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Stadtpfarrkirche St. Oswald soll innen renoviert werden

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Pfarrer Georg Lindl zeigt von der Empore in den Kirchenraum, der wie zweigeteilt wirkt: unten licht und hell, oben finster. Er hofft, dass nach der Renovierung und Reinigung von Stuck und Deckengemälden  sowie  nach  Installation  einer neuen Beleuchtung dieser negative Eindruck nicht mehr entsteht.
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Die alten Kommuniongitter an den Seitenaltären aus »Alpenmarmor« stammen angeblich vom Dom auf Herrenchiemsee und wurden offenbar nachträglich in St. Oswald eingebaut. »Sowas wird die Restaurierung wohl kaum überleben«, glaubt Pfarrer Georg Lindl.
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Die Pfarrkirche St. Oswald von innen

Traunstein – Das Erzbischöfliche Ordinariat plant eine umfangreiche Innenrenovierung der Traunsteiner Stadtpfarrkirche St. Oswald. Als »Papstkirche« hat St. Oswald für das Erzbistum München und Freising besondere Bedeutung. Hier feierte Benedikt XVI. im Jahr 1951 Primiz.


Wie die Pläne für die Renovierung aussehen werden und wann das Vorhaben verwirklicht wird, steht noch in den Sternen; denn derzeit läuft erst die sogenannte Befundphase, also eine Bestandsaufnahme. Wenn sie abgeschlossen sein wird, könnte die Planung erfolgen. Im Idealfall könnte das bereits im Sommer geschehen. Im Herbst könnte dann der Vergabeausschuss des Ordinariats über die Realisierung des Projekts entscheiden. Wenn auch diese Hürde überwunden ist, könnte man im Frühjahr kommenden Jahres mit den Bauarbeiten beginnen.

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Orgelweihe und Eröffnung Weihnachten 2017?

Und wenn auch diese plangemäß abgewickelt werden, dann wäre es theoretisch möglich, dass man zu Weihnachten 2017 Wiedereröffnung der Kirche und Inbetriebnahme der neuen Orgel feiern kann. »Das ist die Wunschvorstellung«, betonte Stadtpfarrer Georg Lindl dieser Tage in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Fest stehe, dass das Gotteshaus während der zweijährigen Restaurierungsarbeiten geschlossen werden muss. Die Gottesdienste wolle man derweil im Sommer in der Salinenkapelle und im Winter in der Kirche des Studienseminars St. Michael feiern.

Gasumluftheizung ist Dreckschleuder ersten Ranges

Der Gedanke, St. Oswald zu renovieren, sei im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Orgel aufgekommen. Der Orgelbauer hatte darauf hingewiesen, dass das neue Instrument extrem leiden würde, wenn zuvor heizungstechnisch nicht etwas geschieht. Die derzeitige Gas-Umluftheizung sorgt nämlich dafür, dass der Staub in der Kirche aufgewirbelt wird und alles mit einer schwarzen Schicht überzieht.

Bei einem Rundgang durch das Gotteshaus zeigt der Pfarrherr Dutzende von Unzulänglichkeiten, Bausünden, Fälle von Stilbruch und andere Ungereimtheiten, die es sinnvoll erscheinen lassen, im Rahmen einer Gesamtsanierung ein Erscheinungsbild herzustellen, das St. Oswald wieder zu einem sehenswerten Gotteshaus macht. Vieles in dieser Kirche, so der Eindruck aufmerksamer Besucher, passt hinten und vorne nicht zusammen.

Keine »postmoderne« Umgestaltung vorgesehen

»Im Mittelpunkt muss aber bei allen berechtigten Wünschen nach optischen und funktionellen Verbesserungen immer die Liturgie stehen«, betont Lindl. Die in einer Bürgerversammlung erhobene Anschuldigung, man wolle den Kirchenraum »postmodern umgestalten«, weist er zurück. Das ganze Vorhaben werde federführend vom Ordinariat abgewickelt; die Pfarrei habe lediglich ein Mitspracherecht.

