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Stadt Traunstein stellt Sozialarbeiter für Jugendliche ein

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Traunstein: Stadt stellt Sozialarbeiter ein – Hinaus auf die Straße zu den Jugendlichen
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Neben vielen Straßen und Plätzen in der Stadt ist auch der Brunnenhof am Rathaus – mit dem Eingang zum Jugendtreff (links) – einer der Arbeitsplätze für den Straßensozialarbeiter, den die Stadt einstellt. (Foto: Pültz)

Traunstein – Am Bahnhof halten sie sich auf, am Karl-Theodor-Platz und an anderen Orten in Traunstein. Nicht in, sondern vielmehr neben und abseits von Einrichtungen gehen viele Jugendliche ihre eigenen Wege – was immer wieder auch zu Situationen führt, die die Öffentlichkeit als störend empfindet. Mit diesen Jugendlichen versucht die Stadt Traunstein nun in Kontakt zu kommen – mit einem Straßensozialarbeiter, den sie einstellt und zu den jungen Leuten schickt.

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Die Idee, einen Ansprechpartner zu schaffen, stammt von der SPD in der Stadt. Ihr Vorschlag fand parteiübergreifend Zustimmung: Auf Antrag der SPD-Fraktion hat der Stadtrat mit einer Gegenstimme von Karl Schulz von der CSU – in der Diskussion meldete er sich nicht zu Wort – die »baldmöglichste Einstellung« eines Straßensozialarbeiters beschlossen.

Vielfältige Aufgaben stellen sich der neuen Vollzeitfachkraft. Insbesondere ist sie angehalten, Kontakte zu den Zielgruppen aufzubauen, sie zu beraten und ihnen informativ beizustehen. Die Stadt will den Sozialarbeiter nicht nur auf der Straße, sondern auch in ihrer Einrichtung, dem Jugendtreff, einsetzen.

Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) sagte, in der in der Stadt seien viele Jugendliche, die schwer erreicht werden können. Zu ihnen einen Kontakt herzustellen sei die Aufgabe, die sich stellt. Kegel schlug vor, den Straßensozialarbeiter nach Bedarf einzusetzen: ihn im Sommer auf die Straße und im Winter dann vermehrt in den Jugendtreff zu schicken. Peter Forster, der Vorsitzende der SPD-Fraktion, stieß ins gleiche Horn und hielt dieses »Splitten« für sehr gut. Forster erinnert an den großen Bedarf und unterstrich, dass ein Straßensozialarbeiter unbedingt tätig werden müsse.

»Wir dürfen keine Jugendlichen verlieren«, betonte Jugendreferent Thomas Stadler (Bündnis 90/Die Grünen). Die Stadt sei aufgefordert, auch und gerade Jugendlichen, die sich auf der Straße aufhalten, nachzugehen und ihnen zuzuhören. Auch Ulrike Hoernes (Traunsteiner Liste) stellte sich voll und ganz hinter die Anstellung eines Straßensozialarbeiters. Ein »niederschwelliges Angebot aufsuchender Jugendarbeit« habe bislang gefehlt.

In der Stadt treffen sich nicht nur Jugendliche und Heranwachsende aus Traunstein, sondern auch viele, die aus Nachbargemeinden wie Siegsdorf oder Nußdorf kommen – was immer wieder auch Probleme mit sich bringt, die im Rathaus wahrgenommen werden. So berichtet die Stadtverwaltung, dass sich in den vergangenen Jahren speziell im Bereich des Bahnhofs Situationen ergeben haben, »die von der Öffentlichkeit als störend erlebt wurden beziehungsweise kriminelle Strukturen erkennen ließen«.

Probleme auch am Jugendtreff

Auch rund um den Jugendtreff am Brunnenhof im Rathaus seien, so die Verwaltung weiter, »problematische Verhältnisse« gegeben. Die Besucherzahl habe sich in den letzten drei Jahren verfünffacht – was aufgrund der Enge in den Räumen dann zu »vermehrten Konflikten« geführt habe. Diese Problematik zeige sich in der kalten Jahreszeit am deutlichsten. So habe man von November bis April regelmäßig die Polizei hinzuziehen müssen, um »potenziell gewalttätige Auseinandersetzungen zu verhindern«. Außerdem habe eine »zunehmende Beliebtheit von illegalen Drogen« festgestellt werden müssen. In einer Umfrage hätten 47,9 Prozent der Besucher des Jugendtreffs angegeben, dass sie bereits illegale Drogen konsumierten.

Mehrere einrichtungsgefährdende Jugendliche erhielten nach Angaben der Verwaltung Hausverbote, was in der Folge dazu führte, dass sie sich nun im Brunnenhof, am Karl-Theodor-Platz und an weiteren Orten aufhalten. »Abseits von jeglichen gesellschaftlichen Institutionen scheinen einige dieser Gruppen bereits subkulturelle Eigenheiten entwickelt zu haben.« So hätten Mitarbeiter im Jugendtreff mehrfach von Gruppenstrukturen berichtet, »die zu Gewalthandlungen, Erpressungen von Gleichaltrigen und Drogenhandel verleiten«.

Ordnungsrechtliche Maßnahmen allein werden die Situation nach Ansicht der Stadtverwaltung im Rathaus nicht verbessern können. Denn in den Gruppen sei ein »gesellschaftsfernes Normen- und Wertesystem« vorherrschend, das mit strafrechtlicher Verfolgung nicht verändert werden kann. Sinnvoll sei der Einsatz eines Straßensozialarbeiters, »der zu diesen Jugendlichen eine vertrauensvolle und tragfähige Beziehung aufbaut und so präventiv, erzieherisch und kontrollierend wirkt«.