weather-image
25°

»Sovui z'rissn ham s' ja net!«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Damit sich regelmäßig genossener Cappuccino nicht zu sehr auf Hüften und Hintern absetzt, empfahl die Marktratschn (Bernhard Mühlbacher) den Waginger Damen regelmäßiges Fitnesstraining und machte es gleich selber vor. (Foto: H. Eder)

Waging am See. An Themen mangelte es ihr nicht, der Waginger Marktratschn alias Bernhard Mühlbacher: Allein der Wahlkampf hat reichlich Ansatzpunkte beschert, um die Politiker beim Starkbierfest zu derblecken. Die dicht gedrängt sitzenden Besucher im Trachtenheim kamen aus dem Lachen kaum noch heraus. Sie waren zudem schon vorher in beste Stimmung versetzt worden durch Andi Heindl mit seinen Liedern, Sprüchen und Witzen, durch die unnachahmlich vorgetragenen Gschichtln von Sepp Egger und auch durch die »Werd-scho-gron-Musi«.


»Herr, schmeiß Hirn vom Himmel«: Mit diesem frommen Wunsch empfing die Marktratschn, wie üblich in blauer Schürze, kräftig geschminkt und mit wirrem Haar samt Schleife, die »neuen und die ausrangierten Gemeinderäte«. Über die zu Ende gehende Gemeinderatsperiode sei nicht viel zu erzählen; denn »sovui z'rissn ham s' ja net!«

Anzeige

Jetzt aber erwarte die Waginger ein politisches »Dreigehirn« – zum einen natürlich Wahlsieger Herbert Häusl, »der so manche Entscheidung gern auf seinem breiten Popo aussitzt«, zum zweiten als wahrscheinlich neuer Vize Christian Reiter – »Jetzt dürf' ma uns wieder sechs Jahr lang des Gred vom Christian anhörn« – und als Dritte Bürgermeisterin vielleicht Hedwig Witzleben: »Die macht den Job richtig guat. Tät mi narrisch g'frein, wenn sie Dritte Bürgermeisterin wern würd.« Und bot sich gleich als Vorzimmerdame an, »wennst dann amoi erste Bürgermeisterin bist«. Auch auf eine weitere Dame im Gemeinderat freut sich die Marktratschn unter dem Motto »Weiber an die Macht: Die Lydia Wembacher werde »die Bagage scho aufmischen«.

Christian Reiter gab die Marktratschn noch mit auf den Weg: »Überdenk dei Strategie, sonst geht's dir wia am Prinz Charles von England.Bis du di zwei Mal umdrahst, hot di da jung Daxei scho überholt.« Den frisch gebackenen Gemeinderat der Grünen, Felix Daxenberger, solle man »seinen politischen Weg so gehen lassen, wie er gerne mag. Vergleicht ihn nicht zu sehr mit seinem Vater«, appellierte die Marktratschn.

Dem vierten Bürgermeisterkandidaten Georg Huber – sollte er nochmals kandidieren – empfahl die Marktratschn eine Verbesserung seines Outfits: »I kann mir dieses Elend nimmer länger anschaun.« Huber solle »etwas Pulver ansparen« und sich neue Klamotten kaufen. Dazu überreichte ihm die Marktratschn noch einen Gutschein für den Friseursalon.

Beim Durchblättern der Wahlbroschüren ist der Beobachterin der politischen Szene noch so manches aufgefallen, aber wenig Gutes: »Not und Elend lag da geballt auf meinem Küchentisch, die Wahl zwischen Pest und Cholera. Und Leut hab ich da gesehen, die hab ich mein ganzes Leben lang noch nicht gesehen.« Interessant zu erleben sei aber gewesen, dass man auf den Straßen von denen plötzlich gegrüßt worden sei: »Sogar über d' Straß hams grüßt und oan bläd ogrinst.«

Waging habe jetzt »ein Bauwerk, das vom Mond aussieht, wie die chinesische Mauer: die Lärmschutzwand an der Umgehungsstraße«. Hier habe der Gemeinderat »das hässlichste und greislichste Modell gefunden, das der Markt hergibt«. Während die Lärmschutzwand ohne Einweihung ihre Dienste leisten müsse, sei die neugestaltete Bahnhofstraße – hier ist die Marktratschn daheim – schon eingeweiht worden. Aber was war das für eine Feier: »Mein lieber Herr Gesangsverein, eine einzige Trauerveranstaltung! Jede Beerdigung ist lustiger.« Von daher ihr dringender Appell an die Gemeinde: »Wenn ihr a bissl an Arsch in da Hosn habts, dann machts des Jahr nomoi a ordentlichs Straßenfest!«

Als Liebhaberin guter Küche stellte die Marktratschn erfreut fest, dass Waging jetzt eine weitere bekannte Köchin hat – eine Fernsehköchin in der ZDF-Küchenschlacht. Allerdings war sie zumindest von der Zubereitung ihres Jakobsmuschel-Carpaccios nicht gerade besonders angetan, aber Ehre, wem Ehre gebührt: »Macht nix, wir sind stolz auf unsere Wagingerin im Fernsehen.« Apropos gutes Essen: Auf dem Programm der Marktratschn stand auch ein kleiner, frotzelnder Nachruf auf die bisherigen Inhaber des »Ristorante Badinelli«, die ja im Januar aufgehört haben.

Als modebewusste Dame bedauert die Marktratschn natürlich – wie so viele andere Wagingerinnen – dass es nach wie vor keinen Drogeriemarkt gibt. Und das, wie der geneigte Zuhörer schließlich erfuhr, obwohl es in dem neuen Waginger Lady-Fitnessstudio nicht mal Duschen gebe: »Da kommst dann schee dastunga und verschwitzt hoam, und der Gatte ergreift gleich die Flucht. Pfui Deife!« Dennoch aber ist die Marktratschn offenbar ein Fitnessfan: Flugs entledigte sie sich ihrer Gewänder und forderte dann im sportlichen Dress die Damen auf, bei einigen Leibesübungen mitzumachen. Da blieb kein Auge trocken.

Andi Heindl, der zuvor und danach mit lustigen Einlagen den Abend zusätzlich vergnüglich gestaltete, hatte wohl schon geahnt, dass sich die Politiker wohl einiges anhören müssten: »Schee, dass euch hertraut habts.« Er legte mit ein paar losen Sprüchen noch einiges drauf und rief dann drei Räte und drei Rätinnen auf die Bühne, wo sie etwas schlüpfrig aussehende Übungen zu absolvieren hatten. Sepp Egger, der sich als »Josef, der Schreckliche« vorstellte, erzählte dem Publikum mit erstaunlicher Sprachfertigkeit und ebenso bemerkenswerter Gedächtnisleistung die wahrlich schwierige Geschichte von der »Rhabarber-Barbara« samt ihren Barbaren mit Bart und danach die bedauernswerte Episode von einem Jager und seiner »rektalen Ruptur«. Die Besucher kringelten sich vor Lachen, und keiner brauchte es bereuen, sich an dem Abend beim Trachtenverein eingefunden zu haben. he