Der Arbeitskreis Kirchenrenovierung des Pfarrgemeinderats habe aber auch für viele Details konkrete Vorstellungen und Verbesserungsvorschläge. Die Liste ist so lang, dass es den Rahmen dieses Berichts sprengen würde. Sie reicht von den unpassenden PVC-Bodenbelägen beim Gestühl und an Seitenaltären über überflüssige ehemalige Kommuniongitter an den Seitenaltären bis zu zahlreichen Elementen, bei denen man sich frage, warum das so gemacht worden sei.

Keinesfalls zur Disposition stehen nach Lindls Worten die Gemälde von Max Fürst und die alten Seitenaltäre sowie das einzige Ausstattungselement, welches den Brand der Kirche 1851 unbeschadet überstanden hat: das gotische Kruzifix. »Wir wollen einen hellen, schlichten, klaren Innenraum, der die Tradition bewahrt und Liturgie im 21. Jahrhundert ermöglicht«, fasst Lindl die Bestrebungen zusammen.

Steht man im Chorraum der Kirche und schaut ins Kirchenschiff, dann bekommt man den Eindruck, der Raum sei zweigeteilt: unten hell und oben dunkel. Das liegt nicht nur an der außerordentlich starken Verschmutzung, sondern auch an der Beleuchtung, für die man wohl auch ein zeitgemäßes Konzept entwickeln muss.

Staub und Ruß verschmutzen das Gotteshaus

Es ist an diesem trüben Februartag eiskalt im Gotteshaus. Geheizt wird es nur vor Messfeiern. Dann bläst die Gas-Umluftheizung heiße Luft »volle Pulle« in die Kirche, sodass jede Menge Staub und Ruß aufgewirbelt werden und sich an Bildern, Wänden, Altären und der Stuckatur niederschlagen. Fährt man über den Staub, bekommt man die Finger kaum noch sauber, so schmierig ist der Belag.

6000 Euro pro Jahr gibt die Pfarrei jährlich für die Gasheizung aus. »Dafür heizen wir den Stadtplatz«, klagt Lindl: Die warme Luft steigt nach oben und entweicht zum größten Teil durch die Fenster. Mit einer Wandheizung, so die Idee, will man ein gleichmäßiges Raumklima schaffen. Sie soll auch dafür sorgen, dass die feuchten Wände besser austrocknen. Den Gemälden und Altarbildern tut es sicher auch gut, wenn die Temperatur das ganze Jahr über in etwa gleich ist.

Nötig wären freilich auch bauliche Veränderungen. Der Haupteingang innen ist zum Beispiel seitlich versetzt angeordnet; der Raum mit dem Taufbecken ist mit einem Gitter versperrt und der Raum auf der anderen Seite des Portals, in dem die Kindergottesdienste gefeiert werden, ist mit einer schalldichten Tür versehen. Nicht gerade eine Zierde sind der riesige Krippenkasten, ein Beichtstuhl, der wie ein Fremdkörper wirkt, dicke Kabel hinter dem Hauptaltar... – die Aufzählung könnte man beliebig fortsetzen. Auf der Empore hat man schon mit dem Abbau der Orgel begonnen. Der Orgeltisch ist schon weg. Pfarrer Lindl hofft, dass man auch die alte Orgel verkaufen kann – »vielleicht in den Osten, denn bei uns wären die Renovierungskosten zu hoch.«

In der Etage unter der Orgel sollen zwei Stuhlreihen herausgerissen werden, um Platz für das Gebläse der neuen Benediktorgel zu schaffen. Als man nachschaute und ein paar Bodenbretter herausriss, kam der pure Dreck zum Vorschein, mit dem der Zwischenboden aufgefüllt wurde. Man wird sehen, ob die schäbigen Bänke auf dem noch schäbigeren Boden bleiben müssen.

Es wird eine spannende Zeit für die Pfarrgemeinde Sankt Oswald. Die Pfarrangehörigen sind gespannt, wie die Pläne des Ordinariats zur Umgestaltung aussehen werden und ob sie tatsächlich umgesetzt werden. -K.O.-