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Spanische Auszubildende für Betriebe im Landkreis

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Der Landkreis Traunstein beteiligt sich an einem neuen Projekt: 16 Spanier kommen im Sommer in den Chiemgau, machen erst ein Praktikum und beginnen im Idealfall im September eine Ausbildung.


Im Landkreis erfolgt die Ausbildung im Rahmen des Modellprojekts career (BY), das von den bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgebern bayme vbm und der vbw – Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, durchgeführt wird. Beteiligt ist auch die Wirtschaftsförderung des Landkreises Traunstein. Ziel ist es, zum Ausbildungsstart im September jungen Spaniern die Chance zu geben, hier eine Ausbildung zu beginnen.

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Erfolgreich durchgeführt wurde das Projekt schon im Landkreis Cham, wo im vergangenen Herbst 19 Spanier ins Berufsleben gestartet sind. Hauptgeschäftsführer der Verbände bayme vbm und vbw, Bertram Brossardt, sieht im Projekt große Chancen: »Die Erschließung des inländischen Potenzials genügt nicht, um den Fachkräftebedarf der Zukunft zu decken. Im Sinne eines zusammenwachsenden Europas ist es richtig, die grenzüberschreitende Ausbildung junger Menschen gezielt zu unterstützen.«

Elf Betriebe – 16 Plätze

Im Landkreis Traunstein beteiligen sich derzeit elf Betriebe, die 16 Plätze anbieten, wie Harald Schwarzbach, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung des Landkreises Traunstein, im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt berichtete. Auch in der regionalen Wirtschaft ist der Fachkräftemangel spürbar, in gewissen Berufsbereichen können keine Auszubildenden gefunden werden. Mittels einer Unternehmensbefragung wurde festgestellt, in welchen Branchen Auszubildende dringend benötigt werden und welche Betriebe sich daran beteiligen würden. Die teilnehmenden Betriebe wählten ihre zukünftigen Auszubildenden dann anhand von Profilen selbst aus. »Seit März nehmen die Spanier an Deutschkursen in ihrer Heimat teil. Im Juni kommen sie dann in den Chiemgau und machen im Betrieb ein zweimonatiges Praktikum. In dieser Zeit werden die Sprachkurse fortgesetzt. Wichtig für uns ist es, den jungen Leuten eine Willkommenskultur vor Ort zu schaffen, sodass sie sich hier wohl fühlen«, so Harald Schwarzbach.

Wenn die Spanier Ende Juni kommen, werden ihnen zwei sogenannte »Projektkümmerer« helfend an die Seite gestellt. Diese kümmern sich auch im Vorfeld darum, für die Spanier eine Unterkunft zu finden. »Mitarbeiter einiger Betriebe haben bereits angekündigt, Spanier bei sich zu Hause aufzunehmen und übernehmen eine Art Patenschaft«, berichtete Schwarzbach. Auch setzen sich die »Projektkümmerer« im Zusammenarbeit mit dem Landkreis dafür ein, dass die Spanier sozial gut integriert werden. Ein großer Vorteil ist in diesem Fall, dass sie bereits mit Deutschkenntnissen in den Chiemgau kommen. So werde man versuchen, die Spanier in Sportvereine zu integrieren oder gemeinsame Ausflüge zu unternehmen.

Förderprogramm »MobiPro EU«

Eine enge Zusammenarbeit gibt es auch mit der Agentur für Arbeit, die ähnliche Projekte durchführt. Die finanziellen Mittel der Projekte stammen aus dem Förderprogramm »MobiPro-EU« der deutschen Bundesregierung, das die Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen und arbeitslosen jungen Fachkräften in Europa unterstützt.

Ein Bedarf an Auszubildenden betrifft im Landkreis Traunstein die folgenden Branchen: Gesundheitswesen/Altenpflege, Hotellerie/Gastronomie, Klassische Handwerksberufe wie Bäcker, Metzger oder Frisöre; aber auch im Bau und in technischen Berufen werden dringend Auszubildende gesucht. Der Bedarf ist so groß, dass manche Betriebe auch zwei Auszubildende aufnehmen. »Sehr gut besetzt sein wird die Altenpflege, dort finden sechs bis sieben Spanier einen Ausbildungsplatz«, berichtete Schwarzbach weiter. Nach einem zweimonatigen Praktikum im Juli und August wird entschieden, ob die Spanier einen Ausbildungsvertrag bekommen. »Wir wollen jedem Einzelnen hier eine Chance geben«, meinte Harald Schwarzbach, der vom Erfolg des Projekts überzeugt ist. jar