene Stadtrat habe sich intensiv mit den Vorschlägen und Ideen beschäftigt. Herausgekommen sei nun ein Leitfaden, an dem man sich entlanghangeln sollte. »Ich glaube wir haben sehr vorzeigbare Ergebnisse«, zeigte Kegel sich von den ISEK-Resultaten überzeugt. Er würdigte die konstruktive Zusammenarbeit mit den externen Büros, die den ISEK-Prozess nun seit Mitte 2015 begleiten. Lob bekam auch die Regierung von Oberbayern, die den Beratungsprozess gefördert hatte.

Die Vorstellung der Ergebnisse bedeute aber nicht das Ende des städtebaulichen Gesamtkonzepts: »Heute ist erst der Anfang«, machte das Stadtoberhaupt deutlich. Man müsse sich nun – auch unter der Initiierung einer Lenkungsgruppe und einem fortwährenden Bürgerdialog – an die Realisierung der Projekte machen.

Der von der Stadt Traunstein mit dem ISEK-Prozess beauftragte Professor Martin Schirmer hinterfragte in seiner Ergebnisvorstellung: »Wie will sich Traunstein in den nächsten Jahren entwickeln?« Die Ergebnisse seien eine Momentaufnahme der Projekte, die man als derzeit prioritär sehe. Schirmer definierte Handlungsfelder wie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, den man schwerpunktmäßig im Westen der Stadt angesiedelt sehe.

Eines der Handlungsfelder sei die Stärkung der Identität der Stadt. Der geschichtliche und landschaftliche Reichtum solle erlebbar gemacht werden. Im Handlungsfeld Mobilität und Verkehr gehe es darum, die Mobilität nachhaltig zu gestalten, den Radverkehr und das Parkraumangebot zu optimieren. Hier solle die Fahrradfreundlichkeit gestärkt werden.

Viel Arbeit wartet auf die Mitwirkenden auch im Handlungsfeld Freizeit, Kultur und Tourismus. Chancen in Sachen Kultur sehe man am Karl-Theodor-Platz und an der Bahnhofstraße. Für den Tourismus gelte es ein Alleinstellungsmerkmal Traunsteins zu entwickeln. Auch die Weiterentwicklung des Gewerbestandorts Traunstein sei eine der primären Aufgaben. Als klares Handlungsfeld kristallisierte sich aus den vorangegangenen Bürgerwerkstätten auch die Thematik Energie und Klimaschutz heraus. Hier gäbe es Zielkonflikte. Eine historische Altstadt mit Sonnenkollektoren zugepflastert, sei schwer vorstellbar. Es gehe um »stadtbildgerechte energetische Sanierung.«

Viele Bürger aus Kammer und Rettenbach hatten ISEK als Chance für ihren Bereich gesehen. Entsprechend groß war die Präsenz in den Bürgerwerkstätten und auch bei der jetzigen Ergebnisvorstellung waren überdurchschnittlich viele Kammerer und Rettenbacher vertreten. Zielprojekte sind hier ein Konzept für die Nahversorgung oder auch der Bau einer Mehrzweckhalle.

Schirmer machte deutlich, dass vieles wohl nur langfristig oder überhaupt nicht realisiert werden könne. »Wenn – dann« sei oft die Thematik. Man müsse beispielsweise für den Festplatz einen Alternativstandort finden. Dann gäbe es auch dort beispielsweise Entwicklungsmöglichkeiten zur Bebauung.

Die ISEK-Aufarbeitung ziehe rund 70 Projekte nach sich, so Schirmer. Aus der Prioritätenliste habe man für das kommende Jahr drei als vorrangig fixiert. Die Impulsprojekte seien die Entwicklung des Bahnhof-Areals West, die Entwicklung Traunsteins zur Fahrradstadt und ein Ortsteilentwicklungskonzept für Kammer-Rettenbach.

Nicht alle Bürger waren begeistert

Eine längere Diskussion war zwar nicht vorgesehen, trotzdem wollte man von Seiten der Stadt Traunstein die Bürger zu Wort kommen lassen. Nicht alle zeigten sich von den gezeigten Vorschlägen begeistert, mehrheitlich zeigte man sich aber sehr zufrieden. Dagmar Haid attestierte der Stadtverwaltung, dass gemachte Vorschläge immer »weggewischt« worden seien, was Oberbürgermeister Kegel so nicht gelten lassen wollte. Gerade in der Thematik rund um das Radfahren in Traunstein bemühe man sich sehr. »Die Situation in Traunstein ist keine leichte, aber 'mit einem Wisch' wird bei uns nichts weggetan«, machte das Stadtoberhaupt deutlich.

Helga Mandl kritisierte, dass der Stadtrat die Jugend in seiner Prioritätenliste nur auf Platz vier eingestellt habe. »Die sollte bei uns auf Platz eins sein.« Auch die Transparenz und die Kommunikation der Ergebnisse der Arbeitsgruppe rund um das Jugendhaus seien ihrer Überzeugung nach verbesserungswürdig. Ernst Holl sagte: »Ich kann das Wort Jugendzentrum schon nicht mehr hören.« Er kritisierte unter anderem die fehlenden Übernachtungsmöglichkeiten in Traunstein.

Wolfgang Wörner konnte mit der ISEK-Präsentation wenig anfangen: »Ich bin von der Veranstaltung ziemlich enttäuscht.« Er habe erwartet, dass man ein Ergebnis sehe. »Viele hätten ein bisschen mehr erwartet.« Es seien Vorschläge gekommen, die zum Teil schon klar abgelehnt wurden, wie er am Beispiel der möglichen Bebauung des Festplatzes deutlich machte. »Ihre Ideen sind zu sehr aus der Luft gegriffen.«

Die Kritik brachte Tobias Spörlein auf: Man müsse ISEK als Chance sehen. Es werde immer zuerst geschaut, was man schlecht macht. »Es wird gestritten miteinander und es kommt nichts heraus.« Er finde es gut, wenn eine neutrale Stelle die Chancen aufzeige, die auch Parteigrenzen sprengen könne. »Aus Utopien entstehen Ideen.«

Konrad Baur zeigte sich beeindruckt, hinterfragte aber bei der Idee »Fahrradstadt Traunstein«, was mit dem motorisierten Verkehr geschehe. Jürgen Pieperhoff führte nochmals die von Schirmer gemachten Aussagen aus, dass ISEK eine Stoffsammlung sei. Es sei gut, dass die Stadt drei Projekte herausgegriffen habe, »um einfach mal anzufangen«. awi

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