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Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

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In den frühen Morgenstunden des 23. Mai brach im »Pfarrerbauernhof« in der Ortsmitte von Schneizlreuth das verheerende Feuer aus. Über 50 Menschen wurden dort im Schlaf von den Flammen überrascht. Für sechs Männer im Dachgeschoß kam jede Hilfe zu spät. (Foto: Leitner)

Traunstein – Sechs Menschen starben in den Flammen, 20 wurden zum Teil schwer verletzt: Nun hat die Staatsanwaltschaft Traunstein Anklage gegen den 46-jährigen Geschäftsführer der Schneizlreuther Veranstaltungs-GmbH erhoben. Ihm wird fahrlässige Tötung in sechs Fällen und fahrlässige Körperverletzung in 20 Fällen zur Last gelegt.


Im von der Firma genutzten »Pfarrerbauernhof« im Ortskern war es am Pfingstwochenende zu einem folgenschweren Brand gekommen. 47 Mitarbeiter einer Arnstorfer Firma, die dort ihren Betriebsausflug verbrachten, und sieben weitere Personen wurden in den frühen Morgenstunden des 23. Mai vom Rauch und den Flammen überrascht. Sechs Männer im Matratzenlager unterm Dach des alten Bauernhauses konnten sich nicht mehr befreien und starben an Rauchvergiftungen. Der Schaden am Gebäude wurde auf mindestens 600 000 Euro beziffert.

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Keine Genehmigung für Beherbergung von Gästen

Bereits wenige Tage später wurde der Geschäftsführer der Veranstaltungsagentur wegen Fluchtgefahr festgenommen und sitzt bis heute in Untersuchungshaft. Der dringende Verdacht, dass er für die Nutzung des Gebäudes als Beherbergungsbetrieb aufgrund von Bau- und Brandschutzvorschriften keine Genehmigung hatte, verdichtete sich.

Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Traunstein haben in den vergangenen Wochen umfangreich ermittelt. Eine Vielzahl von Zeugen wurde vernommen. Zur Klärung der Brandursache wurden außerdem zwei Gutachten von Sachverständigen eingeholt. Wie das Feuer im Haus nun genau ausgebrochen ist und ob sich der Verdacht des technischen Defekts an der elektrischen Anlage bestätigt hatte, dazu wollte sich der Sprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein gestern auf Anfrage aber nicht äußern.

Als nächsten Schritt wird nun das Landgericht Traunstein entscheiden, ob die Anklage gegen den Geschäftsführer auch zugelassen wird. Wann dies genau geschehen wird, hängt laut Richter und Pressesprecher Tobias Dallmayer von mehreren Faktoren ab und kann ebenso wenig datiert werden wie ein möglicher Prozessbeginn. apo