Sportgeschäfte in der Region haben mit Lockdown zu kämpfen

Bildtext einblenden
Langlaufen und Skitourengehen boomen in diesem Jahr noch mehr als in den vergangenen Jahren. Die Menschen wollen angesichts von Corona raus an die frische Luft. Doch wie wirkt sich die Begeisterung für Sport auf der einen Seite und die aufgrund des Lockdowns geschlossenen Sportgeschäfte auf der anderen Seite auf die Umsätze aus. Wir haben uns umgehört. Foto: dpa/Symbolbild

Den Kopf beim Sporteln freibekommen. Jetzt, wo so vieles nicht erlaubt ist. Das scheint den Menschen angesichts von Corona zu helfen. Im Sommer boomte der Fahrradverkauf, nun sind Skitourenausrüstung und Langlaufski stark nachgefragt. Doch die Sportgeschäfte sind im Lockdown. Wie also wirkt sich der Trend zum Sporteln auf der einen Seite und die Schließung der Geschäfte auf der anderen Seite aus? Das Traunsteiner Tagblatt hat sich umgehört. Der Tenor: Für Sportgeschäfte ist es äußerst schwierig, Fahrradläden profitieren sogar noch im Winter von dem Boom.


»Es ist ein Bruchteil dessen, was in normalen Jahren verkauft wird«, sagt Petra Mühlberger, die Inhaberin von Sport Dorner in Reit im Winkl. Sie spricht von »einem Tropfen auf den heißen Stein«. Zu dieser Zeit seien in Reit im Winkl eigentlich ja um die 8000 Gäste. »Das wirkt sich massiv auf unser Geschäft aus«, betont Petra Mühlberger. »Wir können im Moment nur auf die Einheimischen hoffen.«

Die 50-Jährige stellt durchaus fest, dass mehr gesportelt wird. »Die Leute wollen raus«, sagt Petra Mühlberger. Doch wenn sie höre, wie es bei den Paketdiensten rund gehe, dann wisse sie, wo die meisten einkaufen würden.

»Uns trifft es sehr hart«

Das Langlaufen und das Skitourengehen boomen in diesem Jahr noch mehr als sonst. Und in einigen Sportgeschäften wird das Angebot bereits knapp. Die Reit im Winklerin ist aber in Sachen Langlaufski gut aufgestellt, wie sie betont. »Alle Anfragen können wir sicher nicht abdecken. Denn bei Langlaufskiern ist das ganz krass. Da müssen Gewicht und Größe perfekt zum Ski passen. Aber wir haben noch viel Ausrüstung.« Petra Mühlberger würde sich wünschen, dass sie ihr Geschäft, das sie seit 22 Jahren hat, Mitte Februar wieder aufmachen darf. Doch wirklich glauben tut sie daran nicht. Für die gebürtige Reit im Winklerin ist das Coronajahr »absolut schwierig.«

Das gilt es auch für Sport Krenn in Waging. »Uns trifft es sehr hart«, betont Lisa Loithaler. Eigentlich seien die Monate Dezember, Januar und Februar richtig starke Monate. »Und jetzt haben wir auch noch so einen tollen Schnee«, sagt die leitende Angestellte weiter. »Es trifft uns also doppelt.« Wie in dem Sportgeschäft in Reit im Winkl auch, kann man bei Sport Krenn in Waging anrufen und das Bestellte abholen – »Call und Collect« also im Gegensatz zu »Click und Collect«, wo man sich im Internet etwas aussucht und es dann abholt.

Langlaufski und Tourenausrüstung würden ganz gut gehen, Ski alpin und Kleidung überhaupt nicht. »Die hängt wie Blei in unserem Geschäft. Da geht gar nichts«, betont Loithaler. »Das bestellen die Leute alles im Netz.« Für das relativ kleine Sportgeschäft sei Corona »eine Katastrophe. Und wir wissen ja nicht, wie lange das noch so weitergeht«, betont Lisa Loithaler.

Fahrradwerkstätten gelten auch während des neuerlichen Lockdowns bis Mitte Februar als systemrelevant. Im Unterschied zu reinen Fahrradgeschäften oder Sportgeschäften dürfen sie weiter geöffnet bleiben. »Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr ist bei uns der Verkauf förmlich explodiert«, sagt Alfred Zenz. Er ist einer der drei Geschäftsführer bei Rad & Sport Mayer in Traunstein. Und auch auf das gesamte Jahr gesehen ist er zufrieden. »Wir haben etwa ein Drittel mehr verkauft mit deutlichem Trend zum E-Bike.« Bis Weihnachten sei man für Reparaturen und Kundendienst erreichbar gewesen. Danach habe man Urlaub bis 10. Januar gemacht. Aktuell sei es »etwas ruhiger«, sagt Alfred Zenz.

»Unsere Werkstatt ist gut ausgelastet«

»Unsere Werkstatt ist trotz der fünf Mitarbeiter gut ausgelastet mit Pannenreparaturen und der Erledigung von Kundendiensten«, erklärt Toni Schneider vonRad + Sport Schneider. Die Zeit werde auch genutzt, um neu eintreffende Ware vorzumontieren. Gegen Ende der Saison sei das Angebot bereits knapp geworden. Wegen Lieferengpässen seien einige Modelle sogar ausverkauft gewesen. Während des Lockdowns sei nach Terminabsprachen die Reparatur nach wie vor coronokonform möglich, betont er.

Aufgrund frühzeitiger Order der neuen Ware für dieses Jahr bereits im vergangenen Juni sei man jetzt zuversichtlich, »dass wir bei der bestellten Frühjahrsware im Radsport lieferfähig sind«, ergänzt Schneider. Angesichts der Schneemassen seien die Mitarbeiter aktuell aber eher mit der telefonischen Beratung und dem »Click and Collect«-Verkauf von Wintersportartikeln beschäftigt.

»Nicht mal Standardverschleißteile wie Ketten und Bremsen sind aktuell lieferbar«, moniert dagegen Oliver Stoklossa. Er hat sich als Geschäftsführer von Steinbock Bikes auf individuell nach Kundenwunsch aufgebaute Räder spezialisiert. Trotz des sehr guten Verkaufs habe es das ganze Jahr über »immer wieder Probleme mit festen Lieferzusagen« gegeben, sodass sich gut zehn Prozent der Kunden anders orientiert hätten. Erst im Dezember sei etwa ein bereits im Mai bestellter Rahmen eingetroffen.

»Auftragslage wie in der Hauptsaison«

Während es in der Wintersaison normalerweise eher ruhig sei, »verzeichnen wir aktuell eine Auftragslage wie in der Hauptsaison«, sagt Stoklossa. Auch er ist mit Kundendienst und Reparaturen gut ausgelastet. Froh ist der Traunsteiner zudem, dass inzwischen wieder der Onlineverkauf mit Terminvereinbarung für Selbstabholer an der Ladentür angelaufen ist – auch wenn er mit einer gewissen Sorge für das Frühjahrsgeschäft auf die Verschiebung der Lieferfristen schaut. KR/eff

Mehr aus der Stadt Traunstein