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Spende ermöglicht Restfinanzierung von Kirchner-Werk

Seeon-Seebruck. Dank einer großzügigen Spende des Vereins Ausstellungshaus für christliche Kunst (VAH) München in Höhe von 70 000 Euro ist die Restfinanzierung des Kirchner-Werks in der Gemeinde Seeon-Seebruck gesichert. Damit gehören jetzt alle 14 Skulpturen, nach denen im Gemeindegebiet auch ein Weg ausgeschildert ist, der Gemeinde. Dass die Finanzierungslücke durch diese Spende jetzt geschlossen werden konnte, darüber freut sich auch Bürgermeister Konrad Glück, der sich maßgeblich dafür eingesetzt hat, dass die Plastiken an den angestammten Plätzen bleiben können.

Durch eine Spende des Vereins Ausstellungshaus für christliche Kunst München in Höhe von 70 000 Euro wurde jetzt die Restfinanzierung des Heinrich- Kirchner-Werks in der Gemeinde Seeon-Seebruck gesichert. Unser Bild zeigt (von links) George Resenberg, Scarlet Münding und Wilhelm Warning mit Bürgermeister Konrad Glück (zweiter von rechts). (Foto: Rasch)

Der in Roitham lebende ehemalige Redakteur des Bayerischen Rundfunks, Wilhelm Warning, der auch Mitglied im Vorstand des Vereins ist, hatte über Bürgermeister Glück von der Finanzierungslücke erfahren und den Kontakt hergestellt. »Die Initiative, an das Lebenswerk des Künstlers Heinrich Kirchner zu erinnern, hat fest in unser Vereinskonzept gepasst«, sagte der Vorsitzende George Resenberg bei einem Besuch in der Kirchner-Galerie. Deshalb sei es dem Verein auch ein Anliegen gewesen, dieses Werk zu unterstützen. Der 1918 gegründete Verein hat sich keiner bestimmten Kunstrichtung verschrieben. Er ist offen für Kunst, die sich religiösen, existenziellen menschlichen Fragen stellt.

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Auch Heinrich Kirchner, der bis zu seinem Tod in einem ehemaligen Fischerhof in Pavolding lebte, war dem Christentum eng verbunden. Seine expressiv abstrakten Menschen- und Tierplastiken aus Bronze machten ihn nicht nur im Chiemgau bekannt. In den 1970er Jahren zogen seine Großplastiken auf ihrem angestammten Platz in Pavolding die Blicke auf sich.

Pavolding und Heinrich Kirchner waren zum damaligen Zeitpunkt sowohl für die Fachwelt der Kunstinteressierten wie für die Bevölkerung ein Synonym: Die Eiermänner standen da, als ob sie schon immer da gestanden hätten. In der Kernaussage von Heinrich Kirchner »Kunst ist Engagement« sah auch Bürgermeister Konrad Glück die Verpflichtung, diese als Engagement für die Kunst aufzunehmen. Mit Unterstützung des Gemeinderats und vieler Sponsoren und Gönner ist es gelungen, 14 Großplastiken zu kaufen. Die Skulpturen sind im Gemeindegebiet verteilt zu bewundern und als Skulpturenweg ausgewiesen.

Damit aber noch nicht genug: Vor rund dreieinhalb Jahren wurde das Schaffen des Künstlers mit der Einrichtung einer Galerie am Jakob-Weyerer-Platz in Seebruck fortgesetzt, die über das Leben und Wirken des international anerkannten Künstlers Aufschluss gibt. Die Dauerleihgaben, wie Modelle, Zeichnungen und Bildmaterial, wurden von den Erben des Künstlers zur Verfügung gestellt.

Kirchners bildhauerischem Gesamtwerk liegen thematisch etwa zweihundert verschiedene Bildgedanken zugrunde, die drei Schaffensperioden zugeordnet werden können. Sein Spätwerk, das sich vor allem in den bis zu sieben Meter hohen Riesenfiguren darstellt, ist gekennzeichnet von einer radikalen Transzendenz-Auffassung des künstlerischen Ausdrucks. Weit vor anderen Künstlern des ausgehenden 20. Jahrhunderts hat Kirchner bereits die Selbstauflösung des Ästhetischen in der Kunst und ihre Wiedergeburt im Geistigen thematisiert. ga