weather-image
12°

Sozialtherapeutische Abteilung für Gewaltstraftäter

1.0
1.0
Bildtext einblenden
Der Leiter der Justizvollzugsanstalt, Christian Engert (2. von links) bei der Besichtigung der neuen sozialtherapeutischen Abteilung, zusammen mit Walter Schön (rechts) vom Bayerischen Justizministerium sowie den Landtagsabgeordneten Maria Noichl und Klaus Stöttner, den Vorsitzenden des Anstaltsbeirates. (Foto: Kretzmer)

Gewaltstraftäter werden ab sofort in der Justizvollzugsanstalt Bernau sozialtherapeutisch behandelt, um nach der Rückkehr in die Freiheit bessere Chancen auf ein straffreies Leben zu bekommen. Die neue Abteilung mit 24 Therapieplätzen ist in 14-monatiger Bauzeit bei Kosten von 1,4 Millionen Euro entstanden. Dr. Walter Schön vom Bayerischen Justizministerium und Anstaltsleiter Christian Engert eröffneten die Station. Engert sagte, die Station sei »kein Hotel und kein Kuschelvollzug«. Hier werde vernetzt und sehr intensiv auf die betreffenden Gefangenen eingewirkt, um sie von ihrer »verfestigten Fehlhaltung« fortzuführen.


Auf die Klienten wartet eine optisch offene, durch ein Glasdach sehr helle Abteilung, die allerdings strengsten Sicherheitsmaßstäben genügt. Die Gefangenen wohnen in Einzelzellen. Einzel- und Gruppensitzungen, Sozialtrainings und andere Therapieformen stehen auf dem Programm. Allein drei Diplom-Psychologen und drei Sozialpädagogen zählen zum Personal.

Anzeige

Ursprünglich sollte ein separater Neubau im Süden des Gefängnisareals entstehen. Die Baukosten von rund zehn Millionen Euro scheiterten aber »an der harten Realität des Staatshaushalts«, so Christian Engert. Deshalb fiel die Entscheidung auf eine kleine Baumaßnahme, ein Provisorium. Planung und Bau lagen in Händen des Staatlichen Bauamtes Rosenheim.

Walter Schön, Amtschef im Justizministerium, sagte, es handle sich bei den Räumen um »eine zeitlich begrenzte Übergangslösung«. Die sozialtherapeutische Station in Bernau bleibe aber eine Dauereinrichtung. »Wohngruppenvollzug« werde schon seit einigen Jahren mit Erfolg im Freistaat praktiziert. Die Sozialtherapie sei eine weitere wichtige Option in der Behandlung von Gewaltstraftätern. Jede Investition in Resozialisierung sei eine Investition in die Sicherheit der Gesellschaft. Eine derartige Behandlung ist nach Schön »kein Wellnessprogramm«: Man investiere in Gefangene, um Opfer und Gesellschaft zu schützen.« Schön ließ keine Zweifel: »In der Realität gibt es extrem gefährliche Gewalttäter, die nicht resozialisiert werden können oder die sich nicht mit ihrer Tat auseinandersetzen wollen. Man stößt an Grenzen.«

In seinem Grußwort bezeichnete der Vorsitzende des Anstaltsbeirats, MdL Klaus Stöttner, auch namens seiner Stellvertreterin im Beirat, MdL Maria Noichl, die neue Station als »Qualitätsverbesserung«. Bernaus Bürgermeister Klaus Daiber würdigte, in der neuen Abteilung werde viel dazu beigetragen, der Gesellschaft Schutz zu gewähren und Gefangene auf ihre Entlassung vorzubereiten. Für das Staatliche Bauamt Rosenheim erläuterte Eugen Bauer ergänzende Details.

Die beiden Anstaltspfarrer, Dr. Johannes Siebertz und sein evangelischer Kollege Uwe Hofmann, erteilten der Station einschließlich aller Zellen den kirchlichen Segen. kd