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Sportanlage in Empfing: Landkreis beißt in sauren Apfel

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Traunstein. Zwei lange Debatten endeten im Kreisausschuss mit mehrheitlicher Zustimmung zu der »Maximallösung« für das neue Funktionsgebäude auf dem Sportgelände »Brunner-Anlage« in Empfing. Das beheizbare Gebäude umfasst zwei Geräteräume, behindertengerechte Toiletten sowie Umkleideräume für Schüler wie Lehrer. Ohne Planungskosten kommt der Neubau nach Worten von Landrat Hermann Steinmaßl auf 410 000 Euro. Neun Kreisräte befürworteten diese Variante, sechs waren mit Blick auf die knappen Kreisfinanzen dagegen.


Über den gut 1,4 Millionen Euro teuren Sportplatz, die Ausstattung mit Kunstrasen und Leichtathletikanlagen für Schul- wie Breitensport herrschte Einigkeit. Das Gesamtprojekt inklusive Planungskosten erfordert über zwei Millionen Euro. Der Landkreis trägt davon – nach Abzug des Staatszuschusses in Höhe von 200 000 Euro – 875 000 Euro. Auf die Stadt Traunstein beziehungsweise den Sportverein entfallen zusammen Kosten von etwas über einer Million Euro.

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Die Kostenaufteilung zwischen dem Landkreis und der Stadt war in der letzten Kreisausschusssitzung umstritten (wir berichteten). In Verhandlungen zwischen Landratsamt und Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke besserte die Stadt bei der Sportanlage deutlich nach, etwa beim Hochwasserschutz oder der Zufahrt. Der Gesamtanteil für den Kreis minderte sich dadurch um 100 000 Euro.

Zum Funktionsgebäude präsentierte Martin Eisenberger von der Planungsgruppe Strasser jetzt mehrere Varianten. Der Kreisausschuss hatte die Wahl zwischen einfachen Fertigdoppelgaragen und Nutzung der WCs im benachbarten Tennisheim, Fertiggaragen mit Modelsystem und stufenweisem Anbau weiterer Räume sowie einem soliden Gebäude konventioneller Bauart, jeweils und/oder gedämmt/beheizbar. Der Finanzaufwand klaffte zwischen etwa 50 000 und über 400 000 Euro.

Oberbürgermeister Kösterke informierte über die Vorgespräche und seine Zugeständnisse, darunter die Vorfinanzierung des Kreisanteils durch die Stadt. Baurechtlich werde man alle Gebäudevarianten genehmigen. Unabhängig davon werde die Kommune Gasleitungen zum Funktionsgebäude und zum Tennisheim legen.

CSU-Kreisrat Karl Kaditzky zeigte sich »sehr froh« über die positiven Verhandlungen. Man dürfe nicht vergessen: »Diese Sportanlage ist die einzige Leichtathletikanlage für alle unsere Schulen in Traunstein. Es wäre ein schlechtes Zeichen, lauter Provisorien zu bauen. Ich plädiere für eine große Lösung.« »Nicht zu klotzen, aber etwas Vernünftiges hinzustellen« war das Anliegen von Waltraud Wiesholer-Niederlöhner, SPD. Zwei Fertiggaragen mit überdachtem Zwischenraum, dazu Fertig-WCs aufzustellen und anzuschließen, hielt Helmut Kauer, ÖDP, für ausreichend.

Die WC-Anlage im Tennisheim mitzunutzen – diese Variante genügte Willi Geistanger, Bündnis 90/Die Grünen. Dr. Lothar Seissiger, FW/UW, mahnte: »Wir haben keine unbegrenzten Finanzmittel. Die Kreisumlage ist an der Grenze, erlaubt nichts mehr. Wir haben viele weitere Themen anzupacken.« Seine Fraktion werde einen Finanzaufwand von höchstens 0,7 Millionen Euro für das ganze Projekt mittragen.

»Die Maximallösung ist nicht finanzierbar. Wir können nicht jedes Jahr einige Hunderttausend Euro mehr ausgeben als im Finanzplan vorgesehen«, argumentierte Sepp Hohlweger, Bündnis 90/Die Grünen. CSU-Kreisrat Konrad Schupfner befürchtete, bei Nutzung der Tennisheim-WCs für den Schulsport werde irgendwann der Verein auf den Landkreis zukommen. Vielleicht könne man die Lehrer-Umkleiden reduzieren, auf eine Gebäudeheizung verzichten. »Aufs Klo im Tennisheim zu gehen – das ist keine Lösung für die Zukunft. Wir müssen in den sauren Apfel beißen und ein Funktionsgebäude errichten«, merkte Konrad Glück, FW/UW, an. Alles andere sei »kurzsichtig«. Als »kleines Zuckerl seitens der Stadt« bot Oberbürgermeister Kösterke an, den Gebäudeunterhalt zu übernehmen.

Aus nichtöffentlichen Sitzungen gab Hermann Steinmaßl zwei Beschlüsse bekannt. Der Auftrag für das Gewerk »Metallbauarbeiten« am Chiemgau-Gymnasium ging an die Firma Unterholzer in Töging mit einer Summe von knapp 94 000 Euro brutto. Die vorläufige Honorarsumme des Vertragsentwurfs mit dem Ingenieurbüro Stefanutti&Habl, Traunstein, für die zweite Ausbaustufe des Teilstücks Zweckham-Hurtöst mit Geh- und Radweg sowie Kreisverkehr belief sich auf fast 58 000 Euro.

Warum ein Buch über den Landkreis (»Zeitreise durch 100 Jahre Tourismus im Chiemgau«) in Indien gedruckt worden ist, wollte Alfons Baumgartner, Bayernpartei, wissen. Der Tourismusverband Chiemgau gebe schließlich Kreismittel aus. Darauf habe der Kreis keinen Einfluss gehabt, antwortete der Landrat. Die Entscheidung habe der Herausgeber, ein Verlag aus den neuen Bundesländern, getroffen. Der Kreis werde bald ein eigenes Buch herausbringen – das dann wohl in Traunstein gedruckt werde. kd