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Stadtgeschichte mal ganz anders

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Auf Stahlfiguren druckte Künstlerin Tatjana Utz die Bilder der porträtierten Traunsteiner. Teil des Projekts sind unter anderem Karl Weilharter und die erst neunjährige Paula Lex. (Foto: Voit)

Traunstein. Wie zufällige Passanten stehen sie rund um den Bahnhof in Traunstein verteilt: vor der Wartehalle, auf dem Bahnhofsvorplatz, am Busbahnhof und sogar auf dem Mittelbahnsteig. Gemeint sind sechs lebensgroße Metallfiguren mit Traunsteiner Gesichtern. Sie sind Teil der Ausstellung »Ein Kind in Traunstein«, die im Rahmen der Oberbayerischen Kulturtage stattfindet. Eröffnet wurde das Projekt der Münchner Künstlerin Tatjana Utz gestern von Oberbürgermeister Manfred Kösterke.


Dabei dreht sich alles um persönliche Kindheitserinnerungen unterschiedlichster Generationen: Vom jungen Mädchen bis zum älteren Herren berichten sie über ihre persönlichen Geschichten aus Traunstein. Auf diese Weise erfahren Einheimische und Gäste etwas über die Vergangenheit und Gegenwart, den Alltag, das Leben in der Stadt Traunstein über Jahrzehnte und Generationen hinweg. Mit dem Bahnhof, wo viele Menschen ankommen, sei laut Kösterke der perfekte Standort gefunden worden.

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Die neunjährige Paula Lex ist die jüngste Teilnehmerin und schildert ihre Erlebnisse für den Anfang des neuen Jahrtausends. »Ich möchte nirgendwo anders wohnen«, erzählte sie dem Traunsteiner Tagblatt bei der Eröffnung. Für sie war es sehr aufregend, ein Teil der Kunstinstallation zu sein. So erzählte sie für das Projekt aus ihrem Alltag, von ihrer Religion, einigen Urlaubserlebnissen und ihren Spielsachen. Um die Stahlfigur herzustellen, malte die Künstlerin ein Bild von Paula in Ölfarben. Später wurden die Bilder dann auf die Stahlfiguren aufgedruckt.

Aber nicht nur für die Schülerin war es ein großes Erlebnis, auch für ältere Porträtierte war es spannend, in der Vergangenheit zu wühlen. »Ich habe mich auf einmal an so viele Sachen erinnert, an die ich so nicht mehr gedacht hätte«, erzählt die 43-jährige Harfenistin Silke Aichhorn, deren Abbildung auf dem Bahnhofsvorplatz steht.

Da eine der Metallfiguren sogar am Mittelbahnsteig des Bahnhofs steht, müssen die Figuren strengen Vorschriften des Eisenbahnbundesamtes entsprechen. »Es war ein langer, komplizierter Prozess, aber die Mühen haben sich gelohnt», so Kösterke. Er hofft, dass sich viele Interessierte in den nächsten Tagen und Wochen die Erzählungen der Zeitzeugen anhören.

Für ihre interaktive Installation hat Tatjana Utz mit den porträtierten Traunsteinern Interviews geführt und professionelle Sprecher haben die sehr persönlichen Berichte dann aufgesprochen. Die Audioquellen können kostenlos unter den auf den einzelnen Tafeln angegebenen Telefonnummern angehört werden. Die Dateien und weitere Texte finden sich auch auf der Internetseite der Stadt.

Die lebensgroßen Metallfiguren, die durch die Stadt Traunstein und Zuschüsse des Bezirks finanziert worden sind, werden auch nach den Kulturtagen am Bahnhof stehen bleiben. mav