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Stadt will bezahlbaren Wohnraum schaffen

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Traunstein – Die Stadt wird auf einem eigenen Grundstück in Haidforst ein großes Haus mit 16 Wohnungen errichten. Die Kosten für den Bau werden auf rund 3,5 Millionen Euro geschätzt. Los gehen soll es im Juni 2017. Außerdem wurde im Stadtrat – wie bereits im Haupthausschuss – erneut über das geplante Jugendzentrum diskutiert. Die UW-Fraktion hatte vorgeschlagen, dass dieses im Kulturzentrum untergebracht werden könnte. Das gefiel vielen Stadträten allerdings gar nicht.


Zum Hintergrund: Weder das Jugendzentrum noch das Kulturzentrum im Stadtpark standen als solches auf der Tagesordnung. Es ging vielmehr um ein Gesamtkonzept zur Unterbringung von städtischen Einrichtungen, das die Verwaltung erarbeitet hatte. Im Hinblick auf die weitere Nutzung des Kulturzentrums hätten die Fraktionen Vorschläge machen sollen. Diese kamen allerdings nur von der UW-Fraktion. Den Parteimitgliedern wäre es beispielsweise wichtig, dass das Kulturzentrum nicht verkauft wird. Außerdem könnten sie sich die Unterbringung des Jugendtreffs im Erdgeschoß und im Untergeschoß gut vorstellen.

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Ernst Haider (UW) sagte, dass die vergangenen Monate gezeigt hätten, dass es schwierig werde, den Bürgerentscheid umzusetzen – also einen kostengünstigeren Neubau im Bahnhofsareal zu realisieren. »Wir wollten nicht ausharren, deshalb haben wir diese Idee als Alternative vorgebracht.«

»Jetzt haben wir ein Ergebnis«

Das gefiel Isabelle Thaler (CSU), einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens, überhaupt nicht. »Ich spreche mich klar gegen diesen Vorschlag aus«, betonte sie. Als Gründe führte sie die Lage des Kulturzentrums mitten im Wohngebiet und den schön angelegten Stadtpark aus, der früher ein Friedhof war. Über viele Jahre sei nach einer geeigneten Immobilie für den Jugendtreff gesucht worden – jedoch ohne Erfolg. »Jetzt haben wir ein Ergebnis, nämlich einen Neubau. Warum also das nicht akzeptieren, sondern wieder etwas anderes suchen?«, fragte sie.

»Das Kulturzentrum ist momentan voll belegt«, sagte dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD). »Da könnten wir jetzt eh nix ruckzuck machen.« Auch ihr gefiel der Vorschlag nicht, das Jugendzentrum dort unterzubringen.

»Wir sind an den Bürgerentscheid gebunden, deshalb haben wir auch keinen Vorschlag gemacht«, begründete Burgi Mörtl-Körner (Grüne) die Tatsache, dass ihre Fraktion keine Ideen für das Kulturzentrum eingereicht hatte.

Robert Sattler (SPD) ist der Meinung, dass die Entscheidung in Sachen Güterhalle/Jugendzentrum anders ausgefallen wäre, hätte es nicht gleichzeitig den Bürgerentscheid zur Landesgartenschau gegeben. In Richtung Isabelle Thaler, die betont hatte, dass der Bürgerwille zu akzeptieren sei – auch nach der Bindefrist, die im April 2017 ausläuft – sagte er: »Der Bürgerwille ist nicht immer gleich. Er kann sich auch mal ändern.«

»Schaffen wir für die Jugend endlich einen Platz«

Für Thomas Stadler (Grüne) steht fest, dass das Jugendzentrum am Bahnhof umgesetzt werden sollte. Er lobte den Jugendbeirat, der viele Fragen stelle und sich bei dem Thema einbringe. »Schaffen wir für die Jugendlichen endlich einen Platz«, betonte er.

Eine Entscheidung gab es diesbezüglich im Stadtrat nicht. Das Gesamtkonzept zur Unterbringung von städtischen Einrichtungen wurde lediglich zur Kenntnis genommen. Dabei ging es neben dem Kulturzentrum auch um mehr Büroarbeitsplätze im Rathaus, die Erweiterung der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule, den Umbau des Kindergartens Kammer für die Hortbetreuung, die Erweiterung der Grundschule Haslach und eine mögliche, zusätzliche Kindertageseinrichtung (wir berichteten).

In Haidforst plant die Stadt auf eigenem Grund ein viergeschoßiges Gebäude mit insgesamt 16 Wohnungen. »Das hat nichts mit der Wohnungsbaugenossenschaft Haidforst zu tun«, betonte Oberbürgermeister Christian Kegel auf eine entsprechende Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts »Die Stadt tritt hier als Bauherr auf.« Ziel sei es, bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen zu können. »Es werden Miethöhen von acht Euro pro Quadratmeter angepeilt«, sagte Kegel. Denn in Traunstein gebe es Menschen mit ganz unterschiedlichen Verdienstmöglichkeiten. »Da muss die Stadt gerade bei der derzeitigen Hochpreislage sehr darauf achten, dass auch diejenigen mit durchschnittlichen Einkünften und darunter eine Chance auf dem Wohnungsmarkt in Traunstein haben.«

Einhellig stimmte der Stadtrat für die Vorentwurfsplanung mit Kostenschätzung. Die weiteren Planungsschritte für das neue Bauwerk in Haidforst werden veranlasst. KR

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